In der Nähe unseres Hauses hatten sich die Bukat, nach Art der Pnihing, drei kleine Häuser gebaut, die sie jetzt vorübergehend bewohnten. Ich hatte diese scheuen Kinder der Wildnis bis jetzt nicht besucht, um ihnen erst Zeit zu lassen, sich an unsere Gegenwart zu gewöhnen. Jetzt glaubte ich aber, mit Barth einen Besuch bei ihnen wagen zu dürfen.

Der Stamm der Bukat lebt in Gruppen von Familien für gewöhnlich in den Urwäldern des Quellgebietes der Flüsse Kapuas und Mahakam und hält sich, wie auch die anderen Nomadenstämme, bald in diesem bald in jenem Flusstal auf, je nachdem die Anwesenheit von Wild, Baumfrüchten und wildem Sago ein Verweilen wünschenswert erscheinen lassen. Selbst in dieser Wildnis dürfen sich die Bukat nicht willkürlich irgend einer Gegend bemächtigen, sondern ihre verschiedenen Familiengruppen sehen bestimmte Flussgebiete als ihr Eigentum an und lassen die anderen nur gegen eine Entschädigung dort jagen und Früchte sammeln. Die Bukat verbringen den grössten Teil des Jahres im Walde und kommen überhaupt nur ungern mit den sesshaften Stämmen am Kapuas und Mahakam in Berührung. Zur Zeit der Reisernte jedoch lassen sie sich vorübergehend bei dem einen oder anderen Stamme, wie z.B. jetzt am Howong, nieder, um Reis, Zeug, Salz, Perlen und dergl. gegen ihre Waldprodukte einzutauschen. Die Bukat empfingen uns ängstlich, aber doch, nach Art der Bahau, freundlich, breiteten einige Rotangmatten für uns aus und setzten uns einige Waldfrüchte vor. Zu meinem Erstaunen entdeckte ich hier eine Frucht namens kapulasan, die in der Umgegend von Buitenzorg auf Java viel gebaut wird, deren Heimat dort jedoch nicht mehr bekannt ist. Aufmerksam geworden beobachtete ich später längs des ganzen oberen Mahakam das Vorkommen des Baums, der diese Frucht liefert. Zufälligerweise hatte unter den vielen herrlichen Waldfrüchten, die man mir auf der vorigen Reise brachte, gerade diese gefehlt. Zur grossen Genugtuung unserer Gastherren assen wir die saftreichen Früchte geradezu mit Gier, worauf sie von allerhand wichtigen Angelegenheiten, die ihnen auf dem Herzen lagen, zu reden begannen. Es handelte sich, wie so häufig bei diesen Leuten, wieder um Verletzung ihrer Ansprüche auf verschiedene Gebiete. So hatte man am Kapuas bei der Verteilung des Zehnten aus dem Ertrage der Buschprodukte ihre Häuptlinge übergangen, obwohl diese vor langen Jahren ebenfalls das Kapuasgebiet durchstreift hatten. Ihre hierauf begründeten Rechte hatten die Bukat jedoch am Kapuas nie geltend gemacht, so dass wir ihnen rieten, sich an den Kontrolleur von Putus Sibau zu wenden, zu dem sich in der gleichen Angelegenheit auch der ihnen verwandte Stamm der Bukat aus dem Gebiete des Gung begeben hatte. Hiermit kamen wir auf ein anderes Kapitel zu sprechen, auf Streitigkeiten zwischen diesen Gung Bukat und einem vornehmen Bukathäuptling, der sich augenblicklich bei den Pnihing am Sĕrata aufhielt. Diesem sollte nämlich infolge seiner Abstammung das Gebiet des Gung eigentlich gehören; in Putus Sibau konnte man natürlich auch von diesen Verhältnissen keine Ahnung haben. Der Punan Tĕtuhè, der uns begleitete, weil er selbst als Nomade mit diesen Bukat in Verbindung stand, übernahm es, bei seiner Rückkehr zum Kapuas alle diese Rechtsfragen zur Sprache zu bringen.

Während wir mitten in unserer Unterhaltung mit den Bukat begriffen waren, traf wieder eine Schar Träger mit dem auf dem Wege noch zurückgebliebenen Gepäck ein. Wir hatten des Morgens, in Anbetracht der starken Ermüdung und schlechten Ernährung unserer Leute, nicht durchzusetzen gewagt, dass sich alle energisch an der Arbeit beteiligten; so hatte sich denn auch nur ein Teil der Träger auf den Weg gemacht und die Malaien, die bei dem Rest des Gepäckes als Wache zurückgeblieben waren, meldeten, dass sich immer noch 24 Blechkisten mit Salz im Walde befanden. Wir verliessen daher eiligst unsere neuen Bukatfreunde, um zu beraten, was weiter zu tun sei.

Um nur schnell fortzukommen, hatten viele Träger von Kwing Irang sich bereits von selbst mit unseren Kisten an den Mahakam aufgemacht. Kwing selbst jedoch wartete mit 20 jungen Kajan und einigen Pnihing auf unsere Befehle. Mit Amun Lirung, oder besser gesagt mit dessen Frau, kam ich überein, dass sie mir für 12 Packen schwarzen Kattuns zu 12 m Länge die 24 Kisten mit Salz an den Blu-u schaffen sollten. Zwar dauerte es einen ganzen Monat, bis sie mit ihrer Fracht bei mir am Blu-u anlangten, aber die Reisnot entschuldigte die Verspätung.

Aus Furcht vor einer Steigerung der Lasten und des Hungers hatten es unsere Träger mit dem Aufbruch zum Mahakam sehr eilig. Da ich aber nichts mehr von unserem Gepäck zurücklassen wollte, vereinbarte ich, dass unsere ermüdeten Mendalam Kajan unter Aufsicht von Barth und Demmeni alles Gepäck dem Howong entlang bis an den Pfad, der zum Mahakam führte, bringen sollten, während die frischeren und kräftigerer Mahakam Kajan es von dort über die Hügelrücken bis an den Anlegeplatz der Böte befördern sollten. Nicht minder froh als seine Leute war Kwing Irang über unsere Abreise; denn er hatte im Pnihinghause keinen Platz gefunden und mit den Seinigen in und unter einer Reisscheune übernachten müssen. Das Übernachten im Freien ohne Dach über dem Haupte finden die Bahau aber sehr unangenehm und, wenn es geregnet hätte, wären viele von ihnen krank geworden.

So verabschiedete ich mich denn von meinen Gastwirten und zog mit Kwing Irang an den Mahakam voraus. In unserem Eifer fortzukommen übersahen wir jedoch das winzige Nebenflüsschen des Howong, längs dessen wir zum Mahakam abbiegen mussten, und irrten einige Zeit umher, bevor wir es wiederfanden. Ich hatte in der letzten Zeit so viel an Märschen durch Wald und Flüsse genossen, dass ich unseren jetzigen Zug, besonders da mir die Hügelrücken, die uns vom Mahakam trennten, recht hoch vorkamen, sehr unangenehm empfand.

Auf einem dieser Hügel trafen wir Bier mit seinem Geleite; er hatte die ganze Zeit über mit gutem Resultat gearbeitet und es gelang ihm, seine Messungen bis zum Mahakam noch am gleichen Tage zu beenden.

Die Pnihing hatten zwar den besten Anlegeplatz am Mahakam ausgesucht, dennoch mussten wir von der Höhe des Bergrückens einen sehr steilen Abhang hinunterklettern, um an das Flussbett zu gelangen. Hier fanden wir die Mahakamer auf einem Platze gelagert, der nirgends eben genug war, um ein Zelt aufschlagen zu können. Es mussten erst Terrassen aus Holz, die teilweise über das Wasser hinausragten, gebaut werden, um für unsere Zelte einen Untergrund zu beschaffen.

Inzwischen erneuerte ich die Bekanntschaft mit dem vornehmen Pnihinghäuptling Bĕlarè und feierte Wiedersehen mit Akam Igau.

Nach seinem guten Äusseren zu urteilen, das von dem unserer erschöpften und abgemagerten Kuli stark abstach, war es Akam Igau inzwischen am Mahakam gut ergangen, was er mir denn auch zugab. Bĕlarè erzählte, dass er mich nicht bei Amun Lirung begrüsst habe, weil er einen kleinen Enkel mit auf die Reise genommen hatte.