Religiöse Gegenstände der Mendalam Kajan.

Wenn eine Kajanhausfrau für den täglichen Gebrauch Reis aus der Scheune holt, sorgt sie dafür, dass die Reisseelen hierüber nicht in Zorn geraten. Zu diesem Zweck hat sie das barang lāli stets in der Scheune hängen; seine wesentlichen Bestandteile sind ein Bündel Spähne aus Fruchtbaumholz und ein viereckiges Körbchen aus tika. Mitten zwischen die Spähne wird ein Ei gesteckt und unten am Bündel ein kleines Bambusgefäss mit Zuckerrohrsaft (te̥lāng te̥wo̱) als Opfergabe angehängt. Das Körbchen enthält eine geweihte Matte für das Holen des Reises: brāt (Matte) lāli (geweiht) ālā (holen) parei (Reis) und vier kawit, die besondere Namen tragen: barang bal o̱k; pakan le̥po̱ halam; pakan le̥po parei; bal o̱k a de̥sak; ausserdem einen Reishalm. Die Frau beginnt damit, als Opfer für die bruwa parei, etwas Zuckerrohrsaft auf das Ei zwischen den Spähnen zu giessen. Während sie den Deckel des Korbes abhebt, die kleine Matte herausnimmt, auf den Boden breitet und einen Reishalm darauf legt, erklärt sie den Reisseelen den Zweck ihres Kommens. Darauf kniet sie, einige Sprüche murmelnd, vor der Matte nieder und isst ein einziges Korn von dem Reishalm. Nachdem sie das barang lāli sorgfältig geborgen, geht die Frau mit der erforderlichen Menge Reis ruhig nach Hause.

Matten spielen beim Trocknen und Stampfen des Reises eine wichtige Rolle, es ist daher wahrscheinlich, dass das barang lāli und das Verzehren des Reiskorns den Reisseelen die bevorstehende Behandlung andeuten sollen.

Beim Beginn einer neuen Ernte werden die gebrauchten pe̥māli durch andere ersetzt, nur das bararg lāli und kahe̱ parei werden sorgfältig mit einer mit Reis gefüllten Eierschale bewahrt und bei jeder neuen Jahreszeit wieder zum Vorschein geholt. Wenn diese pe̥māli verloren gehen, ist eine me̥lă der dājung erforderlich, um die Reisseelen wieder anzulocken.

Beim Beginn des Reisschnitts stimmt man die Geister dadurch günstig, dass man ihnen Esswaren und Wasser, vielleicht einen Aufguss auf Gemüseblätter, darbietet. Das Opfer, tāwe̱ lāli luno̱ genannt, wird von Kindern auf das Reisfeld getragen. Die Esswaren: gekochter Reis, Fisch und Huhn, befinden sich in drei von den dājung mit einfacher Schnitzerei verzierten Bambusbehältern, das Wasser in einem vierten, niedrigeren Behälter; an alle Gefässe werden kawit gehängt. Abends werden die Reishalme des ersten Schnittes in einem geweihten Korbe (ingan lāli) unter Beckenschlag feierlich ins Haus getragen. Aus der Wohnung sind Hunde und Katzen vorher entfernt worden, auch hat man die amin gereinigt und den Eingang mittelst einer Tür aus Rotanggeflecht verschlossen. Die Tür (bile̱t) besteht aus zwei durch eine Rotangschlinge verbundenen Hälften und einem hölzernen Handgriff. Soll der Korb in die Wohnung getragen werden, so streift man die Schlinge mit dem Handgriff ab, die beiden Flügel des Pförtchens springen auf und der Reis kann seinen Einzug halten.

Die mit dem Saat- und Neujahrsfest verbundenen Festlichkeiten haben auf die Verehrung der Götter Tamei Tingei und Djaja Hipui Bezug, daher besitzen die bei dieser Gelegenheit gebrauchten pe̥māli teilweise eine allgemeinere und wichtigere Bedeutung als die vorhin angeführten; denn nun gilt es nicht allein, die betreffenden Geister zufrieden zu stellen, sondern man verlangt von ihnen auch eine gute Ernte, Gesundheit und Wohlfahrt. Die dājung verfertigen für das Neujahrsfest ein besonderes pe̥māli, das sie auf dem geweihten Reisfeld (luma lāli), das als Ort der heiligen Handlung dient, aufrichten. Mit geringen gelegentlichen Abweichungen besteht dieses pe̥māli aus Stücken von Fruchtbaumholz, die durch ihre Form den Geistern die Bitten des Kajanvolkes übermitteln sollen. Die Konstruktion ist die folgende:

Mitten im Reisfeld werden, mit ihren zugespitzten Enden in die Erde gebohrt, vier etwa 20 cm lange runde Pfähle dicht neben einander in einer Reihe aufgestellt. Die beiden mittelsten tragen oben je einen Kranz von acht kleinen, in das Holz eingesenkten Häkchen, während zu den seitlichen Pfählen je eine Treppe führt. Die Pfähle sind oben mit zwei schmalen Brettern gedeckt; vor und hinter ihnen stecken etwas längere Hölzer mit ihren hakenförmigen Enden schräg im Boden. Die Bedeutung des Ganzen ist diese: die vier aufrechten Pfähle bitten die Götter um langes Leben, die beiden Hakenkränze um ein Ansammeln von Reichtümern, die beiden Treppen um ein Übersteigen aller Schwierigkeiten, die schief im Boden steckenden Hölzchen um einen Boden, aus dem sich Reichtümer heben lassen. Dieses pe̥māli, als pe̥lāle̱ bezeichnet, wird beim Saatfest und später beim Neujahrsfest am Fuss des dangei aufgerichtet, nachdem man die Erde vorher mit dem Blut eines Küchleins als Opferspeise befeuchtet hat (Siehe [Kap. VIII]).

Das pe̥māli bliang unterscheidet sich vom pe̥lāle̱ hauptsächlich dadurch, dass die Hakenkränze durch acht längere Haken, die man rings um die vier Pfähle steckt, ersetzt werden. Zwischen die Haken werden als Opfergaben kleine Fische gelegt. Die Pfähle und Haken des pe̥māli bliang stecken nicht, wie beim pe̥lāle̱, in der Erde, sondern in einem Körbchen mit Klebreis, das mit einem Deckel verschlossen wird. Nachdem das Körbchen mit einem Streifen weissen Kattuns umwickelt worden, befestigt man an ihm ein winziges te̥ko̱k, zwei Bambusstäbe und eine Matte, mit denen beim Neujahrsfest die Geister angerufen werden; augenscheinlich ein Mittel, um die Aufmerksamkeit der Geister des Apu Lagan zu erregen. Jede dājung verfertigt am dritten Tage des Neujahrsfestes ihr eigenes pe̥mali bliang und stellt es am folgenden Tage mit denen der anderen Priesterinnen gemeinschaftlich an den Fuss des Opfergerüstes (lăsā); nach dem Feste bewahrt jede ihr pe̥māli.

Für das grosse Neujahrsfest werden ausserdem auch noch andere pe̥māli verfertigt.