»Wer ist der Bursche? – Woher kommt er? – Seit wann haben wir den unter uns?«
Der Gefragte zwang sich zur Ruhe, indem er erwiderte:
»Er scheint erst seit heute in Rogau zu sein. Wer er ist? – Bastian heißt er, und ist der Sohn eines Gutsherrn in meinem Heimatdorfe.«
»Und zum Henker, was habt Ihr miteinander? Laß es klar werden, Konrad – denn daß du nicht im Unrecht bist, dafür leg' ich meine Hand ins Feuer!« rief Zander, und auch die andern drängten, daß er erzähle.
»Ach, es ist ja nicht der Rede wert, und Bastian war nicht nüchtern, sonst hätt' er nicht die Sache vom Zaune gebrochen!«
»Wir wollen's hören! – Zwischen Kameraden muß Klarheit sein! – Wir müssen wissen, mit wem wir's zu thun haben!« scholl es ringsum, alle drängten um Schmidt, und dieser berichtete endlich unter offenbarem Widerstreben:
»Wir sind in demselben Dorfe aufgewachsen und er ist etwa drei Jahre älter als ich. Sein Vater war der Patronatsherr des meinen, und ich mußte mir's schier zur Ehre rechnen, mit dem Sohn des Gutsherrn umgehen zu dürfen. Er war ein gewaltthätiger, roher Junge von früh auf und ich habe mir viel von ihm müssen gefallen lassen, weil mein Vater in seiner Stellung ängstlich war. Beim Soldatenspiel hat er mich manchmal durchgebläut, und ich nahm's hin als etwas, was so sein mußte. Aber als wir heranwuchsen, kam mir doch das Selbstbewußtsein, und ich ließ mir nicht alles mehr gefallen und brauchte wohl auch meine Fäuste, freilich meist mit wenig Erfolg, denn er war der Stärkere. So kam es, daß wir uns nicht verstanden und innerlich immer mehr verloren, je älter wir wurden, denn die Roheit seines Wesens stieß mich ab. Als ich zum erstenmal von der Hochschule heimkam, wollt' er mich wieder als das «Hähnchen» behandeln, wie er mich spottweise genannt hatte, aber das hab' ich mir sehr deutlich verbeten, und nun ging er mir aus dem Wege. Er hatte besonders einen widerwärtigen Zug, das war seine Neigung zu Tierquälereien, die er an allen Wesen bekundete, und die schon in Knabentagen oft die Ursache erbitterten Streites zwischen uns gewesen war. Die Neigung schien bei ihm mit den Jahren zu wachsen, denn gerade als ich ihn nach einiger Zeit wieder sah, mißhandelte er seinen Hund in der denkbar rohesten Weise. Ich wollte ihn davon abbringen, aber mir zum Trotze, hohnlachend, vermehrte er noch seine Mißhandlung, so daß ich mich entsetzt abwandte. Damals begegnete ich seinem Vater, einem braven, ehrenfesten Landwirt, und in meiner schweren Erregung teilte ich ihm mit, was ich eben erlebt, und bat ihn, seinem Sohne kein Tier unter die Hand zu geben! Das war meine Verschwärzung und Denunziation, wie er es nennt, und das trägt er mir um so mehr nach, als sein braver Vater damals ihn, den großen Bengel, mit seiner Hundspeitsche gezüchtigt hat wie einen elenden Buben, und wie er's verdiente. Er wollte mir die Prügel heimzahlen, aber ich war nicht mehr der schwache Pastorsjunge, das «Hähnchen» – ich habe ihm die Peitsche entrissen und zerbrochen vor die Füße geworfen. Das ist alles. Es thut mir leid, daß ich's erzählen mußte, und thut mir auch leid, daß Bastian hier ist. – Aber nun laßt mich gehen!«
Die Stimmen schwirrten durcheinander in Lauten der Entrüstung und des Beifalls, und die Gefährten drängten sich um Konrad, um ihm die Hand zu drücken. Dieser aber verließ mit einem kurzen Gruße, begleitet von Walther und von Zander, die Schenkstube.
Der Förster begleitete die beiden andern nur eine kurze Strecke, dann kehrte er um, diese aber wanderten weiter gegen Rogau. Konrad war gedrückt und verstimmt, und sein Gefährte suchte ihn aufzurichten.
»Laß dich die Unverschämtheit des Burschen nicht grämen! Du hast alle Kameraden auf deiner Seite, und du weißt, daß sie etwas auf dich halten!« sagte er.