Smirnow. Jawohl! Der Mann!

Frau Popow. Der Mann! (Sie lacht ironisch.) Der Mann ist treu und beständig in der Liebe! Das ist aber etwas ganz Neues. (Bitter.) Mit welchem Recht behaupten Sie das? Die Männer und treu, beständig! Wenn wir schon soweit gekommen sind, so werde ich Ihnen sagen, daß von allen Männern, die ich gekannt und kenne, der beste mein seliger Mann war… Ich liebte ihn leidenschaftlich, mit allen meinen Gefühlen, wie nur eine junge, denkende Frau lieben kann; ich gab ihm meine Jugend hin, mein Glück, das Leben, mein Vermögen, ich betete ihn an, wie eine Heidin und … und was geschah? Dieser beste der Männer betrog mich auf Schritt und Tritt in der gewissenlosesten Art. Nach seinem Tode fand ich im Schreibtisch eine volle Lade mit Liebesbriefen und bei Lebzeiten – mir ist es furchtbar, daran zurückzudenken – ließ er mich wochenlang allein, machte er in meiner Gegenwart anderen Frauen den Hof, hinterging er mich, verschwendete mein Geld und spottete über meine Gefühle… Und trotz alledem liebte ich ihn und war ihm treu… Ja noch mehr, er ist gestorben und ich bin ihm noch immer treu. Ich habe mich für ewig zwischen den vier Mauern begraben und bis zum Tode lege ich diese Trauerkleider nicht ab…

Smirnow (lacht verächtlich). Trauerkleider!… Ich begreife nicht, für wen Sie mich halten. Als ob ich nicht wüßte, wozu Sie diesen schwarzen Domino tragen und warum Sie sich in den vier Wänden begraben haben. Ob ich das weiß! Das ist so geheimnisvoll, poetisch! Irgend ein Junker wird an dem Herrenhaus vorbeifahren, oder ein geckenhafter Poet zu den Fenstern hinaufblicken und sich denken: »Hier lebt die geheimnisvolle Tamara, die aus Liebe zu ihrem Gatten sich zwischen den vier Mauern begraben hat.« Wir kennen diese Kunststücke.

Frau Popow (aufspringend). Was? Wie unterstehen Sie sich, mir das alles zu sagen?

Smirnow. Sie haben sich lebendig begraben, Sie haben aber dabei nicht vergessen, Ihr Gesicht zu pudern!

Frau Popow. Wie wagen Sie es nur, mit mir so zu sprechen?

Smirnow. Schreien Sie nicht, ich bitte Sie, ich bin nicht Ihr Verwalter! Gestatten Sie mir die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Ich bin keine Frau und bin gewohnt, meine Meinung offen zu äußern! Bitte also, nicht zu schreien!

Frau Popow. Nicht ich schreie, sondern Sie schreien. Lassen Sie mich in Ruh', ich bitte!

Smirnow. Zahlen Sie mir das Geld und ich reise ab.

Frau Popow. Ich werde Ihnen das Geld nicht geben.