Alle diese ipu-Arten haben einen intensiv bitteren Geschmack. Sie enthalten sämmtlich Strychnin und ipu tana ausserdem auch Brucin. Derrid fehlte auch bei diesen Giften.

Augenscheinlich stammen alle ipu-Gifte von Strychnosarten ab. Die Holz- und Bastteile der diese Gifte liefernden Pflanzen ergaben bei der Untersuchung alle als giftige Bestandteile Alkaloide. Nicht nur der Bast, sondern hauptsächlich auch das Holz erwiesen sich als strychninreich, während das Holz von ipu se̥luwang ausserdem auch noch Brucin enthielt. Es ist daher wahrscheinlich, dass ipu tana und ipu se̥luwang oder die dazu gehörigen Holzproben aus Versehen verwechselt worden sind.

Da bei ipu kajo̱ hauptsächlich in den Holzteilen viel Strychnin gefunden wurde, ist es wahrscheinlich, dass bei der Herstellung dieses Giftes nicht nur geschabter Bast, sondern auch geschabtes Holz verwendet wird.

Man bereitet sämmtliche ipu-Pfeilgifte, indem man den Bast, vermutlich auch das Holz der betreffenden Pflanzen, fein zerreibt, mit Wasser auszieht und die Lösung vorsichtig eindampft, bis sie eine dicke, zähe, schwarzbraune Masse bildet. Diese wird in kleinen Mengen in den Palmblättern einer Licula-Art aufbewahrt. Beim Gebrauch erweicht man das Ende eines Stückchens ipu über Wasserdampf und bestreicht damit die Pfeilspitzen, welche sodann in einiger Entfernung vom Feuer getrocknet werden. Den Wasserdampf lässt man durch die Öffnung eines trichterförmig gewundenen Bananenblattes, das über ein Bambusgefäss mit kochendem Wasser gestülpt worden, hindurchstreichen.

Dass die Wirkung des ipu mit derjenigen des Strychnins übereinstimmt, davon überzeugte ich mich einst, als ein Hund von einem Pfeile nicht sogleich tötlich getroffen wurde. Das Tier lag mit Bewusstsein auf der Seite, die Zunge aus dem Maule hängend und litt, wie die schnellen, kurzen Atemzüge andeuteten, an Atemnot. Ab und zu stellten sich spontan Konvulsionen ein, bei denen sich der ganze Körper streckte; sie wechselten mit tonischen Krämpfen. Erschütterte man das eine Ende des freiliegenden Fussbodenbrettes, auf dem das Tier lag, so wurden die Zuckungen so heftig, dass der Hund bis auf ½ m Höhe aufsprang; er gab dabei keinen Laut von sich.

Das Schiessen mit dem Blasrohr hat auf der Jagd und im Kriege den grossen Vorteil, dass man auf das Opfer, ohne es zu verscheuchen, so lange Pfeile abschiessen kann, bis einer trifft. Übrigens sind auch viele Nachteile damit verbunden, besonders bei der Jagd auf grosse Tiere, für die die Wunde niemals sofort tötlich ist und die auch durch die Giftwirkung nicht sogleich bewegungslos werden. Sie behalten daher immer noch genug Kraft, um bedeutende Abstände zurückzulegen, was den Jägern viel Schwierigkeiten bereitet, da bereits ganz in der Nähe gefallenes Wild in dem dichten Walde, auf dem mit Blättern, Ästen und Gestrüpp bedeckten Boden, schwer zu finden ist.

Die Pfeile erfahren ferner, ihres geringen Gewichtes wegen, leicht eine Ablenkung, hauptsächlich auf freier Fläche bei Wind.

Unter den sesshaften Dajak begegnete ich nie einem, der im Schiessen mit dem Blasrohr eine besondere Geschicklichkeit an den Tag legte; die Punan verstanden sich hierauf viel besser. In den Proben, die sie vor mir ablegten, schossen sie zwar auf 40–50 m Abstand, aber die Treffsicherheit liess viel zu wünschen übrig und war mit derjenigen eines Gewehrschusses mit Kugel nicht zu vergleichen. Für die Jägerstämme jedoch, die in den fast windstillen Wäldern leben, bildet das Blasrohr, weil es mehrere Pfeile auf das gleiche Tier abzuschiessen gestattet, eine praktische Waffe, der sie sich auch Menschen gegenüber gut zu bedienen verstehen.

Die Schilde (kle̥bit) der Bahau haben die bekannte länglich viereckige Form mit dreieckiger Verlängerung nach oben und unten. Die mit Menschen- und Tierfiguren und Masken stark verzierten Exemplare, die bisweilen nach Europa ausgeführt werden, traf ich bei den Stämmen von Mittel-Borneo nur selten; sie bedienen sich auf ihren Zügen stets einfacher, glatter Schilde aus leichtem, festem, braunem Holze, die in der Mitte und an den Seiten, der Breite nach, mit Rotangschnüren verstärkt werden. Ich fand bei den Kajan noch eine alte, viereckige, eiserne Platte mit zwei Spitzen, die, als Schutz für die an der Rückseite befindliche Hand, vorn in der Mitte der Aussenfläche befestigt wurde.

Die einfachen Schilde werden nie mit Haar verziert; dies geschieht nur mit den bemalten Schilden, die daher kle̥bit bo̱k (Haarschild) genannt werden. Gegenwärtig wird am Kapuas nicht mehr das Haar erschlagener Feinde als Zierat gebraucht, auch ist es verboten, als Waffenverzierung Menschenhaar aus dem eigenen Stamm zu verwenden. Das Haar für die Schilde wird jetzt hauptsächlich von den Taman Dajak gekauft, die mit ihrem eigenen Haar Handel treiben. Für die Schwerter benützt man vielfach eingeführte, gefärbte Tierhaare.