Obgleich im Innern von Borneo nur eine geringe Anzahl Menschen wohnt, ist doch alles Land so unter den verschiedenen Stämmen verteilt, dass jeder nur in einem bestimmten Gebiete seine Reisfelder anlegen darf. Wenn ein Stamm aus einer Gegend fortzieht, hat ein anderer das Recht, sie zu bebauen; auf die herangewachsenen Fruchtbäume jedoch machen die früheren Besitzer noch viele Jahre Anspruch.

Auf noch nie bebaut gewesene Grundstücke haben alle Glieder eines Stammes gleiche Rechte und dürfen sich daher ihren Teil nach Belieben wählen. Ein einst bebaut gewesener Boden bleibt aber, auch wenn er seit Jahren verlassen ist, stets das Eigentum desjenigen, der ihn zuerst bearbeitete. Am Mahakam werden derartige Grundstücke nicht verkauft, wohl aber verpachtet oder gegen andere eingetauscht. Als Grenzzeichen benützt man Bäume, grosse Steine oder Bäche.

In Anbetracht, dass für das Trocknen und Verbrennen des gefällten Waldes die trockenste Jahreszeit erforderlich ist, sucht man, unter normalen Verhältnissen, diese Arbeiten während des Juli und August, wo die grösste Aussicht auf Trockenheit vorhanden ist, zu Ende zu führen. Dass die Ernte dann auf die Regenzeit zwischen Dezember und März fällt, ist für die Stämme von Mittel-Borneo von geringerer Bedeutung.

Den Beginn der verschiedenen Perioden des Reisbaus lässt man von den Umständen abhängen, nur für das Säen sucht man bestimmte Tage einzuhalten. Wenn irgend möglich, beginnt man mit der Saat an dem Tage, wo die Sonne an einem bestimmten Punkte des Horizontes untergeht.

Bei den Kajan am Mahakam richtete der Oberpriester neben dem neuen Hause am Blu-u zwei längliche Steine von verschiedener Höhe auf und stellte sie so, dass das Zeichen für die Saat gegeben war, wenn die Sonne in der Verlängerung ihrer Verbindungslinie unterging.

Man erzählte mir, dass die Höhlungen in einem Felsblock bei Batu Sala, im Flussbett des oberen Mahakam, dadurch entstanden seien, dass die Priesterinnen der umliegenden Stämme von alters her jedes Jahr auf dem Stein gesessen hätten, um zu beobachten, wann die Sonne hinter einem bestimmten Gipfel des gegenüberliegenden Gebirges untergehen würde; dieser Zeitpunkt war dann für den Beginn der Saat massgebend.

Ausser bei zu grosser Nässe wird mit dem Reisbau auch dann noch mit einer Verspätung angefangen, wenn die letzte Ernte besonders günstig ausgefallen war. In solchen reichen Zeiten begeben sich die Männer auf Handelsreisen, bauen Böte, bessern das Haus aus, oder verrichten sonstige Arbeiten, die sie während der Zeit drückender Feldarbeit nicht vornehmen können. Herrscht dagegen Reismangel im Stamme, so beginnt man baldmöglichst mit der Saat.

Jede umfangreichere Arbeit, so auch die Bearbeitung der Reisfelder, wird bei den Bahau stets durch die gemeinsame Arbeit verschiedener Gesellschaften von 4–6 Personen besorgt. Es sind nicht immer Familienglieder, sondern, vor allem bei jungen Männern, häufig Freunde, die einander Hilfe leisten und diese später mit einer gleichen Anzahl von Arbeitstagen heimzahlen. Nur Söhne und Töchter sind ausdrücklich verpflichtet, ihre Eltern bei der Arbeit zu unterstützen. Dieses gemeinschaftliche Verrichten einer Arbeit nennen die Bahau: pala dọw, wörtlich: tagweise.

Derjenige, bei dem gearbeitet wird, muss seinen Gehilfen am betreffenden Tage das Essen liefern; am Mendalam wird aber, besonders in Zeiten von Reismangel, nicht immer während der Arbeit eine Mahlzeit gehalten.

In der drückendsten Arbeitszeit geht jeder, der arbeiten kann, aufs Feld; im Hause bleiben nur Kinder unter 8–10 Jahren, Frauen, die Kinder unter zwei Jahren zu versorgen haben, Greise und Kranke zurück.