Es ist dem Dajak unbekannt, dass dasselbe Feld, auf richtige Weise bearbeitet, Jahre hintereinander Produkte liefern kann; daher die mühselige Ausrodung immer neuer Waldstrecken und die Bearbeitung des Ackers für nur 1 oder 2 Jahre. Da der Boden nicht sorgsam vorbereitet wird, ist das Wachstum der Reispflanzen gering und dieselben sind für ungünstige Lebensbedingungen, wie zu wenig oder zu viel Regen, viel empfindlicher als unter einer besseren Kultur. Ausserdem wird von dem gesäten Reis, den man nicht mit Erde bedeckt, ein Teil von den Tieren aufgefressen und, falls es nicht gleich nach der Saat regnet, leidet die Keimkraft der Körner durch zu starke Sonnenbestrahlung. Von den wachsenden Halmen fordern die Waldtiere ihren Teil, falls man diese nur vorübergehend bebauten Felder nicht in mühsamer Arbeit mit starken Hecken umgibt. Ist der Reis reif, so rauben Vögel und Affen, gegen die sich der Dajak nur schlecht zu schützen weiss, wiederum einen Teil der Ernte. Auch wird diese noch dadurch sehr verschlechtert, dass das Brennen der neuen Felder in der Trockenperiode vorgenommen werden muss, wodurch die Erntezeit in die Regenperiode fällt. Zur Erlangung einer genügenden Menge Reis muss also nicht nur stets wieder ein neues Stück Feld gerodet werden, sondern infolge des ausserordentlich geringen Ertrags muss die bebaute Oberfläche auch viel grösser sein als dies bei einem rationellen Betrieb nötig wäre. Ähnliche Zustände herrschen auch bei den anderen Kulturen. Auch ihr besonders auf den Landbau so lähmend wirkendes pe̥māli-System hängt mit ihrer mangelhaften kulturellen Entwicklung zusammen.
Eine andere schädliche Folge dieser Raubwirtschaft ist, dass diese Stämme, infolge der Erschöpfung ihrer Felder in der Umgegend, nach ergiebigeren Feldern umzuziehen gezwungen sind, so dass die ganze Niederlassung nach einigen Jahren von neuem aufgebaut werden muss. Ein solcher Umzug bedeutet für eine Familie von wenig Gliedern eine Arbeit, die jahrelang alle ausserhalb des Ackerbaus zur Verfügung stehende Zeit in Anspruch nimmt, also wiederum einen bedeutenden Arbeitsverlust.
Auch die Ausübung von Jagd und Fischfang ist bei diesen niedrigentwickelten Völkern mit viel grösseren Schwierigkeiten und mit mehr Arbeitsverschwendung verbunden, als bei höher entwickelten. Für die Jagd besitzen sie weder gute Schiesswaffen noch starke, gut dressierte Hunde, während ihre Schlingen und Fallen meist sehr primitiv beschaffen sind oder viel Arbeit bei der Aufstellung erfordern.
Der Mangel an praktischen Fischmethoden hat die meisten Stämme zu einem ausgebreiteten Gebrauch des Tubagiftes gebracht, wodurch der Fischstand in vielen Flüssen vernichtet wird und für den übrigen Teil des Jahres die verfügbare Menge Fischnahrung in vielen Gegenden sehr herabgesetzt ist.
Nach der Nahrung kommt in zweiter Linie die Bedeckung zum Schutz gegen das Klima in Betracht, Kleidung und Wohnung. Zur Beschaffung derselben gebraucht der Dajak hauptsächlich die Zeit, die ihm die Sorge für die Nahrung übrig lässt. Auch hierbei zeigt es sich also, unter welchen ungünstigen Bedingungen er sein relativ geringes Kapital an Arbeitskraft ausnützen muss. Die Art und Weise, in welcher das erforderliche Material für den Hausbau in den Wäldern gesucht, dort roh bearbeitet und an Ort und Stelle geschafft wird, erfordert wegen des Fehlens guter Hilfsmittel und Wege viel mehr Anstrengung als da, wo letztere vorhanden sind. Um ein Beispiel anzuführen, die Grundbalken des Hauses müssen nach der Bearbeitung oft über weite Strecken durch die Berg und Tal bedeckenden Urwälder geschleppt werden.
Falls die Kleidung nicht von auswärts eingeführt wird, liefert die Umgebung die Rohstoffe, aus denen sie zu Hause hergestellt wird. Der zur Verfügung stehende Webstuhl ist sehr primitiv; der Stoff, den man webt, besteht entweder aus selbst gebauter Baumwolle, die man mit der Hand reinigt und zu Fäden spinnt, oder aus den langen Fasern der auseinander geraffelten Lianenstämme, die aneinander geknüpft oder zu Fäden ineinander gedreht werden. Hieraus webt man grobe Stoffe, deren Herstellung viel mehr Arbeit und Zeit kostet als die viel brauchbareren Gewebe, die in Europa verfertigt werden.
Ferner erleidet eine Bevölkerung auf so niedriger Kulturstufe noch einen besonderen Nachteil durch ihre mangelhafte Arbeitsteilung. Es zeigt sich nirgends besser als in unserem modernen Gesellschaftsleben, wie geeignet dieses Mittel ist, der so geringen körperlichen und geistigen Fähigkeit des Individuums in der Beherrschung und Verwendung der Materie nachzuhelfen. Wo aber jede Familie darauf angewiesen ist, sich selbst durch Ackerbau, Jagd und Fischfang zu versorgen, wo sie ihre Kleidung selbst herstellen, ihre Wohnung selbst bauen und bisweilen alle hierfür erforderlichen Gerätschaften selbst verfertigen muss, da stehen ihre Glieder notwendigerweise infolge mangelnder Übung an Fertigkeit weit hinter denen zurück, die aus einer dieser Tätigkeiten ihren Lebensberuf machen.
Fasst man diese oben geschilderten Lebensverhältnisse ins Auge, so nimmt es nicht Wunder, dass die Bahau nicht zu den kräftigen Menschenrassen gehören; weder sie noch die meisten anderen dajakischen Stämme, denen ich begegnete, machten den Eindruck von Menschen mit grosser Lebensenergie.
Damit hängt es auch zusammen, dass ein solches Volk sich in höherem Masse als einen Spielball ausser ihm stehender Mächte fühlt, als dies bei einem entwickelteren Gemeinwesen der Fall wäre. Daher wird auch die Gedankenwelt der Dajak in viel höherem Grade von einem Gefühl der Abhängigkeit gegenüber der Umgebung beherrscht und einige ihrer gesellschaftlichen Einrichtungen sind ein unmittelbarer Ausfluss hiervon.
Bezeichnend dafür sind ihre Vorstellungen von sich selbst und der Stellung, die sie ihrer Umgebung gegenüber einnehmen. Jene kommen z.B. in ihrer Schöpfungsgeschichte zum Ausdruck, nach der sie selbst gleichzeitig mit ihren Haustieren aus Baumrinde gebildet wurden; auch schreiben sie diesen Tieren und einigen anderen wie sich selbst zwei Seelen zu, und die ganze Umgebung ist von ähnlichen Seelen belebt, welche auch menschliche Eigenschaften besitzen (Teil. I pag. 103).