Am nächsten Morgen fuhr Frohwalt fort aus der ewigen Stadt. Sonnenglut lag über der weiten Campagna, und mit träumerischem Blicke schaute der junge Priester darüber hin … es kam ihm feucht in die Augen, und er wußte selbst nicht warum.
Auf einer kleinen Station, wo der Zug kurz anhielt, sah er zwei Menschen aussteigen, die sich lachend umschlangen und feldein gingen. Sie wandten sich noch einmal um nach dem Zuge, und er erkannte die Gesichter: Es war der Bauer Geatano Vergani – augenscheinlich betrunken – und sein Weib, Signora Lucia, aber ohne Sammet und Seide: das würdige Paar schien sich wiedergefunden zu haben. Frohwalt widerte das Bild an, und er blickte nach der anderen Seite. –
Am 18. Juli aber entfaltete das Papsttum den ganzen reichen Glanz, der ihm zu Gebote stand. Die Herrlichkeit des Statthalters Christi auf Erden hatte auch niemals Veranlassung gehabt, so prunkhaft in die Erscheinung zu treten als diesmal, die der göttliche Schimmer der Unfehlbarkeit zum ersten Male öffentlich die dreifache Papstkrone umleuchten sollte.
Im Petersdome flammten die Kerzen, und zogen duftende Weihrauchsäulen durch die Hallen. Im höchsten Ornate hatten sich die Bischöfe eingefunden und sich um Pius IX. geschart, der, auf seinem Thronsessel sitzend, der letzten Generalkongregation beiwohnte und die letzte Abstimmung kontrollierte.
Von den nahezu fünfhundert Bischöfen, welche zugegen waren, wagte auch nicht ein einziger, gegen das neue Dogma zu stimmen. Und nun konnte der Hofstaat des Papstes in seiner ganzen Pracht ausziehen, und in feierlichster Weise unter den glanzvollsten Ceremonien wurde es der Stadt und dem Weltkreis verkündet, daß der heilige Geist den Sinn der Kirchenväter erleuchtet, und daß sie mit Einhelligkeit dem Stellvertreter Christi auf Erden die Unfehlbarkeit zuerkannt hatten.
Jauchzend drängte sich das Volk auf dem Petersplatze; der für Glanz und äußeren Schein empfängliche Sinn der Römer war bestrickt von all der Herrlichkeit, und brausend erscholl aus tausend und abertausend Kehlen das »Viva il papa!« Dazwischen dröhnten in mächtigen Salven die Kanonen der Engelsburg und die Sonne flimmerte auf der Fülle von Gold und bunter Seide, auf den prachtvollen Gewändern kirchlicher Würdenträger, auf den strahlenden Uniformen der päpstlichen Nobelgarde und auf den vor Lust leuchtenden Gesichtern der Menge.
Vetter Martin fehlte nicht. Mit einem seltsamen Lächeln sah er das großartige Schauspiel an, als mit einmal das Gesicht Hans Stahls in der Menge auftauchte. Der Alte arbeitete sich vorwärts und erreichte auch glücklich seinen jungen Freund.
»Na, Hans, was sagen Sie als Mensch, Maler und Katholik zu dem Bilde?«
»Ich? O Vetter Martin!«
Er wollte weiter sprechen, aber mit einem Male erstickten Thränen seine Stimme.