Das Spinnen der Baumwollfäden geschieht mittelst Stäbchen, welche auf die in der oberen Abbildung von [Taf. 45] dargestellte Weise gehandhabt werden. Die Frau rechts hält in der rechten Hand die Baumwolle, während sie mit der linken das mit einer schweren Scheibe aus Stein, Muschel oder Baumfrucht versehene und auf einer harten glatten Unterlage ruhende Stäbchen zum Drehen bringt. Die Feinheit des so hergestellten Fadens ist sehr verschieden und hängt hauptsächlich von der Geschicklichkeit der Spinnerin ab.

Die Frau links auf dem Bilde dreht aus den Fasern von tengāng einen Faden. Die hierfür gebräuchlichen Faserstücke sind etwa 3–4 dm lang und werden zu zweien derart zusammengedreht, dass ihre Enden auf verschiedener Höhe liegen. Die Fasern werden auf bestimmte Weise mit dem Ballen der Hand auf dem blossen Bein gerieben und so zu einem sehr gleichmässigen Faden vereinigt, der durch Hinzufügung neuer Faserstücke stets verlängert wird.

Röcke der Kajanfrauen.

Früher war auch das Färben von Baumwolle sehr im Schwange; man färbte sie braun, indem man die Fäden im Morast liegen liess, rot durch Eintauchen in Drachenblut, grün durch Kochen in dem grünen Farbstoff einer Liane. Gegenwärtig finden die von den Malaien vielfach eingeführten Anilinfarbstoffe mit ihrem sehr lebhaften Kolorit allgemeine Verwendung. Bei den Bahau und Kĕnja sah ich nie die Methode des ikat, der Knotenfärberei, anwenden, d.h. das Bedecken gewisser Teile der zu färbenden Fäden mittelst Pflanzenfasern, wohl aber unter den Batang-Luparstämmen und Ot-Danum. Ein einfaches Tuch, das ich bei den Mahakamkajan kaufte, war allerdings mit Anwendung der Bindemethode gefärbt worden, doch ist seine Herkunft unsicher.

Das Weben geschieht bei den Dajak nach der auf [Taf. 42] dargestellten Weise mit dem gewöhnlichen, einfachen Apparat, der im indischen Archipel sehr verbreitet ist. Mit diesem Webstuhl stellen sie nur einfache Arten von Zeug her. Das Weben in Mustern verstehen sie nicht, sie können nur Rauten herstellen, die in allerhand Variationen bei den verschiedenen Stämmen wiederkehren. Eine Abwechslung im Gewebe rufen sie hauptsächlich dadurch hervor, dass sie die Fäden der Kette in Farbe und Material ändern, ein Verfahren, das als Beginn einer Figurenweberei betrachtet werden kann. Die so gewebten Zeugstücke sind so schmal, dass für einen Frauenrock zwei übereinander genäht werden müssen.

Unfertiger Frauenrock.

Das Spinnen und Weben wird von den Bahau als eine ausschliesslich weibliche Arbeit aufgefasst; die Männer fürchten, bereits durch die Berührung eines Webstuhls an ihrer Männlichkeit einzubüssen (takut dawi [T. I p. 350]) und sind daher zum Tragen desselben nicht zu bewegen.

Die verschiedenen Stoffe der Dajak dienen alle zur Herstellung von Kleidungsstücken; die aus Baumbast und Lianenfasern gewebten werden für Arbeitskleider gebraucht; für Frauen verfertigt man aus ihnen einfache Röcke ([Taf. 19 T. I]) und Jacken mit oder ohne Ärmel nach dem Modell von [Taf. 49], für Männer Lendentücher und die gleichen schlichten Jacken. Die weissen und farbigen Zeuge aus Baumwolle (bura) und Ananasfasern (usan) werden vorzugsweise für hübsche, bei Festen getragene Kleider verwandt.