Knut packte Lars am Arm und zog ihn gewaltsam fort, als ob er dem Zauber ihrer Nähe entrinnen wollte.
„Und ich sag dir‟ — er sprach im rauhen Flüstertone, und seine Finger krallten sich in den Arm Lars' — „ich ersäufe sie eher, als daß ich sie als dein Weib dulde —‟
„Weil du selber sie begehrst —‟
„Du lügst, weil es dein Unglück wär', deins und meins.‟
„Weißt du, was das größte Unglück ist?‟ erwiderte Lars, „so zu leben, wie ich bis jetzt gelebt, wie ein stumpfes Tier, wie ein Maulwurf, den das Licht der Sonne blendet.‟
Lars lief davon. „Gute Nacht, Knut,‟ rief er aus der Ferne, „ich kann nicht schlafen. Ich geh' in meinen Turm, zu meinen Eulen, die verstehen mich noch besser, als ihr.‟ Fort war er.
Knut ging nach Hause, das schwere Haupt in hellen Flammen. Von diesem Jungen ertappt zu werden! Wie Haß war es eben in ihm aufgestiegen. Deshalb! Deshalb nur? Er fühlte das Blut in das Gesicht steigen. Sein Lars, sein Liebling! An dem er Vaterstelle vertrat seit Jahren! Und an dem allen war diese Teufelin schuld. Er entschuldigte Lars bei der Mutter, er sei nun wieder einmal auf sein Lugaus gegangen im Turm und komme gleich nach.
Knut wachte noch, als Lars nach einer Stunde in die gemeinschaftliche Kammer trat, bleich und verstört.
„Lars,‟ sagte er, „sei nicht böse, ich meine es ja gut mit dir. Laß das Weib, es taugt nicht für einen Halligmann. Es zehrt einem Leib und Seele auf.‟
Lars war ganz kleinlaut. Er drückte des Bruders Hand, wie er es täglich gewohnt, sprach ein kurzes Gebet, von Knuts Stimme begleitet, und kroch in sein Bett.