Auch für unsere topographischen Arbeiten hatten die Eingeborenen bald eine Erklärung gefunden oder von den Malaien übernommen, sie glaubten nämlich, dass es uns darum zu tun sei, ihre Schlupfwinkel zu Kriegszwecken kennen zu lernen. Wir konnten sie von ihrer Überzeugung nicht abbringen, trotzdem wir darauf hinwiesen, dass wir uns doch nur an die Häuptflüsse und wichtigsten Berge hielten und dass Bier seine Karte ausarbeitete, ohne ihre nächste Umgebung viel zu beachten. Trotzdem sind wir am oberen und mittleren Mahakam nie auf Widerstand seitens der Bahau gestossen; diese unternahmen unserer Arbeit wegen häufig weite Reisen in ihnen selbst unbekannte Gegenden.

Anfangs hatte es allerdings den Anschein, als arbeite man uns entgegen; denn nur selten erhielten wir über die Namen kleinerer Flüsse oder etwas abgelegenerer Berge richtige Auskunft. Entweder behauptete man, nichts zu wissen, oder man gab falsche Namen an. Zu unserem Erstaunen stellte es sich aber später heraus, dass mit geringen Ausnahmen wirkliche Unwissenheit in bezug auf alles, was sich nicht in unmittelbarer Nähe des Stammesgebietes befand, vorlag. Selbst hohe, die ganze Landschaft beherrschende Berge trugen nur bei den in nächster Nähe wohnenden Stämmen einen Namen. Nur diejenigen, die zu wiederholten Malen längs des gleichen Flusses gereist waren, konnten mit einiger Sicherheit dessen Namen angeben.

Die meisten kamen übrigens ihr Leben lang nicht aus ihrer Umgebung heraus und hatten für alles, was im Gebiet des benachbarten Stammes lag, kein Interesse. Da wir uns mit Hilfe eines Bahau von einer Bergspitze aus absolut nicht orientieren konnten, lernten wir bald, unsere eigenen Erfahrungen und Beobachtungen zu Rate zu ziehen, sowohl wenn es galt, die Identität eines Berges festzustellen, als auch wenn ein Plan zur Erreichung eines bestimmten Punktes als Beobachtungspunkt gefasst werden musste.

Sollten unbekannte oder gefürchtete Gegenden besucht werden, so bildete für die Bahau nicht nur Unwissenheit, sondern auch Angst um ihre eigene und unsere Sicherheit einen Hinderungsgrund. Unserer topographischen Arbeit wegen mussten wir immer wieder Bergspitzen zu erklimmen suchen und gerade vor diesen fürchten sich die Eingeborenen so sehr, weil die Berghöhlen von bösen Geistern, hauptsächlich von den Donnergeistern, bewohnt werden. Um die gefürchteten Unternehmungen zu verhindern, nahmen die Bahau häufig zu falscher oder entsetzlich übertriebener Auskunft ihre Zuflucht; den Kern von Wahrheit mussten wir selbst herauszufinden suchen. Sobald ich aber den Zug mit einigen ihrer Männer wirklich antrat, taten sie alles, um ihm einen guten Erfolg zu sichern.


Wenige Hilfsmittel für Untersuchungen aller Art gewähren einem auf der Reise so viel Befriedigung als die Photographie; sie erfordert jedoch, je nach dem Ziel, das man verfolgt, und dem Land, das man bereisen will, eine besondere und sorgfältig gewählte Ausrüstung. Für ein sehr feuchtes Tropenklima, wie dasjenige von Borneo, sind Apparate von besonderer Widerstandsfähigkeit erforderlich. Obgleich wir bei der Zusammenstellung der Ausrüstung die verschiedensten Punkte eingehend berücksichtigten, wäre es uns ohne die besondere Geschicklichkeit Demmenis als Mechaniker, der im stande war, bald dieses, bald jenes an der Kamera und vor allem an den Wechselkassetten zu reparieren, nicht geglückt, länger als einige Monate zu photographieren. Hauptsächlich erforderten die neu aus Europa empfangenen Gegenstände, obgleich sie aus sehr gutem Material verfertigt waren, eine ständige Ausbesserung; bald krümmten sie sich vor Feuchtigkeit und Hitze, bald löste sich der Leim und musste durch Schrauben ersetzt werden.

Auch in bezug auf die photographische Ausrüstung galt unser Grundsatz: so vollständig und so leicht transportierbar als möglich. Hierbei kamen hauptsächlich die Platten in Betracht. Als besonders geeignet erwiesen sich die Extra-Rapid-Films 13 × 18 der Firma Perutz in München; sie hatten den grossen Vorzug, leicht und unzerbrechlich zu sein und ein kleines Volumen einzunehmen. Der Apparat selbst bestand aus einer für die Tropen gearbeiteten Reisekamera aus Mahagoniholz, Format 13 × 18, auf sehr festem Stativ, versehen mit einem Anastigmat von Zeiss mit einem Momentverschluss von Linhof.

Die Kamera hatte mir bereits auf den beiden vorigen Reisen gedient und war somit klimabeständig. Der lederne Balg war gegen Insekten und Schimmel mit einer starken Lösung von arsenigsaurem Natron eingerieben und verursachte uns während der ganzen Reise keine Schwierigkeiten. In Verband mit der Benützung von Films gebrauchte ich auf der Reise 1896–97 eine Wechselkassette, welche in der Tat grosse Dienste geleistet hat, aber, wie erwähnt, nicht ohne ständige Ausbesserung seitens des Photographen. Nachdem wir sie mit einem neuen Sack ausgerüstet hatten, wurde sie gelegentlich auch auf der letzten Reise gebraucht, hauptsächlich wurde aber mit einer Wechselkassette von Grundmann Zaspel gearbeitet, sie erwies sich aber, bevor wichtige hölzerne Teile durch metallene ersetzt worden waren, als vollständig ungeeignet für die Tropen. Für diese Wechselkassetten mussten Filmsträger aus Aluminium gebraucht werden, in welche die Films seitlich eingeschoben wurden. Häufig standen die Films verbogen darin, so dass die Bilder in der Mitte oder an den Seiten weniger scharf wurden als an anderen Stellen; hiervon abgesehen, erfüllten sie ihren Zweck sehr gut.

Eine metallene Kamera mitzunehmen, ist sehr ratsam; jedenfalls aber sollte man sich mit metallenen Chassis versehen; ihrer sechs werden sich stets als genügend erweisen.

Die Extra-Rapid-Films von Perutz haben mir auch, was Haltbarkeit der Films und Deutlichkeit der Bilder betrifft, stets gut gefallen. Sobald man nicht in der Lage ist, einen neuen Vorrat Films anzugreifen, lernt man deren grosse Haltbarkeit schätzen; sie hatten auch nach zwei Jahren nichts an Empfindlichkeit eingebüsst und lieferten ebenso deutliche Bilder als zuvor. Vorsichtshalber hatte ich bereits in der Fabrik jedes Dutzend gesondert in Zinkkästchen verlöten lassen, so dass wenigstens der Einfluss der Feuchtigkeit ausgeschlossen war; vor zu grosser Erhitzung suchten wir sie ebenfalls so viel als möglich zu schützen.