Ja, das war jenes seltsame Luftschiff, welches die Franzosen gesehen hatten, dieses sonderbare Fahrzeug, welches so plötzlich auftauchte, daß man ein Phantom zu sehen glaubte.

Hart über einem Felsplateau, über einer Lichtung, blieb es plötzlich stehen. Die Flügel wirbelten nicht mehr, doch schien eine geheimnisvolle Gewalt es zu regieren. Es stand fast unbeweglich, ungefähr zwanzig Meter über dem Boden. Dann hörte man wieder jenes seltsame Klappen, und im selben Augenblick fiel eine lange, aus Seide geflochtene Strickleiter herab.

Kaum berührte diese den Boden, da kletterte auch schon ein Mann aus dem Luftschiff, der Mann in der blauen Uniform, der auch jetzt die Maske trug.

Hinter ihm aber kletterte eine zweite Gestalt hinab, die gleichfalls ein ungewöhnliches Aussehen darbot. Nein, das war kein Sohn der weißen Rasse, die buntfarbigen Gewänder, welche die geschmeidige, aber sehnige Gestalt umhüllten, deckten braune Glieder, dieser noch junge Mann war sicherlich unter glühender Sonne aufgewachsen.

Er folgte dem Vorankletternden mit größter Gewandtheit. Beide erreichten schnell hintereinander den Boden.

Der zweite Mann war nicht maskiert, sein junges, braunes Gesicht besaß einen eigentümlich träumerischen Ausdruck, fast sanft, ja weiblich, nur wenn die Augen aufglühten, gewahrte man, daß auch dieser Mann unbezähmbare Energie besitzen mußte.

Er war der Angehörige eines edlen Volkes, die feingebogene Nase, die ebenmäßigen Gesichtszüge verrieten den Inder. Dieser junge Mann, der in bescheidener Haltung neben dem Maskierten in der blauen Kapitänsuniform stand, war sicherlich ein Hindu, ein Sohn des Landes, welches die Engländer beherrschen.

Jetzt sah er unverwandt auf seinen stolzen Begleiter, dessen breite Brust krampfhaft arbeitete. Die Teile des Gesichts, welche die Maske nicht bedeckte, waren jetzt totenbleich und ein dumpfer, stöhnender Seufzer verriet, daß dieser Mann mit aller Macht gegen eine furchtbare Erregung kämpfte.

„Sahib,“ sprach der junge Hindu sanft in der wohllautenden Sprache seiner Heimat. „Sahib, warum seid Ihr wieder hierhergekommen? O, Herr, Ihr wißt, daß es für Euch eine Qual ist, eine Marter, die Euch das Herz zerfleischt, und dennoch sucht Ihr von Zeit zu Zeit diese Stätte auf, um Euch zu peinigen.“

„Du hast recht, treue Seele,“ tönte es von den bärtigen Lippen des Maskierten. „Keine Marter der Hölle ist so furchtbar wie die Pein, welche ich beim Besuch der Stätte empfinde, wo ich einst das größte Glück der Welt gefunden zu haben meinte. Aber ich kann nicht anders, es treibt mich immer wieder hierher. Vielleicht, daß die Zeit es dahin bringt, daß ich nicht mehr so an die Vergangenheit denke, wie jetzt. Aber wenn ich auch fliegen kann, so weit der Himmel blau ist, wenn die Erde, wenn das Weltall mir offen steht, eine finstere Gewalt gibt es, die mich immer wieder hierherführt, wo ich einst so glücklich gewesen. Komm, ich muß die Stätte wiedersehen.“