Gegen Abend fiel das Wasser ständig und wir hofften, unsere Fahrt am anderen Morgen auf dem nur 15 m breiten Flüsschen bei einer für unsere Böte genügenden Tiefe des Wassers fortzusetzen.
Alles auf einmal zu transportieren war jedoch unmöglich, daher sollten der Sergeant Duni und ein Schutzsoldat Bajan mit einigen kranken und auf der Reise verwundeten Kajan beim Reis zurückbleiben und später vom pangkalan Howong aus abgeholt werden.
Am ersten Tage begegneten wir Bungan Dajak, die auf der Reise nach Putus Sibau begriffen waren. Sie zeigten sich anfangs scheu, obgleich ich bereits auf der früheren Reise mit ihnen verkehrt hatte. Augenscheinlich fürchteten sie unseren Zorn, weil sie den Malaien Adam ermordet hatten. Ich wusste aber, dass dieser Adam, ein aus Sĕrawak entflohener Bandit, diese schwachen Stämme entsetzlich betrogen hatte, dass er sich sogar als Repräsentant der Regierung aufgespielt und sich als solcher vieler vom Mahakam stammender Güter bemächtigt hatte; ausserdem hatte er im Jahre 1896 alles getan, damit unsere Expedition von den Mahakamstämmen schlecht empfangen würde. Ich beruhigte die Leute über die Folgen ihrer Tat und beschloss, um Zeit für die Erneuerung unserer Bekanntschaft zu gewinnen, erst kochen und das Nachtlager aufschlagen zu lassen. Nachdem sich die Bungan beruhigt hatten, erzählten sie mir, dass Adam sehr schlecht gegen sie gewesen sei. Als sie einst gemeinsam von Putus Sibau, wohin sie sich begeben hatten, um Handel zu treiben und den Kontrolleur zu sprechen, zurückkehrten, liess Adam nicht zu, dass sie die mitgebrachten Waren in ihre Hütten brachten, sondern zwang sie, einen Teil ins Wasser zu werfen. Einen kleinen Knaben, der noch etwas von den Schätzen retten wollte, verwundete er mit dem Schwerte, worauf dessen älterer Bruder einen vergifteten Pfeil auf ihn abschoss. Nun fassten auch die anderen Mut und beschossen ihn mit Pfeilen; sie wagten aber nicht, sich ihm zu nähern, und so hatte er noch Zeit gehabt, sich bis zu einer Felsenhöhle fortzuschleppen, wo er sein Leben endete.
Stalaktiten am Liang Bubuk.
Stalaktiten am Liang Bubuk.
Die Bungan besassen keine guten Böte und baten mich daher um eines der unseren, von denen wir ohnehin einige zurücklassen mussten; denn meine Kajan hatten für ihre Rückkehr nicht so viele nötig. Ich sagte ihnen ein Boot zu unter der Bedingung, dass sie beim Transport unserer Güter längs des Bulit bis zum Bungan behilflich sein sollten, worauf sie hauptsächlich wegen der zu erwartenden guten Reismahlzeiten eingingen.
Wir befanden uns hier inmitten einer interessanten Bergformation. Bereits an der Mündung des Bulit bemerkte ich einen weissen Kalkstein, weiter aufwärts wurden die Kalksteine immer zahlreicher, bis wir, nach einer Fahrt von einigen Stunden, zu beiden Seiten des Bulittales steile, 150–250 m hohe Kalkberge auftauchen sahen. Beim ersten Blick erinnerten ihre überhängenden Wände im unteren Teil an die Tufflager im Mandaigebiet, aber die unregelmässigen Höhlen und tiefen Klüfte hoch oben benahmen mir bald den Irrtum. Über eine Geröllbank klimmend, auf der einige Felsstücke anderer Formation mit ausgesprochener Schichtung hervorragten, gelangten wir bald an den Fuss eines der Berge. An der Seite, wo wir standen, hing eine 60 m hohe Felswand über uns, die an den Stellen, wo nicht Moose und Algen eine rote, braune oder graue Farbe hervorgerufen hatten, bräunlich weiss war. Zahlreiche, bis ein Meter lange Bienennester, deren Bewohner auf diese Entfernung kaum sichtbar waren, hingen von den Wänden wie von Gewölben herab.
Der untere Teil der überhängenden Wand war, infolge der Erosion des durch die poröse Kalkmasse dringenden Wassers, in tiefe, breite Gruben und Spalten zerklüftet, die ganz unten zu Höhlen anwuchsen, an deren Eingang wir prachtvolle Stalaktiten bewunderten. Aussen waren diese bewachsen und dunkel gefärbt, an der inneren Seite waren sie aber schön weiss geblieben.
Ausser zahlreichen Schmetterlingen und Bienen, die das an vielen Stellen durchsickernde Wasser aufsaugen, beobachteten wir als Hauptbewohner dieser Höhlen nur Fledermäuse und Schwalben, von denen letztere essbare Nester bauen, die am Mahakam einen wichtigen Ausfuhrartikel bilden. Auf dem Boden hatte sich im Laufe der Zeit eine dicke Guanolage gebildet, deren durchdringender Geruch sich weit in der Umgegend verbreitete.
Die Höhlen dienen den nomadisierenden Familien der Punan und der ihnen ähnlichen Bungan Dajak als Schatz- und Totenkammern.