Die Delphine (ikan mpush) werden bis 1.5 m lang und sind dunkelblaugrün gefärbt; sie kommen in grossen Mengen bis zum Fuss der Wasserfälle im Mahakam vor und man sieht ihre Wasserstrahlen und glänzenden Rücken täglich über der Wasserfläche erscheinen. Sie werden von den Malaien nicht gegessen, weil diese die Delphine für Menschen halten. Der Erzählung nach wohnte in Muara Pahu einst ein Mann, der seinen Hunger nicht schnell genug stillen konnte und daher den kupfernen Reistopf mit hinunterschluckte. Darauf fühlte er aber so heftige Beängstigungen, dass er ins Freie lief und am Flussufer den Stamm eines Steinpisang oder pisang mangala umfasste. Beim Anklammern gab der Stamm jedoch nach und stürzte mit dem Manne ins Wasser, der darauf in einen Delphin verwandelt wurde.
Am 3. Juni erst kehrten die Malaien unter Dĕlahit zurück und da noch keine Berichte von den Kajan eingetroffen waren, benutzte ich den günstigen Wasserstand, um mit Dĕlahit ein Boot auf Kundschaft nach Long Blu-u zu senden. Neun Tage später kehrten meine Gesandten in Begleitung von Lalau mit ermutigenden Nachrichten zurück. Im Kajanstamm herrschten zwar immer noch grosse Vorurteile gegen die Reise, aber Kwing Irang drang ständig auf deren Durchführung, und auch die Pnihing unter Bĕlarè und die Long-Glat unter Bo Lea bereiteten sich zum Mitgehen vor. Ein grosses Hindernis bildete für die Kajan das Neujahrsfest, das im folgenden Monat zum ersten Mal im neuen Hause gefeiert werden musste, bei welcher Gelegenheit auch das lāli uma für die ganze Niederlassung aufgehoben werden sollte. Auf Kwings Betreiben hatten sie aber beschlossen, die Feier einen Monat früher stattfinden zu lassen und dann sogleich zum Boh aufzubrechen. Auf die Beschränkung, welche ich inbezug auf den von ihnen geforderten sehr hohen Taglohn getroffen hatte, waren sie bereitwillig eingegangen. Lalau war es auch gelungen, elfte seltene Perlenmütze zu erstehen, die mir ihres eigenartigen Modells wegen für meine ethnographische Sammlung wertvoll erschienen war. Mit vielem andern Schmuck hatte ich auch die Mütze gelegentlich eines grossen Festes bewundert, doch hatte sogar eine einjährige Unterhandlung noch zu keinem Kauf geführt. In Long Dĕho hatte ich Lalau noch einige sehr kostbare Tauschartikel mitgegeben, um zu versuchen, ob der Besitzer der Mütze jetzt, wo sich die letzte Gelegenheit bot, sich leichter zum Verkauf überreden liess. Für alle mitgenommenen Gegenstände brachte mir Lalau nun wirklich die Mütze, die man, wie er sagte, zum Schluss nur abgetreten hatte, um mir eine Freude zu machen (Siehe [Taf. 74] b).
Die Malaien, welche ich die letzten Kisten aus Long Dĕho abholen liess, brachten nun auch ein nach Samarinda gesandtes Telegramm der Bataviaschen Regierung, das mir Barths bevorstehende Ernennung zum Kontrolleur meldete. Das Telegramm war zwar schon 2 Monate alt, doch erfüllte mich diese verspätete Belohnung meiner Arbeit und Ausdauer nicht mit minderer Genugtuung. Mit den Malaien gleichzeitig kamen auch die 7 Kĕnja Uma-Djalan unter Taman Ulow, die sich bis dahin in Long Tĕpai aufgehalten hatten, den Fluss abwärts gefahren und schlossen sich vorläufig unserer Gesellschaft an.
Teils um die Nachricht von der erfolgten Einsetzung eines Kontrolleurs als feststehende Tatsache so schnell als möglich am Ober-Mahakam zu verbreiten, teils um mich vom Tun und Lassen der Kajan wieder zu unterrichten, sandte ich Dĕlahit am 17. Juni aufs neue nach dem Blu-u. Zum Einkaufe einer möglichst grossen Reismenge versah ich ihn überdies mit Geld; denn die 8 Kĕnja vermehrten die an unsere Vorräte gestellten Ansprüche auf unwillkommene Weise. Die Männer hatten bis jetzt vergeblich nach ihren beiden Landsleuten am mittleren Mahakam geforscht; wie ich gehofft, waren sie durch die gute Auskunft, die sie über unser Leben unter den Long-Glat erhalten hatten, uns gegenüber viel zutraulicher geworden, so dass sie ihre Hütte ruhig hinter Midans Küche aufzuschlagen wagten. Doch berührte sie unser Kreis von Europäern und Malaien noch sehr fremd, und besonders in den ersten Tagen nahm ihr Interesse an allem, was sie sahen, kein Ende. Um, wenn möglich, etwas über den Verbleib der Ihren in Erfahrung zu bringen, liess ich bald Taman Ulow mit einigen meiner Malaien nach Long Dĕho fahren, von wo sie mit der erfreulichen Nachricht zurückkehrten, die beiden Vermissten hätten sich mit einer dritten Person, zum Schutz vor nächtlichen Überfällen, in einem Baum unterhalb des Kiham Udang eine Hütte gebaut und verdienten sich dort mit Rotangsuchen ihren Lebensunterhalt. Bereits am folgenden Tage begaben sich die sieben Kĕnja mit Lalau auf die Suche nach ihren Landsleuten. Die Erzählung von der Hütte im Baum hatte mich anfangs misstrauisch gemacht, weil ich noch nie in Mittel-Borneo etwas Ähnliches gesehen oder gehört hatte, aber 3 Tage später stellte sich die Gesellschaft wieder ein, vermehrt um drei Personen, zwei Kĕnja und einen berüchtigten Long-Glat aus Long Dĕho, der dort so gut wie ausgestossen worden war. Sie hatten wegen der gefährlichen Zustände unterhalb der Wasserfälle und wegen ihrer grossen Schulden beim malaiischen Händler Raup in Long Bagung im Walde eine Zuflucht gesucht und sich nicht besser zu schützen gewusst, als indem sie sich hoch über dem Erdboden in einem Baum eine Hütte bauten, in der sie bereits sehr lange hausten und viel Rotang gesammelt hatten. Mit Hilfe ihrer Landsleute hatten sie den Vorrat nach Long Dĕho hinaufgeschafft und dort vorläufig zurückgelassen, weil man ihnen nur einen sehr geringen Preis für denselben geboten hatte. Die beiden Vermissten waren denn auch anfangs von einer Rückkehr mit ihren Landsleuten nach Apu Kajan nicht sehr erbaut, was diese, die eine monatelange Reise für die beiden nicht gescheut hatten, höchst unangenehm berührte. Da mir bereits die 7 Kĕnja unter Taman Ulow zu verstehen gegeben hatten, wie leid es ihnen täte, zu ihren Familien mit leeren Händen zurückkehren zu müssen, begriff ich, dass es für die beiden anderen, die so viel länger fortgewesen waren, noch viel peinlicher sein musste, nach solch einem Misserfolg die Heimreise anzutreten. Mir selbst bot dieser Umstand eine passende und lang gesuchte Gelegenheit, um die Kĕnja uns zu verbinden, damit diese uns als Führer nach ihrem Lande dienten und uns dort bei ihren ängstlichen Landsleuten einführten. Ich schlug also Taman Ulow und den Seinen vor, dass sie bis zu unserem Aufbruch mit Kwing Irang bei mir bleiben sollten, dass ich sie alle ernähren und reichlich mit verschiedenen Dingen, die sie dann als Ertrag ihrer Reise ihren Angehörigen vorzeigen konnten, versehen und dass ich gegen ähnliche Artikel auch den Rotang Usats und seines Kameraden, die ich beide an dem für sie sehr gefährlichen Mahakam nur ungern zurückliess, kaufen wollte. Da die Kĕnja von meinen ehrlichen Absichten überzeugt waren, nahmen sie nach einigen Unterhandlungen über den Betrag meinen Vorschlag an. Lalau und einigen anderen, die ich tags darauf nach Long Dĕho sandte, gelang es leicht, dort den Rotang für mich zu verkaufen, weil dies nun auf Schuld geschehen konnte. Ibau Adjāng hatte sogleich einen annehmbaren Preis geboten, den er bei späterer Gelegenheit bezahlen wollte; auf diese Weise erwies ich ihm gleichzeitig eine Gefälligkeit, indem ich ihn in den Geldschwierigkeiten unterstützte, in welche seine Familie infolge des Begräbnisses seines Vaters geraten war.
Die Kĕnja erwiesen sich als weit weniger ängstliche Reisegenossen als die Bahau und fühlten sich in unserem Lager augenscheinlich sehr wohl. In ihren Mitteilungen über die Eigentümlichkeiten ihres Landes und Volkes waren sie durchaus nicht zurückhaltend, was für mich sehr angenehm und nützlich war und auf meine Malaien sehr beruhigend wirkte.
Inzwischen kehrte Dĕlahit noch immer nicht vom Blu-u zurück und erhielten wir von dort nur indirekte, sehr unzuverlässige Nachrichten aus Long Dĕho.
Obgleich das ständige Warten mit unsicheren Zukunftsplänen auf unsere Unternehmungslust sehr lähmend wirkte, liess ich in dieser Zeit, wo so viele Menschen müssig im Lager versammelt waren, doch mit Ernst die Jagd betreiben. Doris fand zwar den hohen Urwald um uns herum für eine Jagd auf Vögel sehr ungeeignet, weil diese in Gestrüpp und auf freien Flächen viel zahlreicher erscheinen als in den mächtigen Gipfeln der Waldriesen, wo man sie nicht sehen, jedenfalls nicht schiessen kann. Die Aussicht auf einen Fang neuer Arten war hier auch nicht gross, denn Doris hatte bereits in Long Dĕho viel gejagt. Er erwies sich übrigens als Jäger auf Grobwild und kleinere Vierfüssler viel ungewandter und selbst das Fallenstellen überliess er am liebsten anderen. Hierin hatte es dagegen Abdul während unserer Reise, wie früher schon erwähnt, zur Meisterschaft gebracht; er zeigte sich übrigens auch auf vielen anderen Gebieten sehr gelehrig. Demmeni ging er in allen Dingen sehr geschickt zur Hand. Seine Talente im Beschleichen von Hirschen und wilden Rindern (le̥mbu) erregten das Staunen aller Kajan. Vielleicht bewunderten sie ihn deswegen so sehr, weil sie selbst kein Hornvieh essen und die Gewohnheiten der Tiere, auf die sie nicht Jagd machen, sehr wenig kennen. Von ihrer Unkenntnis in dieser Hinsicht hatte ich mich bereits auf meiner vorigen Reise überzeugt, als ich nicht einmal feststellen konnte, ob das wilde Rind (Bos sundaicus), das im ganzen Mahakamgebiet im jungen Wald und Gestrüpp getroffen wird, in nur einer oder zwei Arten vorkam. Die meisten Bahau gaben zwei Arten in ihrer Gegend an, eine grosse, dunkelbraune und eine kleinere, hellrote; in Wirklichkeit sind es die Stiere, die dunkelbraun, und die Kühe und Kälber, die hellrot gefärbt sind. In unserer Nähe am Boh merkten wir nichts von dem le̥mbu, weil die Herden den dichten Wald vermeiden und nur alte Männchen sich bisweilen in ihm verirren. Auch fanden wir in der Umgegend keine Salzquellen, die am Ober-Mahakam so viel Hornwild anlocken und daher gute Gelegenheit zum Fallenstellen bieten.
Eine sehr beliebte und praktische Methode Wildschweine zu jagen konnten wir aus Mangel an Hunden nicht anwenden. Die Bahau jagen die Tiere nämlich vorzugsweise mit einer Hundemeute, welche das Wild im Walde verfolgt und zum Stehen bringt, worauf die Jäger es mit dem Speere töten oder mit vergifteten Pfeilen schiessen. Mit einem schmalen Lendentuch bekleidet, ohne Kopfbedeckung, mit Schwert und Speer bewaffnet, ziehen die Jäger in den Wald, gefolgt von ihren Hunden, die, im Hause träge und ängstlich, im Busch ein ausgezeichnetes Spürtalent entwickeln und daher im Dickicht, in dem auch ein Eingeborener nur mit Mühe geräuschlos gehen kann, beim Aufspüren des Wildes von grösstem Nutzen sind. Ihr niedriger Entwicklungsstandpunkt verhindert die Bahau jedoch daran, aus dem Überfluss an Wild in ihren Wäldern einen entsprechenden Vorteil zu ziehen. Aus Unwissenheit züchten und unterhalten sie ihre Hunde sehr schlecht, indem sie die besten Exemplare in der Jugend kastrieren, um sie zahmer und folgsamer zu machen, und ihnen auch nur selten geregelt Futter geben; meist müssen sie von Abfällen leben. Das Kastrieren geschieht so, dass man das Tier durch eine Öffnung im Fussboden mit dem Kopf nach unten hängen lässt, während die Hinterbeine über der Öffnung festgehalten werden. Ein Mann schneidet dann mit einem Bambusmesser in das Skrotum eine Öffnung, drückt die Testikel nach einander aus und schneidet sie vom Funiculus ab. Darauf wird die Höhle mit Kapok ausgefüllt und der Hund laufen gelassen. Hierdurch nehmen die besten Tiere an der Fortpflanzung der Rasse nicht Teil, was die Kajan am Blu-u z.B. nicht einsehen wollten. Die Punan und anderen Jägerstämme scheinen in dieser Beziehung aufgeklärter zu sein, auch versorgen sie ihre Hunde weit besser, so dass Jagdliebhaber wie der Pnihing-Häuptling Bĕlarè ihre Tiere bei ihnen kaufen. Auf der Schweinsjagd erweisen sich diese übrigens nur als Spürhunde von Nutzen, denn sie wagen keine grossen Schweine, sondern nur Ferkel anzufallen. Diese bilden denn auch häufig die einzige Jagdbeute, da die Bahau selbst nur ausnahmsweise mutig genug sind, um grosse Tiere aus der Nähe zu stechen und da mit giftigen Pfeilen verwundete Tiere noch weit laufen können und daher oft verloren gehen. Von anderem Wild werden hauptsächlich Ottern, Eichhörnchen, Wiesel, Leguane und dergleichen mit Hilfe der Hunde gejagt. Leguane dürfen Erwachsene übrigens nicht essen, für Kinder und Greise dagegen, welche in diese Periode noch nicht eingetreten oder über sie schon hinaus sind, ist dies Verbot ungültig.
Buring Pengai, neunzehnjährige Kajanfrau.