Meine erste Aufgabe bei Bĕlarè bestand in der Löhnung aller, die mir geholfen hatten. Kwing Irang und seine Kajan wollten warten, bis ich zu ihnen zog, und begaben sich daher gleich weiter auf die Heimreise. In der Lohnfrage kamen zuerst die Pnihing aus den Niederlassungen am Tjĕhan und Long Kub in Betracht. Mein reicher Vorrat an Tauschartikeln erlaubte mir, ihre Dienste mit batik-Stoffen, weissem, rotem, und schwarzem Kattun und rotem Flanell reichlich zu bezahlen. Ihre Häuptlinge erhielten je eine hübsche Jacke oder ein seidenes Umschlagetuch. Meine Dankbarkeit für unsere wohlbehaltene Ankunft verleitete mich, den Leuten zu viel zu geben, mit Rücksicht auf künftige Lohnansprüche musste ich mich daher bereits am anderen Tage den Pnihing von Bĕlarè gegenüber mässigen. Diese erhielten nun zwar weniger, eine Handvoll Salz als Zugabe stellte aber jeden zufrieden, ausserdem hatten wir, da wir noch einige Tage bei ihnen bleiben sollten, Gelegenheit, ihren Frauen und Kindern mit allerhand beliebtem Tand wie: Fingerringen, bunter Wolle, Nadeln und Perlen eine Freude zu bereiten. Ich hatte mich nämlich, hauptsächlich auf Anraten von Kwing Irang, dazu entschlossen, noch einige Tage Bĕlarès Gast zu bleiben, ein Beschluss, der nach den überstandenen Anstrengungen bei allen Beifall fand.
Einen weiteren Grund für diese Verlängerung unseres Besuches bei den Pnihing bildete für mich der Wunsch, mit diesem einflussreichen Häuptling und den Seinen gut zu stehen; denn nur so konnte ich den Hauptzweck meines Aufenthaltes am Mahakam, die Bevölkerung vom politischen Standpunkt aus zu studieren, erfüllen. Ich hatte mir nun zwar, wie auch bei meiner früheren Reise, vorgenommen, meinen festen Wohnplatz bei dem mächtigsten Mahakamhäuptling Kwing Irang aufzuschlagen; Bĕlarè war aber von alters her sehr neidisch auf dessen Stellung, und so riet mir jener selbst an, auch seinen Nebenbuhler mit einem längeren Besuch zu beehren. Inzwischen hatte Kwing auch Zeit, ein Haus für mich in Stand zu setzen und für meine Leute ein Unterkommen zu beschaffen.
Unser Besuch befriedigte nicht nur die Eitelkeit der Pnihing, sondern kam ihnen auch in praktischer Hinsicht sehr zu statten; denn meine ärztliche Hilfe war auch hier wieder sehr nötig. Gleich am ersten Tage wurde ich zu zahlreichen Malaria- und Lueskranken gerufen. Indem der Kontrolleur mich auf meinen Krankenbesuchen begleitete, hatte er Gelegenheit, sich in vielen Wohnungen vorzustellen, die er sonst, ohne indiskret zu sein, nicht hätte betreten dürfen. Meine Praxis gewann mir bald das früher bereits erworbene Vertrauen der Leute wieder zurück, so dass bald dieser, bald jener sich wieder in meine Hütte wagte, um gegen Reis oder Früchte etwas von meinen Artikeln zu erhandeln. Die einen lockten die anderen heran und bald kletterten die Besucher ununterbrochen auf der hohen Treppe in unsere mit Gepäck und Menschen ohnehin schon überfüllte Hütte hinauf.
Auch aus der Ferne brachte man mir Kranke. In einer weiter unten am Fluss gelegenen Niederlassung, Long Kub, hatte man Kwing Irang auf seiner Durchreise gebeten, dort zu übernachten, um den Häuptling Erang Parèn, der wie seine Schwester, Bĕlarès Frau, an periodischen Ausbrüchen von Wahnsinn litt, am folgenden Tage zu mir zu geleiten. So kamen die Häuptlinge denn auch mit grossem Gefolge bei mir an—leider ohne ein Resultat zu erzielen; denn es schien mir geratener, lieber sogleich meine Ohnmacht einzugestehen, als die Leute mit Scheinmitteln hinzuhalten oder ihnen Beruhigungs mittel zu geben, die in den Händen dieser Menschen gefährlich hätten werden können.
Da Bĕlarè so viel daran gelegen war, als einer der vornehmsten Häuptlinge angesehen zu werden, war es mir sehr angenehm, dass ich sowohl ihm als Kwing Irang als Anerkennung für die Hilfe, die sie mir auf der vorigen Reise geleistet hatten, seitens der Regierung ein Geschenk anbieten konnte. Bĕlarè fand nun zwar den vergoldeten Silberbecher, den ich ihm überreichte, als Schaustück sehr schön, aber viel zu prunkend, um ihn täglich zu gebrauchen, und erbat sich daher von mir persönlich zum Alltagsgebrauch noch einen Satz Elfenbeinarmbänder, wie ich ihn Hinan Lirung geschenkt hatte. Überzeugt, dass mein wegen seiner Wildheit berüchtigter Freund nicht daran gewöhnt war, einen einmal geäusserten Wunsch fahren zu lassen, gab ich ihm nach, nahm mir aber vor, in Zukunft so sparsam als möglich mit meinen Tauschartikeln umzugehen.
Die Pnihing verlangten wohl unter dem Eindruck meiner grossen Vorräte für Böte, die ich jetzt anschaffen musste, so hohe Preise, dass Akam Igau mir riet, mich lieber an ihre Verwandten am Tjĕhan zu wenden, die an neuen Böten eine grosse Auswahl besassen. Meinem Gastherrn gefiel dieser Plan jedoch durchaus nicht, und ich hatte alle Mühe, ein kleines Boot mit 4 Ruderern zu erlangen, das mich mit Akam Igau und meinem Diener Midan an den weiter oben in den Mahakam mündenden Tjĕhan bringen sollte. Nach sechsstündiger Fahrt erreichten wir um 4 Uhr nachmittags das Haus der Pnihing, das am rechten Tjĕhanufer erbaut war; bei meinem ersten Besuch vor zwei Jahren war es noch nicht vollendet gewesen.
Trotzdem die Häuptlinge nicht zu Hause waren, begannen wir doch sogleich die vielen halb und ganz fertigen Böte zu besichtigen, und mit Akam Igaus Hilfe erwarb ich für schwarzen Kattun und Perlen sogleich zwei derselben. Zwei andere Böte, die ich gern erstanden hätte, gehörten dem Häuptling Parèn, der abends zurückkehren sollte; daher machte ich es mir inzwischen auf der grossen Galerie vor seiner Wohnung bequem. Reis einzukaufen, glückte mir nicht, da die Pnihing den Sĕputan am Kaso bereits viel verkauft hatten; einen besseren Erfolg hatte ich mit Batatenmehl.
Nach Parèns Ankunft wurde ich mit ihm wegen der Böte bald handelseinig; da er so viel von meinen schönen Tauschartikeln gehört hatte, sprach er den Wunsch aus, dass seine Frau Adjei und sein kleiner Neffe Kwing mich zu Bĕlarè begleiten sollten, um sich als Lohn für die Böte unter allen Herrlichkeiten selbst etwas auswählen zu dürfen. Obwohl ich diesem Dorfe nur einen kurzen Besuch machte und seine Männer für ihre Dienstleistungen von meiner mildtätigen Stimmung bei der Ausbezahlung des Lohnes am meisten Vorteil gehabt hatten, wollte ich doch auch bei den übrigen Bewohnern eine gute Erinnerung hinterlassen und forderte daher Frauen und Kinder auf, mich am folgenden Morgen vor meiner Abreise zu besuchen, um sich kleine Geschenke abzuholen. Trotz unserer früheren Bekanntschaft wagten sich anfangs doch nur wenige in meine Nähe, kaum hatten diese aber jeder einen Ring mit bunten Glassteinen erhaltet), als die Besucher in hellen Haufen aus allen Türen zum Vorschein kamen. Die Frauen waren auf diese wertlosen Ringe ganz versessen. Als ich auf meiner vorigen Reise in der Zeit der Reisnot nirgends mehr Reis auftreiben konnte, verkauften mir diese Frauen ihren letzten Vorrat für diese Fingerringe.
Gegen 10 Uhr morgens fuhren wir mit vier neuen Böten und einem fünften mit Adjei und Kwing ab. Bei Bĕlarè angekommen fiel es meinen Gästen, Adjei und Kwing, sehr schwer, unter allen Tauschartikeln eine Wahl zu treffen. Endlich gaben sie sich mit einer hübschen Jacke, einem Sarong aus batik und einigen Perlen zufrieden.
Demmeni hatte seine Zeit inzwischen auf andere Weise gut verwendet; durch allerhand Gaukelspiel, durch Explodierenlassen von Magnesiumpulver und Verbrennen von Magnesiumband hatte er die Pnihing in so gute Stimmung versetzt, dass der Kontrolleur es für wünschenswert hielt, mit ihm noch einige Zeit zu bleiben. Da auch Bĕlarè diese Gäste gern behalten wollte, beschloss ich, allein zu Kwing Irang an den Blu-u zu ziehen, um dort alles für einen längeren Aufenthalt vorzubereiten.