Verächtlich drehte sich sein Gegner um, zu dem Wirte sagte er: »Laßt das Schw… liegen, bis der Rausch vorüber ist« – und zu dem Ziegelbrenner: »Kommen Sie, Lederer!« Die beiden bezahlten ihre Zeche und entfernten sich, den Trunkenen aber hob der Wirt auf eine Bank und lehnte ihn in eine Ecke – er schien dessen Zustand bereits zu kennen; dort lallte dieser noch einige unverständliche Worte, dann sank ihm das Haupt auf die Brust.
Hans Stahl schüttelte es vor Ekel und Wut; er konnte es kaum erwarten, bis Severin kam. Mit dem früh hereinbrechenden Herbstabend erschien er, und er erschrak beinahe über das Aussehen Stahls. Der faßte mit seiner feuchten kalten Hand nach der Rechten des Mönchs und führte ihn schweigend vor den Trunkenen. Der lag da, den Kopf zurückgebeugt auf die Lehne der Holzbank, das Gesicht fahl, die Haare wirr in die Stirn hängend, mit stumpfem, blödem Ausdruck.
»Das ist der Mann von Therese Holbert! Kommen Sie, Severin, damit ich die Bestie nicht im Schlafe erwürge; ich kämpfe schon lange genug mit mir!«
Er zog den Kapuziner mit sich fort; schweigend gingen sie durch den Abend, der seinen Schleier über das Thal auszubreiten begann, und als sie das Städtlein unter sich liegen sahen, schimmerten schon einzelne Lichter herauf. Da sie bei Hallers Wohnung wieder vorüberkamen, blickte Stahl empor, seine Linke preßte er heftig gegen das Herz, und Severin hörte ihn murmeln: »Armes junges Weib!«
Er ging mit dem Kapuziner bis an das Klösterchen; hier beim Abschied ergriff er dessen Hand und hielt sie fest:
»Severin – das unselige junge Weib hat hier keinen Freund, sehen Sie zu, was Sie ihr an Trost geben können! Sie kennen sie ja auch und wissen, daß sie Besseres wert war, als an diesen Menschen geschmiedet zu werden. Machen Sie's wieder gut, daß Sie die Beiden zusammengegeben haben. Und nun versprechen Sie mir, daß Sie mir schreiben wollen, wenn das Vieh ihr auch nur ein Haar krümmt – ich komme und wenn ich auf dem Sirius wär', und wenn ich ihn zum zweiten Male angreife, kommt er nicht lebendig davon!«
Den jungen Mönch überlief ein Schauer.
»Versprechen Sie mir's!«
»Ich werde ihr beizustehen suchen, wenn's notthut – und sollt' es mein Herzblut kosten!« sprach Severin, und seine Stimme zitterte, sowie seine Hand.
Stahl ließ diese plötzlich los; er sah dem jungen Mönche in das bleiche Gesicht, in die verschleierten Augen – und wie er ihn so anschaute beim blassen Mondlicht, das sich auf seine Züge legte und ihm den zuckenden Mund zeigte, da erschrak er beinahe.