Nachdem alles heil herübergebracht worden, konnten wir endlich weiter ziehen, waren aber doch froh, als wir nach einer Stunde eine Gruppe Hütten erreichten, in welchen unsere Leute früher übernachtet hatten. Ich beschloss, es für den ersten Tag genug sein zu lassen und sah mit Vergnügen, dass Demmeni sich gut gehalten und auch kein Fieber bekommen hatte.
Am folgenden Morgen wollte ich mit Bier und den notwendigsten Trägern vorausgehen, um noch den Lagerplatz mit unserem Gepäck an der Wasserscheide zu erreichen; die Kajan meinten jedoch, dies sei unmöglich. Erst regnete es und, als es etwas trockener wurde, schienen nur wenige Lust zu einem Eilmarsch zu verspüren. Ich hatte aber Jung als Oberhaupt der Träger und als Führer gewählt und mit seiner Hilfe brachte ich die Leute in Bewegung. So machte ich mich denn mit Bier, 4 Malaien, unter denen auch mein Diener Midan war, und 6 Kajan auf den Weg.
Auf einem abscheulichen Pfade begegneten wir einigen unserer Träger, die sich auf eigene Hand aufgemacht hatten. Sie gaben uns eine Vorstellung davon, auf welche Weise schwer beladene Eingeborene Wegstellen überwinden, die dem Europäer, auch unbelastet, der Schwierigkeiten genug bieten. Vor unserer letzten Lagerstätte hatte der Weg über einen Bergrücken geführt und war nicht besonders mühsam gewesen, jetzt aber lief er einen steilen Abhang aufwärts, mit dem sich ein Bergrücken, den wir seiner Höhe wegen nicht überschreiten konnten, zum Bungantal hin abdachte. Wäre der Abhang nicht bewachsen gewesen, wodurch der Ausblick auf den brausenden Strom in der Tiefe verdeckt wurde und man unwillkürlich ein Gefühl der Sicherheit erhielt, so hätten wir dem Pfade nicht folgen können. Man musste ständig auf und nieder klettern, unter überhängenden Felsen hindurch, um abgestürzte Baumstämme herum kriechen und hatte über dem gähnenden Abgrund nie mehr als ein paar Fuss Raum zur Verfügung. Auf derartigen Pfaden kommen den Eingeborenen ihre beweglichen, kräftigen Zehen, mit denen sie sich in dem weichen Boden festklammern, und ihr geschmeidiger Körper zu Gute. Sie legten auch nur bei solchen Spalten ihre Last ab, die entschieden zu schmal waren, um mitsamt der Packung hindurchzuschlüpfen. Nach kurzer Zeit sahen wir sämmtliche Träger hinter uns und hatten jetzt nur selbst darauf bedacht zu sein, uns durchzuschlagen. Den ganzen Morgen über behielt der Weg den gleichen Charakter und erst an der Mündung des Léja veränderte sich das Bild.
Hier lagen die verlassenen Hütten der Bungan Dajak unterhalb eines prachtvollen Wasserfalles, über den sie als Brücke einen Baumriesen hatten fallen lassen. Die zwei Felsen, die den Fall senkrecht zu beiden Seiten einschlossen, waren 25 m von einander entfernt und obwohl der hellgraue, glatte Stamm gewiss 40 in über dem brausenden Wasser lag, hatte man es für überflüssig gehalten, den Stamm mit einem Geländer zu versehen.
Die verlassenen Hütten machten die Wildheit und Einsamkeit der Umgebung doppelt fühlbar, und so eilten wir nach kurzer Rast von hier fort, den neuen Reisfeldern der Bungan zu, die nach Jung nicht mehr weit entfernt waren und uns eine freie Fläche bieten sollten.
Die Steilheit der Bergwand nahm allmählich ab und der Pfad längs dem Fluss wurde gangbarer. Wir passierten noch einen der mächtigen Wasserfälle, von denen wir bereits fünf an diesem Morgen begegnet waren, und dann lag plötzlich an der Mündung des Léja eine fast ebene Fläche vor uns, auf welcher die Bungan den Wald gefällt und Reisfelder angelegt hatten.
Die freie Fläche und der warme, heitere Sonnenschein machten nach den vielen Tagen, die wir in den feuchtkalten Wäldern in der Tiefe der Talgründe zugebracht hatten, einen wahrhaft erquickenden Eindruck. Wie verlockend war es, sich am Waldesrande niederzulegen und sich in den Anblick des lieblichen Bildes zu versenken. Wir hatten aber einen noch zu weiten Weg zurückzulegen, um uns diesen Genuss gönnen zu können, und so wartete ich denn mit Jung, der allein meinem schnellen Schritt zu folgen im stande gewesen war, die Ankunft von Bier und den Trägern ab, um uns nach dem besten Pfad über diese Felder zu erkundigen.
Nach einigem Zögern behauptete einer der Kajan, dass wir längs des Flussufers am bequemsten weiter kommen würden, und sogleich machte ich mich auf den Weg. Der Mann hatte sicher nicht gewusst, was er sagen sollte; denn gerade dieser Teil der Felder war kaum zu überschreiten. Wie die Bahaustämme im allgemeinen, hatten auch die Bungan nur einen kleinen Teil des gefällten Holzes verbrennen können, aber, entweder aus Nachlässigkeit oder wegen zu grosser Feuchtigkeit, war auch viel kleines Holz, Zweige und niedere Sträucher, unverbrannt geblieben. Viele der gefallenen Baumriesen versperrten mit einem Wald halb verkohlter Äste den Weg, was bei anderen Stämmen nie vorkommt. Alle Bäume waren längs des Abhanges mit ihren Kronen zum Ufer hin gefallen, so dass wir über jene hinweg oder unter ihnen hindurch klettern mussten; die verkohlte Baumrinde erleichterte uns einigermassen die Arbeit. Lagen zu viel Bäume über einander oder waren die Stämme zu dick, so mussten wir uns durch ihr dichtes Gezweige hindurcharbeiten und noch dazu auf freiem Felde in der heissen Mittagssonne, nachdem wir wochen lang im kühlen Walde gelebt hatten. Der etwas vollblütige Bier kam daher ziemlich erschöpft auf der anderen Seite der Felder an und sehnte sich nach Ruhe und Erfrischung in einer Kajanhütte.
Leider fanden wir hier nichts anderes als Wasser und einen Baumstamm, um darauf zu sitzen, bis unsere Träger ankamen und einen verborgenen Vorrat Bataten hervorholten. Sogleich machten sie sich daran, die Bataten in einem Topf gar zu kochen, aber vor Hunger ass jeder von uns eine Knolle roh auf. Die Träger waren nicht minder ermüdet als wir, sie waren aber von den Hütten der Bungan an über dem Bergrücken hoch über der Ladang einem viel besseren Wege gefolgt.
Obgleich es erst Mittag war, behaupteten die Leute doch, an dem Tage nicht mehr weiter zu können; augenscheinlich hatten sie überlegt, dass die folgenden von ihnen gebauten Hütten sehr hoch am Bĕtjai lagen und dass sie diese doch nicht mehr erreichen konnten. Auch die malaiischen Schutzsoldaten und mein Junge Midan, die alle an ihrem Gepäck zu tragen hatten, erklärten, vor Ermüdung nicht weiter gehen zu können.