So weinend, lächelnd, grüß ich dich, mein Land

Und schmeichle dir mit königlichen Händen.“

Aber Shakespeare selbst, der in seiner ausgeprägt englischen Eigenart uns doch so nahe steht, wie glich er diesem Boden, auf welchem geschlossenste Äußerungen unserer Rasse, so heimisch und fremd zugleich, uns entgegentreten!

An diesem Faden weiterspinnend war es dann ein anderer wichtiger Punkt, der zumeist mich fesselte. Die Identität unserer geistigen Stellungnahme zu den Griechen: Walter Pater, in seiner Auffassung und Fühlung der Antike mit unseren Rhode und Burckhardt, als eines Geistes Kind.

Von unseren inneren Analogien aber versank ich staunend in die Betrachtung unserer äußerlich so starken Verschiedenheiten. Aber von allen Dingen sah und erfaßte ich da nur ihr Suchen, Fließen, Streben nach einem gleichen Ziele. Und nichts, was die Vorzüge der Engländer, Deutschen und Franzosen auseinanderhielt und voneinander abschloß, wollte mir da noch den Eindruck von etwas Verheißungsvollem, noch Ganzem, noch Befriedigendem gewähren.

Mein Alleinsein wurde indes von einem der Gäste unterbrochen, einem gewichtigen Parlamentarier, dessen politisches Credo: „We are the first nation“ aus allen seinen Beweisführungen mit unfehlbarer Sicherheit hervorging.

„What are you doing?“ sagte er.

Doch als ich ihm nun meine Gedanken auseinandersetzen wollte, da standen mir die Worte, die den Stein des Weisen, den ich doch schon zu halten glaubte, fassen sollten, nicht zu Gebote, sondern die Flammen, die im Kamin mit ihrem laut- und ruhelosen Rhythmus loderten, schienen in elementarerem Bezug zu meinen Träumen, als ich selbst. . . .

Warum aber weckte ich den Nachhall so vergessener Dinge? Lag an der Wirklichkeit, lag in der Gegenwart stets ein Etwas, das des Reizes tief entbehrte oder ihn verhüllte, da Augenblicke, die wir zu genießen uns nur flüchtig bewußt wurden, als wir sie erlebten, sich verklären, wenn sie wie abgeflossene Wellen längst verrauschten? Selbst die fiebernde Öde dieses Münchner Sommertages, — täuschte mich seine spleenartige Wirkung nicht?

Still schwebte schon der Mond am klaren Himmel über die Parkanlagen, die Straßen und Plätze. Von den dunklen Baumgruppen hob sich der Hildebrand’sche Brunnen ab, die immer neuen Strahlen seiner Lebensfülle milde wie der Mond ergießend. Immer neu sind dem Auge die kühnen, reichen Schweifungen des Beckens, in welchem das Wasser unter der überströmenden Schale, frei wie eine Flut sich ausbreitet und bewegt. Und immer neu blicken von dem mächtigen Sockel, wie durch rieselnde Schleier, überlebensgroße, marmorne Häupter. Aber das gesenkte Antlitz des Athleten, die weit getrennten Gruppen und das Quellen aus den Nischen, sie alle ertönen in übermächtiger Einheit zu einem rauschenden Akkord, aus welchem Münchens eigenste Seele in ihren reichen Gründen, echt wie der frische Strahl des Wasserstaubes, uns entgegenhaucht.