Die einfachen Schilde werden nie mit Haar verziert; dies geschieht nur mit den bemalten Schilden, die daher kle̥bit bo̱k (Haarschild) genannt werden. Gegenwärtig wird am Kapuas nicht mehr das Haar erschlagener Feinde als Zierat gebraucht, auch ist es verboten, als Waffenverzierung Menschenhaar aus dem eigenen Stamm zu verwenden. Das Haar für die Schilde wird jetzt hauptsächlich von den Taman Dajak gekauft, die mit ihrem eigenen Haar Handel treiben. Für die Schwerter benützt man vielfach eingeführte, gefärbte Tierhaare.
Nur die Punan und Bukat gebrauchten ursprünglich und zum Teil auch noch jetzt keine Schilde.
1 Batik ist gefärbter Kattun in javanischen Mustern.
Kapitel VIII.
Rolle des Ackerbaus bei den Bahau und Kĕnja—Religiöse Vorstellungen beim Ackerbau Legende von der Entstehung der Ackerbauprodukte—Art der Feldbewirtschaftung—Vorzeichensuchen bei der Wahl der Felder—Bestimmung der Saatzeit-Perioden des Reisbaus—Bedeutung der Ackerbaufeste—Saatfest: religiöse Zeremonien; Masken- und Kreiselspiel—Neujahrsfest Festgebräuche—Zweite Namengebung der Kinder—Darbietung der Opfer—Tänze der Priesterinnen—Ringkampf— aro̱n uting = Festtag des Schweinefleischessens— aro̱n kertap = Festtag des Klebreisessens— nangeian = Rundtanz der Priesterinnen und Laien—Schlusszeremonien beim Neujahrsfest.
Die Bahau und Kĕnja sind Ackerbauer; sie widmen sich hauptsächlich dem Bau ihres wichtigsten Nahrungsmittels, des Reises; alle übrigen Bodenerzeugnisse spielen daneben eine untergeordnete Rolle. Der Ackerbau beherrscht im Grunde das ganze Leben dieser Stämme: ihr Jahr ist das Jahr des Reisbaues, das sie in die verschiedenen Perioden einteilen, welche die Bearbeitung des Reisfeldes und die Behandlung des Reises selbst bedingen.
Die Herstellung von Wohnung, Kleidung und sonstigen Artikeln nehmen die Kajan in der Zeit vor, die der Reisbau ihnen gerade übrig lässt, vor allem nach dem Jäten der neuangelegten Felder und in der letzten Ernteperiode. Dinge, die sie jetzt nicht mehr selbst verfertigen oder gewinnen, wie Salz und einige Arten Zeug, werden den malaiischen Händlern mit Bodenprodukten bezahlt.
Bei Stämmen, deren Denken so stark vom Ackerbau in Anspruch genommen wird, nimmt es nicht Wunder, dass sie ihre Vorstellungen von den ihr Wohl und Wehe beherrschenden Mächten mit diesem in engen Zusammenhang bringen. Die Geisterwelt steht mit dem Ackerbau der Bahau in inniger Verbindung, ohne ihre Zustimmung kann eine Feldarbeit überhaupt nicht vorgenommen werden. Auch fallen alle grossen Volksfeste mit den verschiedenen Perioden des Reisbaus zusammen. Da nach der Ernte ein besonderer Wohlstand herrscht, werden, schon aus praktischen Gründen, auch alle Familienfeste, die einen grossen Aufwand erfordern, auf das Neujahrsfest am Schluss der Ernte verlegt.
Die beiden mächtigen Geister, Amei Awi, und dessen Gattin, Buring Une̱, die nach der Überzeugung der Kajan in einer Welt leben, die unter dem Erdboden liegt, beherrschen den ganzen Ackerbau und lassen den. Ausfall der Ernte grösstenteils vom Benehmen des Feldeigentümers abhängen, und zwar nicht nur von dessen sittlichem Betragen, sondern vor allem davon, ob er alle ihnen zukommenden Opfer und ihre Warnzeichen genügend beachtet hat.
Dem Häuptling fällt eine wichtige Rolle beim Ackerbau zu: er muss bei den Festen im Namen des ganzen Stammes die vorgeschriebenen Beschwörungen durch die Priesterinnen ausführen lassen.