Besonders tapfere Männer geniessen mit dem Häuptling das Vorrecht, um den penis einen Ring tragen zu dürfen, der aus den Schuppen des Schuppentieres geschnitten und mit stumpfen Zacken besetzt ist; bisweilen lassen sie sich auch, gekreuzt mit dem ersten Kanal, einen zweiten durch die glans bohren.
Ausser den Kajan selbst, üben auch viele Malaien vom oberen Kapuas diese Kunst aus. Die Schmerzen bei der Operation scheinen keine sehr heftigen zu sein, auch hat sie nur selten schlimme Folgen, obgleich bis zur Genesung oft ein Monat vergeht.
Mit den Genitalien der Frauen werden keine Veränderungen vorgenommen.
Die jungen Männer lassen sich ferner, um ihre Unempfindlichkeit gegen Schmerz zu beweisen, Stückchen Damaraharz auf der Haut verbrennen. Diese Feuerproben hinterlassen eigentümliche runde Narben; sie werden in der Regel in einer Reihe angebracht und betragen im Durchmesser bis zu 1 cm.
Die jungen Leute beginnen zu dieser Zeit auch mehr Sorgfalt auf ihre Kleidung und auf ihr sonstiges Äussere zu verwenden; die jungen Mädchen ziehen sich bis auf das Kopfhaar alle Haare am Körper aus; die jungen Männer entfernen Wimpern, Augenbrauen und Bart ([Siehe Kap. VII]).
Auch mit dem Erlernen der Künste fangen Männer und Frauen erst nach der Pubertät an; diese legen sich auf das Flechten von Matten und das Ausführen von Perlenarbeiten; jene erlernen die Holz- und Knochenschnitzerei, das Entwerfen von Mustern für Verzierungen aller Art u.s.w.
Gleichzeitig mit den körperlichen Veränderungen, welche mit beiden heranwachsenden Geschlechtern vor sich gehen, wächst auch ihr Streben, das gegenseitige Wohlgefallen zu erregen. Das Verfertigen von Geschenken nimmt einen grossen Teil der freien Zeit der jungen Leuten in Anspruch; die Mädchen arbeiten aus Perlen Halsketten, Schwertgürtel und Zierate für die Schwertscheiden und führen auf Palmblättern Stickereien für Hüte und kleine Gegenstände aus; die Männer erwidern die Geschenke mit schön geschnitzten Bambusgefässen, Flöten, Rudern und Messergriffen, oder sie schneiden den Mädchen aus Zeug hübsche Figuren als Belege für Hüte und Kleider aus. So haben beide Teile Gelegenheit, bei ihren Liebesbestrebungen in Kunstfertigkeit zu glänzen. Geld oder Wertgegenstände schenken sie sich nur selten.
Die erwachsenen jungen Mädchen verlassen die elterliche Wohnung nur, um aufs Reisfeld zu gehen oder Verwandte in benachbarten Niederlassungen zu besuchen; weitere Reisen unternehmen sie nicht. Für die erwachsenen jungen Männer dagegen beginnt jetzt die Zeit, wo sie ihre Eltern verlassen, um lange Reisen zu Handelszwecken, zum Buschproduktesammeln oder zum Besuch von Familiengliedern bei verwandten Stämmen zu unternehmen.
Die Kajan sind im Gegensatz zu den Malaien und benachbarten Stämmen von einem lebhaften Arbeitsdrang erfüllt. Ihre Arbeitsamkeit fiel nicht nur mir, sondern auch Akam Igau auf, denn er bemerkte mir gegenüber, dass die Lebhaftigkeit und der Tatendrang der Kajan zum Unterschied von den benachbarten Taman die Aufmerksamkeit der Geister zu sehr auf sich zögen und dass sie deshalb von Krankheit mehr heimgesucht würden als jene. Der Unterschied zwischen den beiden Stämmen ist allerdings auffallend.
Für die Frauen bildet das Reisstampfen (te̥pă) die wichtigste der häuslichen Arbeiten; Männer nehmen nur selten an ihr Teil. Gewöhnlich stampfen zwei Frauen gleichzeitig in dieselbe Vertiefung des Reisblockes (le̥so̱ng), welcher deren zwei bis sechs besitzt. Bei den Mendalam Kajan stehen die Frauen beim Stampfen auf dem Block selbst und schieben den bespelzten Reis mit den Füssen allmählich in das Loch; bei anderen Stämmen, wie den Pnihing, stehen die Frauen neben dem Block und gebrauchen die zweite Hand, um den Reis in das Loch zu schieben. Der Reis wird öfters zweimal gestampft; die Körner bleiben dabei heil und werden mittelst einer Art Schwinge von den Spelzen befreit.