Sie hatte dem Alten beide Hände hingereicht, die er mit warmem Drucke umspannte.

»Aber wollen Sie nicht lieber zu Ihrem Vater zurückkehren – Sie haben mehr als nötig war fürs Vaterland gethan.«

Sie schaute ihn groß an:

»Ich habe mitgeschworen in Bremen im Dom, daß ich Blut und Leben an die Befreiung Deutschlands setzen wolle, und so lange wir nicht einen ehrenvollen Frieden haben, gilt der Eid. Soll ich wortbrüchig und fahnenflüchtig werden?«

»Nun, wenn's so steht, in Gottes Namen, so gehen wir zusammen zum alten Blücher. Was mich noch besonders hinzieht, wissen Sie wohl: Der Gedanke, meinem Jungen nahe zu sein und mit ihm in demselben Korps fechten zu können. Und ich denke, die Lützower verlieren wir dabei auch nicht aus dem Gesichte, denn der Major ist nicht der Mann, der an der Grenze stehen bleibt, wenn's erst einmal hineingeht ins welsche Land. Also, auf treue Kameradschaft unter den Fahnen des Marschall Vorwärts!«

Ein neuer warmer Händedruck besiegelte die alte Freundschaft, und zwei Tage, nachdem der Major mit zwei Reitereskadronen, unter denen sich auch Schmidt und Zander befanden, von Poppenbüttel ausgeritten war, marschierte unter Führung Walthers eine Schar bisheriger Lützower den Fahnen Blüchers zu.

Der letzte Glockenschlag des Jahres 1813 verklang von den Türmen von Koblenz über den Rhein hin, ein neues Jahr brach an, und in seiner ersten Stunde marschierten die Kolonnen des alten Marschall Vorwärts bei Caub über den ruhig fließenden Strom; die preußischen Fahnen wehten dem Boden Frankreichs zu, und auf französischer Erde rollten nun die eisernen Würfel weiter, bis der Thron des Emporkömmlings zertrümmert, seine Macht vernichtet war.

Blücher war allzeit der Mann der That, er hat auch in diesem Feldzuge die eigentliche Entscheidung gebracht, denn die andern Heere rückten, wegen der Lauheit des Hauptquartiers, wo die Diplomaten nebst unentschlossenen Kriegsmännern, wie Schwarzenberg, den Ton angaben, nur sehr langsam und ohne rechten Zusammenhang vor, wodurch die Verbündeten zum großen Teil den Vorzug ihrer Überlegenheit verloren.

Bei Brienne war der alte Marschall zum ersten Male an Napoleon geraten auf dessen eigenem Boden und hatte ohne Entscheidung sich mit ihm geschlagen. Das war am 29. Januar gewesen, und schon am 1. Februar hatte er sich bei La Rothière abermals in ihn verbissen und hatte ihn zum Rückzug gezwungen, und nun begann er, unbekümmert um die andern zögernden Streitkräfte, seinen kühnen Vormarsch gegen die Marne.

Da tauchte in der Nähe der schlesischen Armee auch der Major von Lützow mit seinen zwei Eskadronen auf, um vor allem Kundschafterdienste zu thun und um die Fühlung zwischen den Teilen der schlesischen Armee zu erhalten, und nun begann ein ebenso geschicktes als kühnes Hin- und Herpatrouillieren, das einerseits von den Wechselfällen des großen Kampfes abhängig war, andererseits aber oft genug selbständig erschien, wenn es galt, den Feind irre zu führen, oder seine geheimen Dispositionen zu durchkreuzen.