Theils durch Verpfändung, theils durch Gewalt und friedliche Verträge, waren verschiedene böhmische Städte an die Markgrafen von Meißen gekommen. Je mächtiger nun die Markgrafen von Meißen dadurch wurden, desto scheeler sahen dazu die Könige v. Böhmen und forderten, den deshalb geschlossenen Verträgen ohngeachtet zu verschiedenen Malen alles wieder zurück. Kunz v. Kauffungen und Apel v. Vitzthum hatten daher nichts eiligeres zu thuen, als den damaligen König Ladislaus gegen den Kurfürsten zu erbittern, so daß Ladislaus 1453 eine Forderung von 64 Städten an den Kurfürst schickte. Natürlich wurde diese als ungegründet abgewiesen. Ladislaus brach jedoch aus Böhmen in Sachsen ein und überfiel das Städtchen Pirna; doch wurde er sehr bald wieder zurückgeschlagen, so daß ihm ein dergleichen Ausfall nicht wieder gelüstete. Indeß hatte sich doch Kunz und Apel an den Kurfürsten gerächt. Sie hatten auch dadurch den König von Böhmen auf ihre Seite, und Kunz würde seine Forderungen vielleicht nie so weit getrieben haben, wenn er in Böhmen nicht einen so mächtigen Rückenhalt gewußt hätte. –

Als nun der Ausspruch der Leipziger, Magdeburger und Freibergischen[8] Rechtsgelehrten ankam, der darauf drang: daß Kunz die Vitzthumschen Güter herausgeben sollte, wurde der Rechtsspruch Kunzen bekannt gemacht, allein Kunz wollte ihn durchaus nicht gelten lassen. Endlich beschied man ihn den Dienstag nach dem Johannistage des Abends auf das Schloß Altenburg, um Mittewochs darauf, den 25. Juni (7. Juli)[9] 1455 den letzten Termin mit ihm abzuhalten. Kunz kam, aber um die Güte zu pflegen nicht, sondern, nachdem er sich die Höhe des Schlosses und vorzüglich das Schlafgemach noch einmal[10] ordentlich besehen hatte, ritt er ohne Abschied vom Kurfürsten zu nehmen fort, in Gedanken, wie er dem Kurfürsten auch selbst gesagt hatte: Er wolle sich für seinen Schaden nicht an Land und Leuten, sondern an des Kurfürsten eignem Fleisch und Blut rächen und erholen, worauf der Kurfürst erwiedert haben soll: Mein Kunz siehe zu, daß Du mir die Fische in den Teichen nicht verbrennest.[11] Kunz von Kauffungen ritt nun sofort auf sein Schloß Isenburg, (welches er befestigt hatte lassen,) um sich mit Apel von Vitzthum über die Ausführbarkeit eines Prinzenraubes zu besprechen.

Friedrich der Sanftmüthige mit Margaretha von Oesterreich vermählt, hatte zu dieser Zeit zwei Söhne Ernst und Albert. Ersterer geboren den 25. März 1441, Letzterer aber den 27. Juli 1443.[12] – Sein ältester Sohn Friedrich war schon 1421 und sein jüngster Sohn Alexander 1446 gestorben. – Er residirte auf dem Schlosse Altenburg, welches ein hohes, schönes Felsenschloß, unweit der Stadt Altenburg, ist.

Auf Ernst und Albert hatte Kunz sein Augenmerk gerichtet. Dieses theuere Kleinod der kurfürstlichen Familien meinte er, als er zum Kurfürsten gesagt hatte: an des Kurfürsten eignem Fleisch und Blut wollte er sich rächen. Entführen wollte er sie und auf seinem Schlosse Isenburg so lange fest halten, bis der Kurfürst seine Forderungen genügen würde. Zu diesem gewagten Unternehmen brauchte er natürlich mehrere um es auszuführen. Diese fanden sich denn auch bald, denn schon lange vorher war er von Burg zu Burg geritten, Mithelfer zu seinem Unternehmen zu finden und fand auch durch seine gewandten Reden Theilnehmer für sich und Haß gegen den Kurfürsten zu erwecken.

Nur fehlte es ihm nur noch an einem Kundschafter am kurfürstlichen Hofe, der ihm Nachricht ertheilen könnte, wenn der Raub am sichersten auszuführen wäre. Da lernte er denn in Böhmen einen böhmischen Küchenjungen kennen, Namens: Hans Schwalbe. Ein verschmizter Bube. Dieser, glaubte Kunz, würde in seine Plane eingehen, entdeckte ihm alles und schickte denselben mit Empfehlungsschreiben an seine guten Freunde am altenburger Hofe, wo man ihn auch sogleich als Küchenjunge, ohne Verdacht zu hegen, anstellte. Bald fand sich Gelegenheit, daß Schwalbe Kunzen treue Dienste leisten konnte. Folgenden Brief, wie er sich in den Wittenberger Originalacten befindet, schrieb Schwalbe an Kunzen:[13]

»Mein willigen Dienst sampt alles lybs und gutes tzuvor.

»Ehebarer strenger lyber Junker!

»Als der Kurfürst vestiglich beschlossen hat vf morgen Sundages nach der frumeß gein Lyptgk tzu wegfarten mitt den meresten Hofelüten, och Muntag vfe Abendt der Cantzler yn engelebete in synen Huse vsrichdten wirdet, samer mögen deheby mannichveltige Höfelinge wesen, vndt vffs Schloß pflege daczumalen allye der oldte Eßmus Drabandten Dynst, wellicher ast yngeschleffert wagk werden, der Pforthyner ist lagerigkrank, kan ich Uch nicht pregin, gelubener truwe Uch selbir gegewertiglich tzu dynen vndt Uwer Anstaltungk gewartin. Datum Aldenburg, am Samstag nach Vnser Frawentage. A. lv.

Hans Schwalbe.«