Auch durch Schreien suchen die Bahau die Wind- und Regengeister zu vertreiben; hilft dieses Mittel nicht, so stellen sie zur Abschreckung einen Schädel vor das Haus. Als wir auf einer Reise mit den Mendalam Kajan von einem heftigen Gewitter überfallen wurden und sehr nahe Donnerschläge uns erschreckten, zogen die Kajan sogleich ihre Schwerter halb aus der Scheide, um die gewaltigen Geister zu verjagen.
Diese Naturgeister üben auch direkten Einfluss auf das Leben der Menschen aus; so werden bestimmte Vergehen durch die to̱ be̥lare̱, Donnergeister, bestraft. Das Lachen über Tiere z.B., das bei den Bahau als Verbrechen gilt, wird durch die to̱ be̥lare̱ sogleich gestraft, indem sie dem Schuldigen den Hals umdrehen. Es ist daher sehr unvorsichtig, mit einem Huhn, Hund oder Schwein etwas vorzunehmen, was die Leute zum Lachen bringen könnte. Als am Mahakam plötzlich ein kleines Mädchen, wahrscheinlich an Vergiftung, starb, schrieben die Dorfbewohner ihren Tod dein Umstand zu, dass sie über irgend ein Tier gelacht haben sollte.
Ausser diesen Naturgeistern, die sich als Blitz, Donner, Wind und Regen äussern, kennen die Bahau noch eine Schar anderer to̱, die, je nachdem wie sie sich den Menschen gegenüber verhalten, als gute und böse bezeichnet werden. An jene wendet man sich bei Krankheit, Unglücksfällen und bösen Träumen um Hilfe, diese, als die Unglücksträger, sucht man durch Gewaltmittel zu vertreiben oder durch Opfer zu beschwichtigen.
Die to̱ werden, je nach der geistigen Entwicklungsstufe, welche die einzelnen Bahau einnehmen, verschieden aufgefasst. Während man die gewöhnlichen Leute nur von den to̱, als den Urhebern ihrer Freuden und Leiden, sprechen hört, betrachten die höher Stehenden, wie die Häuptlinge und Priester, die to̱ nur als die direkten oder indirekten Werkzeuge eines obersten Gottes Tamei Tingei (= unser hoher Vater).
Wenden wir uns, bevor wir näher auf die to̱ eingehen, im folgenden den höheren geistigen Mächten der Bahau zu.
Ihr ganzes Weltall wird von dem eben genannten Tamei Tingei, dem Allvater, beherrscht, der mit seiner Gemahlin Uniang Te̥nangan über allen anderen von Geistern und Menschen bewohnten Regionen lebt.
Ausser dem Allvater erkennen die Bahau noch andere hohe Götter an, die unter Tamei Tingeis Oberherrschaft im Weltall bestimmte Rollen zu erfüllen haben. Es sind dies:
Djājā Hipui (= alter Häuptling), die Mutter der Kajanwelt und Beherrscherin der guten Geister, jetzt mit Howong Hwan vermählt und Amei Awi (= Vater Awi) und dessen Gemahlin Buring Une̱, welche die Erde und ihre Erzeugnisse beherrschen.
Götter, Geister, Menschen und Seelen der Verstorbenen wohnen im Weltall nicht durcheinander, sondern in bestimmten Schichten oder Regionen, die zum Teil besondere Namen tragen; es existieren deren fünf, nämlich:
1. oberste Region, bewohnt von Tamei Tingei und dessen Gemahlin Uniang Te̥nangan;