Der Mann aber, der zuletzt nur noch ganz langsam gegangen und oft stehen geblieben war, um mit durstigen Augen all den bunten Glanz und all das ruhige Glück sonniger Farbenstille in seine verstaubte Seele hineinzutrinken, fing auf einmal von neuem an zu laufen. Nicht mehr aus Zorn. O nein! Er spürte nun, daß er wieder lebte, lebte in der Welt und mit der Welt, und die Welt in ihm. Er fing an zu singen und zu springen. Wie lange, das wußte er selber nicht. Aber plötzlich stand er wieder vor der Tür seines Hauses mit einem mächtigen Strauß aus Feld- und Waldblumen in der Hand, und er wunderte sich sehr, daß ihm sein Weib lächelnd entgegentrat, den Strauß mit wenigen, guten Worten bewunderte und sonst tat, als ob gar nichts gewesen wäre.
Was war denn überhaupt geschehen?
Er hatte nur noch ein dumpfes Gefühl einer wüsten, langen Gefangenschaft in dunkeln Räumen, einer barbarischen Trennung von Licht und Welt und Sonne und Schönheit. Und als er wieder in seinem Bücherkerker angekommen war, da wußte er, was ihm gefehlt hatte.
Von da an ging alles wieder gut im Haus, denn jeden Tag besuchte man mit dem Vater die Holunderbüsche und den Wald und den Bach und die Wolken und überhaupt alles da draußen vor dem Gartenhag, was so schön ist.
Und daß dieser Mann, der ein guter Bekannter von mir war, je einmal den »Zustand« hatte, das ist nun wie ein Märchen aus alten Zeiten. Und wenn es wieder kommen will und er fragt bei uns um unsere Meinung, dann wird die Parole gegen den Erzfeind aller Stubenhocker, den Sorgengeist, ausgegeben. Die Großen und die Kleinen und die Kleinsten werden in die gute Stube gerufen, ich setze mich ans Klavier, und der böse Geist fährt aus unter den Klängen des Liedes:
Hinaus in die Ferne!
Hinaus in die Freiheit, in die Sonne, ins Leben!
Phot. ***
Das Schondratal, ein Seitental der Fränkischen Saale.