Bastkleider werden nicht ausschliesslich aus wenigen grossen Stücken, sondern auch aus vielen kleinen verfertigt, indem man diese aneinander heftet, eine Arbeit, mit der wir die Frau rechts auf [Tafel 55] beschäftigt sehen. Ausser für Kleider wird Bast auch für andere Artikel, wie Säckchen zur Aufbewahrung von Kleinigkeiten u.a.m. verwendet.
Die mehr oder weniger ausgedehnte Verwendung von Baumbast zur Kleidung und die Bewertung dieses Stoffes bei den verschiedenen dajakischen Stämmen sind davon abhängig, ob diese sich leicht oder schwer mit europäischem Kattun versehen können. So ist, wie gesagt, am Mendalam der Gebrauch von Baumbast sehr zurückgegangen, niemand wählt ihn jetzt mehr zur Festkleidung. Da hierdurch auch eine Verzierung dieses Stoffes mit Stickereien unmodern geworden ist, wird auch das Sticken auf gewebten Zeugen überhaupt nicht mehr oder nur in sehr mangelhafter Weise noch ausgeführt. Das Gleiche ist bei den Mahakambewohnern unterhalb der Wasserfälle und den Long-Glat der Fall, während die Kajan, Pnihing und Ma-Suling zur Kleidung noch vielfach Baumbast gebrauchen, diesen noch sorgfältig bearbeiten und ihn für einzelne Teile der Festtracht, wie z.B. ihre grossen Kopfbinden, dem eingeführten Kattun sogar noch vorziehen (siehe [Tafel 20]).
Bei den Kĕnjastämmen wird Baumbast ebenfalls noch sehr viel getragen, im Walde und auf grossen Reisen beinahe ausschliesslich.
Kriegsmantel aus Baumbast.
Allen Stämmen der Bahau und Kĕnja ist die Schmiedekunst bekannt. Die für den Ackerbau, den Busch etc. notwendigen Werkzeuge verfertigen sie selbst. Ursprünglich wendeten diese Stämme selbstgeschmolzenes Eisen an, jetzt weit mehr aus Europa eingeführtes. Während man auf Form und Bearbeitung der täglich gebrauchten eisernen Gegenstände nicht viel Gewicht legt, geschieht dies in hohem Masse beim Schmieden von Waffen, in welcher Kunst die Bahau und Kĕnja es sehr weit gebracht haben und Erzeugnisse liefern, die auch bei der Küstenbevölkerung sehr geschätzt sind.
Kriegsmantel aus Baumbast.
In jeder Niederlassung sind ein bis mehrere Schmiede zu finden, die für die Eingesessenen alle neuen Geräte herstellen und die alten ausbessern. Jeder Schmied besitzt eine eigene Schmiede ausserhalb des langen Hauses, aber in dessen Nähe. Sehr einfache Schmiedearbeiten versteht beinahe jeder Dajak selbst auszuführen, z.B. seine Ackergeräte gerade zu schlagen oder zu schärfen, eine abgebrochene Spitze zu erneuern oder aus einem Nagel einen Angelhaken zu schmieden. Doch wird ein Berufsschmied als etwas Besonderes angesehen und daher wie ein echter Künstler von einem Geiste (to̱ te̥mne̱ = Schmiedegeist) beseelt gedacht. Ist dies nicht der Fall, so kann er auch nichts Hervorragendes in seinem Fach leisten. Bisweilen lässt sich eine Person durch eine dājung mit einem to̱ te̥mne̱ aus Apu Lagan beseelen, ohne noch für die Schmiedekunst besondere Anlage oder Lust zu zeigen; dies geschieht bei jungen Männern während einer ernsten Krankheit, um den Patienten mit Hilfe eines mächtigen Schmiedegeistes zu heilen. So hatte man für Awang Kĕlei, einen der beiden Kajanschmiede am Blu-u, bereits in früher Jugend einen to̱ te̥mne̱ herbeigerufen und mit ihm verbunden, weil er sehr lange an syphilitischen Ulzerationen gelitten hatte, deren Spuren er noch später trug. Wie alle beseelten Individuen, müssen auch die Schmiede zu bestimmten Gelegenheiten ihrem Schutzgeist opfern, hauptsächlich bei Krankheit; sie bewahren auch stets in ihrer Schmiede einige alte Perlen als Lockmittel für ihren Geist, wie die Tätowierkünstlerinnen in ihrem Instrumentenkörbchen.
Die Werkstatt eines Schmieds besteht gewöhnlich nur aus einem 8–10 qm grossen Dach, das an den Ecken auf Pfählen ruht und zu niedrig ist, um unter ihm aufrecht stehen zu können. Bei den Bahau wird das Dach mit Schindeln gedeckt und das Ganze ringsum gegen die frei umherlaufenden Schweine mit einer Hecke umgeben.