»Sie kommen an keinem guten Tage, Herr – aber, wenn Sie sich nicht fürchten, mit dem Tode unter einem Dache zu sein, heiß' ich Sie willkommen. Mir ist gestern mein Weib gestorben und liegt drinnen auf der Bahre.«

Der Jüngling war einige Augenblicke tief erschüttert, dann erwiderte er:

»Den Tod fürchte ich nicht, denn ich geh' ihm vielleicht entgegen, und indes Ihr mir Eure Trauerkunde sagt, liegt mir selbst daheim vielleicht mein Mütterlein auf dem Schragen.«

»Dann kommen Sie!«

Und der Förster bot dem andern die rauhe Rechte mit warmem Drucke und hielt seine Hand fest, als er ihn in das Haus führte. Der Bursche aber sprach:

»Laßt mich erst Eure Tote sehen, ehe wir weiter gehen!« Da öffnete der Förster schweigend eine Thür im Erdgeschoß, und beide traten in eine niedrige Stube. Auf zwei Stühlen stand der einfache Sarg, und darin lag das Weib mit seinem blassen, stillen Gesicht und mit seinen übereinander gefalteten Händen. Zwei Öllämpchen brannten auf dem nahen Tische und warfen einen müden Schein auf das ernste Bild.

Der Jüngling trat hart heran an die Tote und sah ihr in das Antlitz, und eine unendliche Wehmut wollte ihn erfassen; dann schaute er den alten Förster an, in dessen gutmütig-derben Zügen es seltsam zuckte, und er mußte an seinen Vater denken. Nach einem tiefen, heiligen Schweigen, während dessen man nur die schweren Atemzüge des trauernden Mannes hörte, ergriff der Jüngling die Hand des Alten mit herzlichem Drucke, und sagte warm: »Tröst' Euch Gott – ihr ist wohl!«

»Ja, Gott weiß, – ihr ist wohl, und ich gönn' ihr's auch, wenn mir's auch leid thut, daß sie mich so ganz allein gelassen hat – ganz allein – denn mein Junge … pah, vorbei! – Kommt, für Euch junges Blut ist das kein Bild; kommt!«

Er legte seine rauhe Hand auf den Arm des Jünglings, um ihn mit sich zu führen, dieser aber fuhr, einer plötzlichen Regung folgend, mit seiner Rechten noch einmal wie liebkosend über die erstarrten Finger und die bleichen Wangen der Toten. Das schien den Förster zu übermannen; er stieß seltsam gepreßt, in rauher Rührung hervor:

»Das vergelt' Ihnen Gott, Herr! Mag's meine gute Gertrud annehmen, als wär's ihr Junge, der, weiß der Himmel wo lebt und keine Ahnung hat, daß sie hier gestorben ist und ihn zuvor noch gesegnet hat, ehe ihr das Herz gebrochen ist im Jammer um ihn. Aber kommen Sie!«