Unter den Priestern führen sowohl Männer als Frauen den Schwerttanz aus, wie gesagt, zur Vertreibung böser Geister, zur Darbringung von Opfern an die Geister u.s.f.; doch tanzen diese nicht unter Begleitung des klĕdi, sondern häufiger des Gongs. Der kĕnja der Laien findet niemals bei grossen religiösen Festen statt.
Ringende Männer der Bahau.
In Anbetracht, dass die Ausführung des Schwerttanzes eine grosse körperliche Anstrengung erfordert, können sich ihm nur Stämme, die starke Leibesübungen gerne haben, widmen. In letzteren zeichnen sich übrigens die Bahau und Kĕnja vor allen anderen Stammgruppen Mittel-Borneos aus; sobald nur einige junge Männer an geeigneter Stelle, z.B. auf einer langen Geröllbank im Fluss, beieinander sind, beginnen sie einen Wettlauf oder andere gymnastische Übungen vorzunehmen.
Sehr beliebt ist der Ringkampf (pajo), von dem [Tafel 13] eine Vorstellung gibt. Die Ringer, gewöhnlich zwei junge Männer, sind dabei nur mit einem Lendentuch bekleidet, das sie eng um den Leib schnüren, um dem Partner einen festen Angriffspunkt zu bieten. Sie beginnen nämlich damit, einander nach der auf dem Bilde angegebenen Weise anzupacken, und suchen dann durch Kraft und Gewandtheit ihren Gegner mit dem Rücken auf den Boden zu schleudern.
So weit ich habe beobachten können, werden hierbei keine bestimmten Regeln befolgt und keine schmerzerregenden Mittel angewandt, auch sah ich nie eine Vorstellung in einen ernsthaften Kampf ausarten, wobei man einander auf andere Weise als durch Geschicklichkeit zu besiegen versucht hätte. Trotzdem sind diese Ringkämpfe nicht gefahrlos, weil die Gegner einander bisweilen sehr heftig zu Boden schleudern. Ich sah denn auch mehrmals, wie besorgte Mütter ihre Söhne vom Kampfe zurückzuhalten versuchten und sie in Gegenwart ihrer Kameraden warnten. Keiner der Jünglinge folgte jedoch den mütterlichen Ermahnungen, hauptsächlich natürlich aus Furcht vor Spott seitens des Publikums. Ab und zu kommt allerdings auch ein Arm- oder Beinbruch bei diesen Ringkämpfen vor. Frauen sah ich niemals am Ringen teilnehmen.
Tanz der Frauen.
Bei allen Spielen der Bahau ist von einem eigentlichen Siege, einer materiellen Belohnung oder einem Ehrenpreise keine Rede, ebensowenig sah ich die Zuschauer auf den Ausgang eines Kampfes wetten.
Neben dem Ringen ist der Wettlauf und Wettsprung bei den Bahau sehr im Schwange, Vergnügungen, die spontan, nicht zu bestimmten Zeiten, vorgenommen werden. Grosse Abwechslung in der Art des Wettlaufes beobachtete ich nicht, meist nahmen es nur zwei Personen mit einander auf. Stets beteiligen sich nur sehr junge Leute an diesem Spiel; sobald sie einmal über 25 Jahr alt sind, verlieren die Männer an dergleichen die Lust. Dasselbe gilt für das Springen. Auf den Hochsprung wird weit mehr Gewicht gelegt als auf den Weitsprung. Man springt mit oder ohne Anlauf, ganz frei oder mit Hilfe eines Stockes. Ebensowenig wie Sprungbretter und Matratzen werden andere Hilfsmittel gebraucht. Beim freien Hochsprung bringt der junge Mann es oft nicht weiter als bis zur Höhe seines Schultergürtels. Für höhere Sprünge gebraucht man lange Stöcke, in der Regel die aus dem zähen, elastischen Holz bestimmter Baumarten hergestellten Bootsstangen. Das Stockspringen geschieht auf zwei verschiedene, auf [Tafel 14] durch Momentaufnahmen dargestellte Weisen. Der Springer befindet sich in beiden Fällen auf dem höchsten Punkte.