»Ich will Ihnen Schindeln geben, Kusjma Kusjmitsch.«
Samuchrischin erbittet sich noch eine Kuh, einen Empfehlungsbrief für seine Tochter, die er ins Institut geben will, und ist von der Freigebigkeit der Generalin so gerührt, daß er vor Überfluß an Gefühlen aufschluchzt, den Mund verzieht und sein Tuch aus der Tasche holt … Die Generalin sieht, wie zugleich mit dem Tuch aus seiner Tasche ein rotes Papierchen zum Vorschein kommt und lautlos auf den Boden fällt.
»Mein Lebtag vergesse ich es nicht …« stammelt er. »Ich werde es auch meinen Kindern befehlen, auch meinen Enkeln … von Geschlecht zu Geschlecht … Kinder, das ist sie, die mich vom Tode errettet hat, sie, die …«
Nachdem die Generalin den Patienten hinausbegleitet hat, sieht sie eine Minute lang mit tränenfeuchten Augen auf das Bild des P. Aristarch, läßt dann ihren freundlichen, andächtigen Blick über den Arzneikasten, die Handbücher, die Rechnungen und den Sessel schweifen, in dem eben der von ihr vom Tode errettete Mensch gesessen hat, und bemerkt schließlich das vom Patienten fallengelassene Papier. Die Generalin hebt das Papier auf und findet darin drei Streukügelchen, die gleichen Kügelchen, die sie am letzten Dienstag Samuchrischin gegeben hat.
»Es sind dieselben …« sagt sie sich erstaunt. »Es ist sogar dasselbe Papier … Er hat es nicht mal entfaltet! Was hat er dann eingenommen? Sonderbar … Er wird mich doch nicht betrügen.«
In die Seele der Generalin schleicht sich zum ersten Male in ihrer zehnjährigen Praxis ein Zweifel ein … Sie nimmt die folgenden Kranken vor und merkt, während sie mit ihnen über ihre Leiden spricht, manches, was sie bisher seltsamerweise überhört hat. Alle Kranken ohne Ausnahme preisen erst wie auf Verabredung ihre wunderbare Heilkunst, entzücken sich über ihre medizinische Weisheit, schimpfen auf die allopathischen Ärzte und beginnen dann, wenn sie vor Erregung rot geworden ist, mit der Schilderung ihrer Nöte. Der eine bittet um ein Stück Ackerland, der andere um Brennholz, der dritte um Erlaubnis, in ihren Waldungen zu jagen usw. Sie schaut auf das breite, gutmütige Antlitz des P. Aristarch, der ihr die Wahrheit offenbart hat, und eine neue Wahrheit beginnt ihr am Herzen zu nagen. Es ist eine unangenehme, schwere Wahrheit.
Listig ist der Mensch!