Die Tiere wurden eilig in die Böte geladen und dann flog unsere Flotte wieder übers Wasser, das uns mit grosser Schnelligkeit an unseren Lagerplatz an der Ogamündung brachte. Die Kajan fanden ihren Reis dort in unverletztem Zustand wieder und begannen in Überfluss zu schweigen. In den letzten Tagen hatten die Kĕnja ihren ganzen Reisvorrat, der auch für die Rückreise hatte dienen sollen, mit uns geteilt, ohne dass von einem Verkauf die Rede war, nur auf mein Versprechen hin, dass ich sie am Mahakam mit neuem Reis versehen wollte. Die Kajan fanden die Handlungsweise der Kĕnja sehr dumm und vertrauensselig und lachten sie deswegen aus, doch liessen sie sich deren vorzüglichen Reis trotzdem trefflich munden.
Am anderen Morgen konnten wir nicht weiter, weil ein bestimmter Felsen an der Ogamündung nicht aus dem Wasser hervorragte, ein Beweis, dass das Wasser zu hoch stand, um den Boh mit seinen Wasserfällen ohne zu grosse Schwierigkeiten hinunterfahren zu können. Die Kajan und, trotz unserer Sehnsucht nach Hause, auch wir anderen fühlten ein lebhaftes Bedürfnis nach einem Ruhetag und einer körperlichen Stärkung durch Reis mit Schweinefleisch.
Das langsam sinkende Wasser ermöglichte am 1. Dezember eine ruhige Hinabfahrt. Der bewusste Felsblock ragte etwas über die Wasserfläche vor und prophezeite daher eine glückliche Reise. In der Tat boten sich keine besonderen Schwierigkeiten, nur mussten wir uns nach überschwemmten Felsen und Wirbeln im Strom umschauen, doch sind diese beim fallenden Wasser viel ungefährlicher als bei steigendem von gleicher Höhe. Selbst die grossen Stromwirbel zwischen den roten Jaspisfelsen im Kiham Batu Blah (roter Stein) erschienen den Kajan jetzt nicht gefährlich; sie bugsierten ihre vollgeladenen Böte mit Geschick durch sie hindurch, gefolgt von den Kĕnja und Malaien. Sie rieten mir zwar, bis zum unteren Teil des Kiham Hulu über Land zu gehen, wagten aber selbst sogar die obere Hälfte dieser Fälle mit voller Ladung hinabzufahren, ein grossartiges Schauspiel, das wir von einigen sehr hohen Felsen herab genossen. Beim untersten, viel kürzeren Teil der Fälle mussten die Böte vollständig ausgeladen und leer hinuntergelassen werden. Da viele Männer vorhanden waren und nur wenig Gepäck, ging die Fahrt von hier an schnell von statten, und voller Hoffnung, an diesem Tage noch Long Dĕho zu erreichen, fuhren wir den jetzt sehr breiten und beinahe zu sonnigen Fluss hinunter. Die Mannschaft, die von meiner Büchse einen neuen Schweinsbraten erhoffte, liess mein Boot auch jetzt wieder an der Spitze der Flotte fahren. Die vor uns liegenden Ufer waren wegen der Breite des Flusses bereits auf grossen Abstand zu übersehen und bald bemerkten wir auch vor uns am rechten Ufer eine Schweineherde, die übers Wasser schwimmen wollte. Meine Ruderer liessen sogleich wieder das Boot treiben und duckten sich hinter den Bootsrändern nieder, während ich mich unbeweglich hielt. Die eine Hälfte der Truppe ging nicht ins Wasser, nur eine grosse Sau mit drei halb erwachsenen Jungen verliess den Uferwall; sobald sie etwa ⅓ des hier ungefähr 100 m breiten Flusses erreicht hatte, begann die Mannschaft mit aller Macht zu rudern, um ihr den Weg abzuschneiden. Die Tiere leisteten ihr Äusserstes, um vor uns das andere Ufer zu erreichen und bei der Aufgeregtheit meiner Ruderer und dem Schwanken des Fahrzeugs erschien mir ein erfolgreicher Schuss unmöglich. Als wir uns den Tieren näherten, krochen diese gerade das Ufer hinauf; da alle Ruderer aufsprangen, um zuerst an Land zu sein, musste ich mit grosser Vorsicht schiessen. Ich feuerte 2 Mal auf die Sau. Beim zweiten Schuss zuckte sie zusammen, verschwand aber doch noch mit den Jungen im Uferwald. Meine Kajan, die ihr folgten, erzählten bald darauf, die Sau sei sehr bald tot niedergefallen und einer von ihnen habe auch noch eines der Jungen mit dem Schwert getötet, so dass wir jetzt wieder reichlich mit Fleisch versehen waren. Etwas weiter unten schoss ich nochmals auf ein Schwein, doch fiel es nicht sogleich nieder und wir hatten keine Zeit, es zu verfolgen. So gelangten wir bereits um 1 Uhr an unseren alten Lagerplatz bei der Bohmündung. Die Kajan wollten hier nochmals kochen, wir aber fuhren mit den Kĕnja weiter, um noch Long Dĕho zu erreichen, wo wir in der Tat um ½ 4 Uhr anlangten. Das letzte Stück hatte viel Zeit gekostet, weil die Männer wegen der Hitze die Böte von der Strömung hinabtreiben liessen statt zu rudern.
In Long Dĕho hatten sich die Bewohner inzwischen mit Eifer daran gemacht, die alte kubu, die man mir früher so oft zum Aufenthalt angewiesen hatte, durch eine neue zu ersetzen, wie sie sagten, um den Kontrolleur, falls er herauf kam, würdig aufzunehmen. Die Anlage des ganzen Hauses schien in der Tat auf einen derartigen Empfang berechnet zu sein, dafür sprachen die Grösse und die sorgfältige Ausarbeitung des halbfertigen Gebäudes. Wir konnten in ihm jedoch noch nicht übernachten, weil nur ein kleiner Teil gedielt war; unsere Malaien richteten daher in einem von Kahajan und anderen Waldproduktensuchern bewohnten Hause einen Raum für uns ein.
Der gute Erfolg unseres Zuges erfüllte manche Bewohner von Long Dĕho mit gemischten Gefühlen. Ibau Adjāng und Lawing begrüssten mich anfangs sehr herzlich, nachdem sie sich aber bei mir niedergesetzt hatten, verfinsterten sich ihre Gesichter mehr und mehr und sie sahen mit angstvollen und scheuen Blicken zu mir auf. Dass uns einige der angesehensten Kĕnjahäuptlinge begleiteten, war ihnen sehr unerwünscht, da sie diese jetzt nicht mehr als Bundesgenossen gegen die weiter unten lebenden Stämme, die unter unserem Schutze standen, ausspielen konnten. Ibau drückte überdies auch die ziemlich hohe Schuld, die er bei mir durch den Einkauf von Rotang gemacht hatte und nicht bezahlen konnte. Auch Bang Jok fühlte sich verpflichtet, mir seine Aufwartung zu machen, doch war er jetzt nicht mehr imstande, sein Missvergnügen wie bei früheren Gelegenheiten zu verbergen. Er war sehr bleich, wagte die Augen beinahe nicht aufzuschlagen und äusserte kaum ein Wort. Auch die Kĕnjahäuptlinge, die sich bei uns aufhielten, brachten ihn nicht zum Sprechen. Ich gab den Menschen Zeit, sich von ihrem Erstaunen zu erholen, und traf die notwendigen Anordnungen zu unserer Abreise am anderen Morgen. Darauf vertiefte ich mich mit Demmeni in die Briefe und Zeitungen, die uns hier erwarteten. Unterdessen zogen einige Malaien zum Hause der Uma-Wak, um mein grosses Boot zu holen, das sie dort vor unserer Abreise nach Apu Kajan an Land gezogen und unter der Wohnung festgebunden hatten. Das über 20 m lange Fahrzeug befand sich im besten Zustand und, nachdem sie die Bretter der Reeling (rambin), von denen kein einziges fehlte, mit Rotang angebunden hatten, war das Boot bereits abends wieder fahrtbereit.
Die Frauen im Hause des verstorbenen Adjāng Lĕdjü drückten ihre Freude über meine wohlbehaltene Rückkehr unverhohlen aus; sie wussten, dass ich es gut mit ihnen meinte, waren daher nicht bang und gaben sich nicht mit Politik ab. Von der grossen Menge Gepäck, die wir ihnen zur Aufbewahrung anvertraut hatten, fehlte nichts und war auch nichts beschädigt worden. Aus Furcht vor einem Brand hatten sie das Feuer auf dem Herde, sobald nicht mehr gekocht wurde, stets ausgelöscht, während sie es sonst sogar nachts fortglimmen lassen. Mit allerhand übrig gebliebenen Dingen machte ich der Familie noch eine Freude, nur die Regelung von Ibaus Schuld verursachte einige Schwierigkeiten. Er besass entweder wirklich nichts oder wollte nichts geben, so dass ich mich schliesslich mit einem alten Gewehr zufrieden stellen wollte, das Georg Müller gehört haben sollte. Obgleich das Gewehr ganz wertlos war, glaubte Ibau es gelegentlich doch für ein anderes, brauchbares austauschen zu können und war zur Abtretung desselben nur schwer zu bewegen. Am folgenden Morgen bei der Abfahrt brachte er es mir aber doch, denn er war zu anständig, um bei mir eine Schuld zu hinterlassen, die ich doch nie mehr hätte einlösen können. Das Gewehr übergab ich später dem Museum von Batavia.
Trotzdem die Dorfbewohner ihre unangenehmen Empfindungen bei unserer siegreichen Heimkehr nicht ganz verbergen konnten, liessen sie es im Verkehr mit uns an Freundlichkeit nicht fehlen.
Die Familie Bang Joks äusserte, wie früher bereits öfters, ihren praktischen Sinn, indem sie uns als Willkommen mit Zucker, Thee, Butter u.s.w. versah, Dingen, die wir bereits so lange entbehrt hatten.
Im Übrigen herrschte aber wieder Reisnot im Dorf und für unsere grosse Gesellschaft waren nicht genug Nahrungsmittel aufzutreiben; am anderen Morgen erregte uns daher allgemeine Freude, dass das Wasser nicht höher gestiegen war und uns daher eine bequeme Fahrt abwärts versprach. Unsere Reisegenossen hatten bereits sehr früh ihre eigenen Böte geladen und begannen sogleich auch die meinigen in Ordnung zu bringen, so dass wir bereits um 7 Uhr reisebereit waren. Nachdem Demmeni und ich uns von der Häuptlingsfamilie verabschiedet hatten, verliessen wir die Hungerstätte und fuhren in einer langen Flotte erst an Batu Pala, dann an Ums Wak vorüber. Etwas weiter unten begegneten uns 4 Böte der Long-Glat von Long Tĕpai unter Njok Lea, denen der Kontrolleur Barth in Udju Tĕpu noch eine Post mit Briefen und Zeitungen für uns mitgegeben hatte. In unseren Böten sitzend vertieften wir uns mit dem grössten Eifer in die Briefschaften und die für uns neuesten Nachrichten aus der zivilisierten Welt.
Der Kiham Udang verursachte bei diesem Wasserstand nur geringen Aufenthalt, da man ihn mit den halbvoll geladenen Böten befahren konnte. Bereits um 3 Uhr erreichten wir Long Bagung, wo wir auf den ausgedehnten Schuttbänken des rechten Ufers kampierten und ich sogleich die Gelegenheit benützte, um beim Händler Raup zwei grosse Säcke Reis zu erstehen, die ich den Kĕnja als ersten Abschlag auf meine bei ihnen gemachte Schuld übergab. Ich versprach ihnen, sie in Long Iram mit einer grösseren Menge Reis für die Heimreise versehen zu wollen, was später auch geschah.