Es gibt noch andere Organe, um die Natur zu erfassen, als den kritischen Verstand: das unmittelbare Schauen, die tief ursprüngliche Empfindung, das intuitive Erlebnis. Diese bewahren uns vor der geistigen Verknöcherung, die sich auf dem Wahn gründet, alles kritisch erlernen zu können.
Wir dürfen das Staunen nicht verlernen. Die Großstadt hat es fast so weit gebracht, daß die Menschen glauben, sie könnten alle Rätsel der Natur in kinematographischen Theatern und wissenschaftlichen Vorträgen gegen bescheidenes Eintrittsgeld gelöst bekommen. Wer aber nur einmal auf Bergeshöhen dem schweigenden Atmen der Natur gelauscht, wer je die fragenden Augen geschaut, die uns aus aller großen Einsamkeit ansehen, der legt vor dieser Stille bescheiden seinen Dünkel nieder.
Das nimmt uns nicht die Lust, Kämpfer und Eroberer zu sein. Alles ist unser. Die Welt ist unser. Aber wir müssen in ihr bleiben, wie sie in uns – bleiben möchte. Und wenn wir ihr das verwehren, dann werden wir mit der Zeit mürbe, wurmstichig und innerlich zerfallen, trotz aller hohen Ziele.
Bad Tönnisstein in der Eifel.
Wenn wir uns selbst im Lichte stehen.
Phot. Ad. Saal.