Die Väter hatten so froh genossen und so wilden Auges gelebt! Sie glichen sich alle in Miene und Blick, und Generationen hindurch verzehrten sich die schönsten Frauen in Liebe um dies Haus!
Das Glück aber hielt treue Wacht und zog goldene Gitter um seine Günstlinge.
Einem breiten glänzenden Strome glich dies Geschlecht, der schimmernd die schönsten Lande durchzieht, Wälder und hohe Gipfel, glänzende Städte und den ganzen Himmel lachend wiederspiegelt.
Zöge sich doch mein Herz nicht zusammen, als ich dieses Vergleichs gedenke! Denn nach hundert Jahren erlosch ein Stern: der herrliche Fluss rauschte weiter; da veränderte sich sein Bett. Hoch und furchtbar drangen kahle Felsenwände auf ihn ein, qualvoll türmte sich da das tiefe Gewässer und wütete gegen die hemmende Wand.
Sein schrecklicher Schall tönte betäubend durch die Welt. Unerbittlich aber verengten sich noch die Thore, und der Fluss brach sich heulend seine Bahn. Als wilder umdunkelter Bach stürzt er im Schatten dahin. —
SKIZZE.
Vor Jahren fiel mir ein Buch in die Hände, dessen Titel ich mich nicht mehr entsinnen kann, es war eine Übersetzung aus dem Griechischen und mit vielen Anmerkungen versehen, wovon eine einen alten Spruch citierte, der mir immer im Gedächtnisse blieb. Die Worte erinnere ich mir nicht, nur den Sinn, und der war folgender.
»Nicht der Mann ist die Weisheit, nicht die Frau ist die Liebe: Die Frau ist Weisheit, der Mann ist Liebe. Des scheinbaren Umtausches sich nicht bewusst, sucht der Mann in der Frau seine eigne Liebe, die Frau im Manne ihre Weisheit wieder.«
Dieser Spruch schien mir nach und nach so manches Unerklärliche und Unvereinbare, das in jenen Beziehungen nicht zu begleichen schien, schärfer zu beleuchten.
Ein »ganzer Mann« wird einer Frau in so entscheidenden Punkten überlegen sein, dass nur die tiefere Weisheit des schwächeren Teils ein Gleichgewicht herzustellen vermag und in jener Weisheit allein die Möglichkeit liegt, den Blick dieses Mannes ganz wiederzuspiegeln.