»Ich finde es so schrecklich langweilig hier,« sagte sie klagend.
»Diese Hausordnung mit den frühen Mahlzeiten und der frühen Schlußstunde am Abend. Und dann, es ist ja nichts los, aber auch gar nichts. Ich wollte an einen größeren Platz gehen, aber mein Mann wollte es nicht. Er ist solch ein Tyrann. Und dabei bin ich nicht eigentlich krank, es sind nur die Nerven. Ich war immer so entsetzlich verstimmt in letzter Zeit. Er sagt, ich müsse Ruhe haben und nicht zu vielerlei Eindrücke. Und dabei ist es gerade die Ruhe, die mich tötet.«
Das konnte er nicht so recht verstehen. Sie schickte doch Ellen immer von sich fort, weil sie Ruhe brauchte. Aber es war wohl eine andere Art von Unruhe, die sie suchte.
Er kam sich plötzlich ein wenig beichtväterlich vor. Er hatte ja gerade ins Vikariat treten wollen, als die Krankheit kam. Freilich, er hätte zu Bauern gesollt, auf ein Albdorf, er kannte den Pfarrer schon, zu dem er sollte. Dies hier war anders.
»Haben Sie etwas Gutes zu lesen?« fragte er. »Das ist manchmal auch ein gutes Hilfsmittel fürs Gemüt.«
Er dachte, er wolle ihr Bücher leihen, er überschlug schnell seinen Vorrat.
»Ach ja, ich lese eigentlich ziemlich viel,« sagte sie.
»Aber schließlich, was hat man denn?
Die Franzosen, ja, und dann die Russen, Turgenjeff und Gorki und Dostojewski.
Wissen Sie sonst noch etwas?«