»Nun«, fuhr der Oberst fort, »wie sehr ich mich auch bemühte, einzuschlafen, der Schlaf floh meine Lider. Bald schien es mir, daß Diebe durchs Fenster eindringen, bald hörte ich ein Flüstern, bald berührte jemand meine Schulter, – kurz, mir schwebte der ganze Teufelsspuk vor, den jedermann kennt, der einmal nervös erregt war. Nun stellen Sie sich vor, daß ich plötzlich mitten in diesem Teufelsspuk und Chaos von Tönen deutlich ein Geräusch erkenne, das wie Schlürfen von Pantoffeln klingt. Ich spitze die Ohren und, – was glauben Sie wohl? – ich höre, wie jemand vor meine Türe tritt, hustet, die Türe aufmacht …

›Wer ist da?‹ frage ich, mich aufrichtend.

›Ich bin es … fürchte dich nicht!‹ antwortet eine weibliche Stimme.

»Ich ging zur Tür … Es vergingen einige Sekunden, und plötzlich fühlte ich, wie sich mir zwei Frauenarme, so weich wie Eiderdaunen, auf die Schultern legten.

›Ich liebe dich … Du bist mir teurer als das Leben,‹ sagte eine melodische Frauenstimme.

»Heißer Atem berührte meine Wange … Ich vergaß den Schneesturm, die Gespenster und alles in der Welt und umschlang mit meiner Hand eine Taille … was für eine Taille! Eine solche Taille kann die Natur nur auf besondere Bestellung, einmal in zehn Jahren anfertigen … Schlank, wie gedrechselt, heiß und leicht wie der Atem eines Säuglings! Ich konnte mich nicht beherrschen und drückte sie fest in meinen Armen zusammen … Unsere Lippen vereinigten sich in einem festen, langen Kusse, und … ich schwöre Ihnen bei allen Frauen der Welt, ich werde jenen Kuß bis an mein Ende nicht vergessen.«

Der Oberst verstummte, trank ein halbes Glas Wasser aus und fuhr mit gedämpfter Stimme fort:

»Als ich am nächsten Morgen zum Fenster hinausblickte, sah ich, daß der Schneesturm noch stärker geworden war … Weiterfahren war ganz unmöglich. So mußte ich den ganzen Tag beim Verwalter sitzen, Karten spielen und trinken. Abends war ich wieder im leeren Hause und umschlang Schlag Mitternacht wieder die mir bekannte Taille … Ja, meine Damen, wenn nicht die Liebe, so wäre ich wohl vor Langeweile verreckt. Oder hätte mich zu Tode gesoffen.«

Der Oberst seufzte, stand auf und ging schweigend durchs Zimmer.

»Nun … und weiter?« fragte eines der jungen Mädchen, ganz atemlos vor Erwartung.