Konrad war aufgestanden und hatte ihn unterbrechen wollen, aber nun war das verräterische Wort heraus, und Walther, der sich gleichfalls erhoben hatte, stand bleich und tief atmend da.

»Der ist's wohl, der damals den Burschen – den – den Jakob faßte?« stammelte er.

»Jawohl, Herr Oberjäger …«

»Walther!« rief Konrad, dann umschlang er mit beiden Armen den alten Mann, während Friedel verdutzt dabeistand und nicht recht wußte, wie er sich verhalten sollte. Der Förster schluchzte, und wie er jetzt sein Gesicht hob, rannen ihm die hellen Thränen in den Bart.

»Du hast's thun müssen? – Und doch, es war brav von dir, ich hätt's auch gethan!«

»Ruhe, Ruhe, alter Freund!« tröstete Konrad, zu Friedel aber sprach er: »Der Oberjäger ist nicht wohl – laß uns jetzt – ich suche dich demnächst auf!«

Der Bursche salutierte und ging dann kopfschüttelnd weiter, die zwei andern aber hielten sich noch eine Weile schweigend umschlungen. Dann riß sich Walther los:

»Sieh – das ist mir altem Bären nicht passiert, seit ich ein Junge war – 's ist aber auch unendlich bitter. Aber nun ist's mir, als hätt' ich an seinem Grabe gestanden und mein letztes Restchen Liebe ihm nachgeweint. Wenn er mir vor Augen kommt in diesem Leben – ich kenne ihn nicht! So – aus ist's – nun bin ich fertig!«

Mit einer heftigen Gebärde fuhr er sich über die nassen Augen, nahm dann seine Büchse, warf sie nach Jägerart über die Schulter und sprach:

»Komm, laß uns ein wenig gehen – damit ich mir die dumme Weichmütigkeit verlaufe – hinüber dort nach dem Walde! 's ist zwar kein rechter Wald wie daheim bei mir, aber es sind doch Bäume! Nach meinem Walde sehn' ich mich manchmal, Konrad, und einmal möcht' ich ihn auch noch wiedersehen. Am liebsten wär' ich darin begraben, wenn mich nicht eine Franzosenkugel mitnimmt! Komm!«