Nach der Himmelfahrt Unsers lieben Herrn Jesu Christi, als Frankreich mit anderen umliegenden Orten und Landen, Provincia, Langendoc und Aquitania, zu Christlichem Glauben kommen waren, da war ein Graf mit Namen Herr Johann Cerise, der hätt ein Weib, die war ein Tochter des Grafen Alvaro von Dalbara. Diese zwei hätten einen einigen Sohn, genannt Peter, der übertraf alle anderen in Waffen, Ritterspielen und anderen Sachen, also, daß er sich mehr göttlich dann menschlich erzeiget. Und ward freundlich und lieb gehalten, nicht allein von dem Adel, sondern auch von dem ganzen Lande. Seine Untertanen dankten GOTT dem Allmächtigen eines solchen Oberherrn. Auch hätten sein Vater, der Graf, und die Mutter sonst kein ander Freud, dann allein in ihrem Sohn, daß er so tapfer, so freundlich, so schön und so weise war.

Wie eins mals ein Turnier geschah durch die edeln Freiherren aus Befehl des Grafen.

Die Freiherren und Edeln des Landes hielten eines Tags ein Turnier, darin der Peter den Preis erlanget vor allen anderen, wie wohl viel fremder und geübter Ritter auch darbei waren. Die wurden alle von dem Grafen geehret von wegen seines Sohnes, und redeten alle mancherlei unter einander, als dann sein Gerücht weit erschölle, und seines gleichen nicht wäre. In Sonderheit ließ sich einer vernehmen von der Schönen Magelona, eines Königs Tochter von Neapel, deren gleichen nicht sollt gefunden werden von Schönheit und Tugend; und übten sich auch viele in Ritterspielen, ihr darmit zu gefallen.

Und es begab sich eines Tags, da kam einer zu dem Peter und saget ihm also: „Ihr sollet wandern und die Welt suchen und euch üben in Ritterspielen, damit ihr weiter erkannt würdet. So ihr mir des folget, werdet ihr ohn Zweifel einen schönen Buhlen überkommen.“ Da solches der Peter vernahm, und hätt die Weil vor auch von der Schönen Magelona gehöret, setzt er sich selber für in seinem edeln Herzen, so er möchte Urlaub haben von Vater und Mutter, zu folgen und die Welt zu erfahren.

Nicht lang darnach, als der Hof vergangen war, bedacht sich Peter, wie er es anfahen wolle, daß er Urlaub erlange von Vater und Mutter, die sich seines Hinziehens nicht versahen. Und es begab sich eines Tags, daß er Vater und Mutter fand bei einander sitzen; und gedacht, da um Urlaub zu bitten. Fiel also auf beide seine Knie, und sprach zu ihnen: „Gnädiger Herr Vater, auch gnädige Frau Mutter, ich bitt euch untertänig, mir als euerm gehorsamen Sohn, zuzuhören. Ich seh und erkenne, wie ihr mich bisher erzogen und in großen Ehren gehalten. Hab auch viel verzehrt von dem Euern, mich aber nicht gebraucht, Preis zu erlangen und bekannt zu werden, als die anderen Herren. Hierum bitt ich, so es euch nicht entgegen, mir gnädiglich zu erlauben, der Welt Lauf zu erfahren. Wann mich gedauchet gänzlich, es werd euer Ehr und mein großer Nutz sein. Darum, mein aller liebster Herr Vater und Frau Mutter, bitt ich euch demütiglich, ihr wollet mir gnädiglich und gutwilliglich erlauben!“

Als der Graf und die Mutter solchen Willen ihres Sohns vermerkten, wurden sie nicht klein beschwert und traurig. Doch antwortet ihm sein Vater und sprach: „Peter, lieber Sohn, du weißt, daß wir keinen andern Sohn haben, dann dich einigen, auch keinen Erben, dann dich. So es dann dir mißlünge (da GOTT vor sei), würde unser Grafschaft und Herrschaft ganz verloren werden.“ Auch saget ihm sein Frau Mutter: „Es ist dir nicht vonnöten, die Welt zu suchen. Wann die, so die Welt suchen, tun es, Geld und Reichtum, auch der Herren und Fürsten Gnad, dardurch zu erlangen. So hast du, GOTT Lob, von Reichtum und Ehren in Waffen und Ritterschaft, auch Adel, Milde und Schönheit genug, als kein Fürst dieser Welt. Hast auch ein gut Gerücht überall durch dein Tapferkeit erlanget, zu dem ein schöne Landschaft, GOTT Lob. Warum begehrest du dann, ander Gut zu erlangen? Zeig doch an die Ursach, warum du willens seiest, uns also zu verlassen! Sieh an deines Vaters und mein Alter, und betrachte, wie wir kein ander Freud, noch Trost haben, dann allein von dir! Und so kein ander Ursach wäre, dich in deinem Fürnehmen zu verhindern, gedauchtet mich solche genugsam. Hierum bitt ich dich, liebster Sohn, als viel ein Mutter ihr Kind bitten kann, du wollest deines Hinziehens fürder schweigen!“

Als der Peter solchen Willen seines Vaters und Mutter vermerket, ist er sehr erschrocken, jedoch hat er mit nieder geschlagenen Augen auf ein Neues angefangen und gesaget: „Ich bin der, so euch gehorsam und willig in allen Dingen sein will. Jedoch, so es euer beider guter Willen wäre, bitt ich nochmals von euch beiden gnädige Erlaubnis! In dem werdet ihr mir einen großen Gefallen tun. Ein junger Mensch mag nichts Bessers tun, dann sich üben und die Welt durch suchen. Derhalben ich wiederum auf das Untertänigst bitte, meines Hinziehens kein Beschwernis zu tragen, sondern zufrieden stehen.“