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Allseitige Verstimmung. Mein Wunsch, Fräulein Rottens Wunsch zu erfüllen, hat schwärzesten Verdacht erregt. Ich kannte die in Bern geschaffene Atmosphäre noch zu wenig, um zu verstehen. Warum in aller Welt, beschwert sich Fortunio bei mir, mischte ich mich da hinein! Welches Interesse hatte ich an dieser Reise?
Und diese Idee eines Vortrags! (Sogar er, es war unverkennbar, hat Argwohn geschöpft!)
Nur ein Vorwand natürlich! ich sagte es ja Telramund.
Fortunio zuckte die Achseln: er hat es Ihnen natürlich nicht geglaubt.
Die beiden werden uns noch sprengen!, brach ich aus, alle unsere Anstrengungen hintertreiben und uns alle zu Grabe tragen.
Mit Martin im Walde hatte ich ja meine Not. Die Verdächtigungen auf ihn regneten ohne Unterlaß. Schon während jenes Diners, welches Aramis bei meiner ersten Berner Ankunft gab, hatte ihn Telramund als einen Agenten mit doppeltem Schubfach bezeichnet, und Ortrud pfiff förmlich vor Hohn wie eine Maus. Daß ich widersprach, fiel nur auf mich zurück. Für einen ehemaligen Kruppdirektor also machte ich Reklame! Sprach dies nicht Bände? Daß er tatsächlich seine Stellung seinen Überzeugungen geopfert hatte, war ein Beweis mehr für seine Verschlagenheit. Den Bruder kannte er. „Den Bruder kenne ich!“ war sein Refrain.
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9. FEBRUAR. Ich miete einen Flügel: ohne Schmelz, ohne Tiefe, es ist wahr, und doch edel, weil immerhin ein Flügel. Gott sei Dank! Flügel sind jetzt sehr schwer zu kriegen! Ich bin einen ganzen halben Tag glücklich. Welches Glück! — es ist ein Glück, das ich der Protektion eines jungen Berner Pianisten verdanke. Wir hatten ein Zusammentreffen verabredet, um in die Fabrik zu fahren. In den Lauben kam Ortrud auf mich zu und äußerte den Wunsch, mich zu besuchen, und da ich ungeheuer eilig tat, begleitete sie mich, um zu sehen, ob es wirklich der junge Pianist war, der mich erwartet. Da er es wirklich war, denke ich mir, sie beruhigt sich jetzt.
10. FEBRUAR. Telramund erzählt mit vielsagender Miene, daß ich einen Flügel gemietet habe. Kein Zweifel mehr: ich bin eine Spionin.