In früheren Zeiten verfertigten, wie es die Kĕnja und Bahau am Mahakam jetzt noch tun, auch die Mendalam Kajan die Stoffe für ihre Kleidungsstücke selbst; sie webten sie aus Baumwolle oder Lianenfasern oder stellten sie aus geklopftem Baumbast her. Die gewebten Stoffe wurden bei Festlichkeiten oder von den Reicheren getragen, während der Baumbast für die gewöhnliche Arbeitskleidung diente.
Auf die Herstellung dieser Kleidungsstücke verwandten besonders die Frauen viel Sorgfalt und Kunstfertigkeit. Sie webten sowohl prächtige Stoffe als auch einfachere, die dann, wie auch der Baumbast, durch schöne farbige Stickereien verziert wurden. Die Stickereien wurden in hübschen, farbigen Mustern, hauptsächlich im Kettenstich, ausgeführt und legen noch heute von dem Geschmack und Fleiss der damaligen Frauen ein gutes Zeugnis ab. Den Männern fiel die Bearbeitung der verschiedenen Arten von Baumbast zu, auch schnitten sie aus Zeug Figuren aus, welche von den Frauen als Verzierung auf die Kleider genäht wurden.
Gut gekleideter junger Kajan.
Während die eben erwähnten Verzierungen und die schön bestickten Baumbastkleider am oberen Mahakam jetzt noch gebräuchlich sind, findet man am Mendalam Figurenverzierungen nur noch an der Totenkleidung und Baumbast, einfach bearbeitet, wird nur noch bei der Feldarbeit oder als Zeichen von Trauer getragen. An Stelle des Baumbasts wird bei der Trauerkleidung jetzt auch weisser Kattun angewandt, den man vor dem Gebrauch in den Morast legt und dann auswäscht, um ihm den braunen Ton zu geben, der dem Baumbast gewöhnlich eigen ist.
Seitdem der weniger dauerhafte aber billige Kattun am Mendalam eingeführt worden ist, webt man dort überhaupt nicht mehr. Merkwürdiger Weise ist mit der Qualität der Stoffe auch die ihrer Bearbeitung gesunken; denn statt des früheren sorgfältigen Nähens ist jetzt nur noch das Heften gebräuchlich und das Sticken hat ganz aufgehört.
Bei sämmtlichen Stämmen von Mittel-Borneo bekleiden sich die Männer mit einem Lendentuch, die Frauen mit einem Röckchen. Während dieses bei den verwandten Bahau- und Kĕnjastämmen hinsichtlich der Form völlig übereinstimmt, trägt es bei den übrigen Dajak, z.B. den Batang-Lupar, Taman und Ot-Danum, einen ganz anderen Charakter.
Beschäftigen wir uns im folgendem speziell mit der Kleidung der Mendalam Kajan.
Das wichtigste und einfachste Kleidungsstück der Männer bildet das Lendentuch (bă). Bei schwerer Arbeit und auf Expeditionen durch Urwald und über Wasserfälle gebraucht man ein kurzes (huch, das nur einmal um die Hüften geschlungen wird; im Hause und bei Festlichkeiten dagegen tragen besonders die Reicheren bis zu 12 m lange Lendentücher. Ein derartiges Tuch wird stets nur einmal zwischen den Beinen durchgezogen und der Rest dann um die Hüften geschlungen. Gegenwärtig ist weisser, roter und blauer Kattun hierfür am beliebtesten, falls aber die Feldarbeit einen dauerhafteren Stoff erfordert, wählt man Baumbast. Die grosse Haltbarkeit des Baumbasts ist wohl die Ursache, dass er noch nicht gänzlich durch den beim Tragen viel angenehmeren Kattun verdrängt worden ist.