Äusserlich unterscheiden sich die dājung von den Laien nur, wenn sie ihres Amtes walten, durch ein bis mehrere besondere Armbänder und bei festlichen Gelegenheiten durch schöne, auf besondere Weise geschlungene Schale.

Jede Niederlassung am Mendalam besitzt ihre eigenen dājung, die mit einander in keiner Verbindung stehen; auch sind die religiösen Gebräuche selbst bei benachbarten, verwandten Stämmen von einander etwas verschieden.

Die dājung bedienen sich während ihrer Amtshandlungen einer besonderen, älteren Sprache, die von der gegenwärtigen verschieden ist und dahaun to̱ (Geistersprache) genannt wird.

Ausser durch die Sprache treten die dājung mit den Geistern auch durch Herstellung verschiedener Gegenstände in Verbindung, die sie selbst teils als Ausdruck ihrer Wünsche, teils als Opfergaben betrachten. Diese symbolischen Gegenstände sind alle aus sehr einfachem, dem Pflanzenreiche entnommenem Material verfertigt und werden, wie weiter oben bereits ausgeführt ist, mit allen Gegenständen, Vorschriften und Verbotsbestimmungen, die auf den Gottesdienst Bezug haben, als pe̥māli zusammengefasst.

Sobald die Priesterschaft mit der Geisterwelt in Verbindung treten will, benachrichtigt sie diese durch Schläge auf alte, kupferne Becken oder runde, kupferne Platten, die 3–4 dm Durchmesser haben und mit einem 5 cm hohen Rande versehen sind. Die vibrierenden Töne dieses Instrumentes begleiten jede religiöse Handlung, man hört sie aber nie bei anderen Gelegenheiten.

In der Wirksamkeit der dājung lassen sich zwei Hauptaufgaben unterscheiden: die erste besteht darin, die bruwa des Menschen zu dessen Lebzeiten am Entfliehen zu hindern oder, wenn sie bereits entflohen ist, sie zurückzuholen und sie nach dem Tode des Menschen sicher nach Apu Ke̥siọ zu geleiten (anter); die zweite verlangt eine Vermittelung zwischen der Menschen- und Geisterwelt in allen Dingen, die den Ackerbau, die eigentliche Lebensquelle der Bahau, betreffen. Betrachten wir zunächst, wie sich die Priester ihrer ersten Aufgabe entledigen.

Unter einer me̥lă verstehen die Bahau eine religiöse Handlung, die den Zweck hat, die beunruhigte Seele eines Menschen, die im Entfliehen begriffen oder bereits entflohen ist, durch besänftigende Mittel und mit Hilfe der guten Geister zum Bleiben bzw. zur Rückkehr in den Menschen zu bewegen. Sobald ein Familienglied schlecht geträumt hat, sich krank fühlt oder Unglück erlitten hat, wird eine dājung zur Vornahme einer solchen me̥lă herbeigerufen. Auch mit gesunden Menschen wird eine me̥lă vorgenommen, wenn es sich darum handelt, ihre Seele für ein bevorstehendes, beunruhigendes Ereignis, wie z.B. eine Reise, feierliche Handlungen u.s.w. vorzubereiten.

Soll ein körperlich oder geistig Kranker geheilt werden, so findet die me̥lă stets in seiner Wohnung statt. Der gewichtige Tag wird morgens gegen acht Uhr mit einer besonders guten Mahlzeit, an der sowohl die Familie als auch die Priesterin teilnimmt, eingeleitet. Die Mahlzeit besteht aus Huhn, Fisch, Reis, Ei und einer Gemüsesuppe. Von allen diesen Herrlichkeiten wird für die Geister etwas auf die Seite gelegt und später zu einer Geisterspeise verarbeitet, welche, je nachdem es sich um Krankheit, böse Träume. oder einen Unglücksfall handelt, mit besonderen Zutaten versehen zu einer blăkă, dem materiellen Ausdruck des von dem leidenden Teil Gewünschten, vereinigt wird. Einige dieser Geisterspeisen werden an die Kindertragbretter und die Dachfenster, durch welche die guten Geister eintreten sollen, gehängt.

Ausser durch Leckerbissen erfreuen die dājung die guten Geister auch durch Geschichtenerzählen; am Boden hockend berichten sie ihnen stundenlang die Stammesgeschichte oder sie erzählen ihnen allerlei Sagen, wie die von Bĕlawan Buring, von denen sie annehmen, dass auch die to̱ sie mit Interesse und Vergnügen anhören.

Mit allerhand derartigen Vorbereitungen verstreicht der Vormittag; nachmittags schlachtet einer der männlichen Hausgenossen ein Ferkel, dessen Blut auf Bananen- und sawang-Blättern (Cordyline javanica Bl. β.) aufgefangen wird, um später bei der eigentlichen me̥lă als Geistertrank zu dienen. Unterdessen hat sich die Priesterin auf einer schönen Rotangmatte vor dem offenen Dachfenster, durch welches die Geister eintreten sollen, niedergelassen und zwar nach Kajanweise mit gekreuzten Beinen hockend, das Haupt auf die rechte Hand gestützt.