SPITZBÖGEN
VON
ANNETTE KOLB
MIT ELF ZEICHNUNGEN VON
RUDOLF GROSSMANN
1925
S. FISCHER · VERLAG · BERLIN
Erste und zweite Auflage
Alle Rechte vorbehalten
Copyright 1925 by S. Fischer Verlag A.-G., Berlin
SPITZBÖGEN
Es gibt Leute, die mit Recht oder Unrecht im Rufe stehen, daß sie Unglück bringen. So war Offenbach als „Brandstifter“ berühmt, und sein Verweilen in einem Hause galt als Signal für eine Feuersbrunst.
Daß aber auch Städte sich dem einzelnen feindselig erweisen können, dürften die wenigsten noch erfahren oder bemerkt haben. Nun, mein Jettadore war Florenz. In was für Klemmen ich dort geriet, was für Schlingen dort jedesmal für mich bereit lagen, spottet jeglicher Erfindung. Ach und überhaupt – Italien! – Wer vermöchte es einesteils nicht zu lieben? – Aber die Ebene von Mailand, aber die seelische Kälte der italienischen Mietswohnungen, ihre tiefe Ungemütlichkeit und rudimentäre Öde, aber gewisse Häuser der Armen, die uns mit ihren hohläugigen Fenstern wie Pestkranke ansehen!