Die Seitenwände und die Hinterwand der amin bestehen aus aneinander schliessenden Brettern, nur sind hier Öffnungen als Fensterluken ausgespart. Vor diesen sitzen die Frauen mit ihren Handarbeiten und schnitzen die Männer ihre Schwertgriffe und -scheiden. Am meisten Licht dringt jedoch durch das grosse Fenster ein, das sich oben, im hintersten Dachteil befindet. Dieses Fenster ist 1 qm gross und wird mittelst einer Klappe, die an der oberen Seite aussen am Dach befestigt ist, geschlossen. Bei gutem Wetter wird die Klappe durch einen senkrecht gestellten Stock offen gehalten.

Auf den erhöhten Plätzen zu beiden Seiten der amin sollen später noch mehr Kammern gebaut werden; sie dienen alle als Schlafräume teils für die unverheirateten Töchter und verheirateten Kinder des Häuptlings, teils für die Sklavenfamilien.

Grundriss von Kwing Irangs amin.

Für sich selbst und seine Frauen hat Kwing Irang links in der hinteren Ecke der amin ein Zimmer bauen lassen ([Taf. 35]). Der Fussboden, der hier ebenso hoch wie in der Mitte der amin ist, war bis hinter das Haus unter dem weit über die Hinterwand vorspringenden Dache verlängert worden. Gegen die amin zu ist dieses Zimmer vollständig geschlossen und nur durch eine Tür zugänglich, dagegen endet es hinter der Rückwand des Hauses, in dem verlängerten Teil, offen nach aussen; auch ist die Diele an dieser Stelle durchbrochen.

Da alle Dorffamilien sich am Sammeln des Materials und am Bau dieses grossen Gebäudes beteiligten, keine von ihnen jedoch spezielle Kenntnisse im Häuserbau besass, und alle ausserdem für ihre eigenen Wohnungen und ihren Lebensunterhalt zu sorgen hatten, schritt der Bau nur langsam und unter grossen Schwierigkeiten fort.

Der Transport von Baumaterial aus einem weglosen Tropenwald ist äusserst schwierig, denn bestimmte Holzarten wachsen dort nicht, wie in Europa, nebeneinander, sondern inmitten einer grossen Anzahl anderer Arten. Daher müssen die passenden Tengkawang-Bäume z.B. in einem ausgedehnten Gebiet gesucht, gefällt und oft über Hügel und durch Täler bis an einen Nebenfluss geschleift werden, von dem aus sie zum Mahakam befördert werden können. Eisenholz muss stets mittelst Flössen transportiert werden, da es viel schwerer als Wasser ist. Nachdem ein solcher Stamm mit vieler Mühe durch den dichten Gebirgswald zum Flusse geschafft worden ist, wird er unter ein eigens für ihn gebautes Floss gebunden. Die Kajan waren denn auch stolz darauf, dass für Kwing Irangs Haus 9 dieser schweren Pfähle verwendet worden waren. Die meisten derselben wurden auf folgende Weise bearbeitet: zuerst entfernte man die Rinde und die Unebenheiten mit Beilen, dann verbesserte man hie und da auch die Rundung. Mit dieser Bearbeitung begnügte man sich bei den Pfählen der hinteren Reihe, an denen der vorderen wurde überdies noch mit kleinen Dexeln eine flache Kannelierung angebracht, wie auf [Taf. 27], wo Imun und Sawang Jok mit der Bildhauerarbeit beschäftigt sind, zu sehen ist. Die gewöhnlichen, eisernen, europäischen Instrumente sind für Eisenholz zu weich und daher unbrauchbar; darnach kann man sich von der Geschicklichkeit und Geduld, welche diese Arbeit erfordert, eine Vorstellung machen.

Für die kaso̱ und die Dielenbalken entfernt man von den Tengkawang-Bäumen nur den obersten Kronenteil, die grössten Äste und die Rinde; die feinere Bearbeitung findet erst beim Bau selbst statt.

Von den verschiedenen Verzierungen der ăwă ist oben bereits gesprochen worden, wenden wir uns jetzt dem äusseren Hausschmuck zu. Hierher gehören die bang pakat ([Taf. 24]), die verzierten Giebelbretter, die zu beiden Enden des Firstes frei in die Luft hinausragen. Bei den Bahau und Kĕnja besitzen nur die Häuptlinge das Recht, diese Verzierungen in reich ausgearbeiteter Form an den Firstenden anzubringen. Kwing Irang hatte sich denn auch sehr eingehend mit der Frage, welche Gestalt er ihnen geben sollte, beschäftigt. Auf seinen Reisen nach dem unteren Mahakam hatte er die Häuser anderer Häuptlinge bereits Jahre vorher daraufhin angesehen. Den rechten bang pakat liess er nach dem Modell, das er auf dem Hause von Brit Lĕdjü bei Long Iram gesehen hatte, anfertigen; den anderen überliess er der Phantasie von zweien seiner besten Holzschnitzer. Solch ein bang pakat muss aus einem einzigen Stück sehr harten Holzes geschnitzt werden und da er 3 m lang und 0.70 cm breit sein muss, so war es bereits schwierig, einen Baum von hartem Holz und den erforderlichen Dimensionen zu finden. Man benützte hierfür eine Holzart, die sich nicht gut spalten liess und daher für andere Zwecke, z.B. für Schindeln, untauglich war.

Beide bang pakat wurden von den zwei Söhnen des alten Priesters Bo Jok verfertigt, die sich auf die Schnitzerei in Holz und Hirschhorn gut verstanden. An jeder Figur arbeiteten sie ungefähr 6 Tage. Der Schmuck wurde angebracht, sobald die Sparren auf dem Dache lagen, bevor aber deren geschnitzte Verlängerungsstücke über der Galerie befestigt worden waren.