»Wenn Eure Excellenz sich hier, wo noch nichts verloren ist, totschießen lassen, so wird die Geschichte auch nicht viel Rühmliches davon zu sagen haben.«
Blücher sah den Treuen groß an, dann erwiderte er: »Nun so lassen Sie uns weiter reiten!«
Endlich war der Wald von Etoges erreicht; der alte Marschall fand seine Fassung wieder, und wie er so neben seinem Pferde hinschritt, sah er Gneisenau, der gleichfalls trüb und ernst dreinschaute. Da sagte er:
»Na, Gneisenau, nun es heute nicht mit mir zu Ende gegangen ist, hat's damit auch noch lange Zeit; es wird nun schon wieder gehen, und wir wollen alles noch gut machen.«
Der Unglückstag hatte von 15 000 Mann nicht weniger als 6000 gekostet und hatte den Rückzug der schlesischen Armee bis Chalons zur Folge. Aber es war kein mutloses, geschlagenes Heer, das zeigte sich auch in der Stimmung unserer Bekannten, die alle drei ohne jede Verwundung davongekommen waren.
Walther aber hatte damals zu Elise geäußert:
»Mir hat's das Herz zersprengen wollen, als ich Sie so in Gefahr sah, und ich hab' aufs neue denken müssen, daß es doch besser wäre, wenn Sie den Rock auszögen.«
»Bin ich so weit durchgekommen, so wird's wohl auch glücklich weitergehen. Die Schauer des Schlachtfeldes habe ich überwunden, und das war mir das Schlimmste. Nicht selbst zu sterben, ist das Schwerste, sondern hundert um sich her sterben sehen, – aber der Gedanke an das Vaterland hat mich stark gemacht.«
Und der Förster schwieg in Bewunderung der Heldengröße dieses jungen Weibes, das seine Schuldigkeit that wie jeder andere Soldat der schlesischen Armee. Die braven Truppen sahen zwar äußerlich nicht besonders vorteilhaft aus mit ihren abgerissenen Waffenröcken, ihrem abgeschabten Riemenzeug, ihren pulvergeschwärzten hagern Gesichtern, ihren abgehetzten magern Gäulen, aber es lebte eine Begeisterung in allen Herzen, die aller Anstrengungen und Entbehrungen spottete und die bei dem »vorwärts!« des greisen geliebten Führers Gefahr und Tod für nichts achtete.
Und Blücher drängte es, die Schlappe von Etoges wieder gut zu machen. Am 21. Februar stand er mit 53 000 Mann in Mery, um hier sich mit Schwarzenberg zu einer entscheidenden Schlacht zu verbinden, aber dieser kam nicht, und den Alten erfaßte bitterer Unmut. Der Feind stand ihm gegenüber, und er sollte nicht losschlagen.