In unserem Lager angekommen fanden wir bereits einen grossen Teil unseres Gepäckes vor, aber Barth und Demmeni hielten sich immer noch im Lager am Bĕtjai auf, das sie nicht verlassen wollten, bevor alles Gepäck abgeholt worden war.

Wasserscheide zwischen Kapuas und Mahakam.

Wasserscheide zwischen Kapuas und Mahakam.

Tigang Aging, der sich in Akam Igaus Abwesenheit als Herr und Meister aufspielte, wollte bereits am anderen Tage den Geistern auf der Wasserscheide opfern ( napo̱ ) lassen, aber bevor alle und alles im Lager beisammen waren, konnte davon keine Rede sein. So machten sich anderen Tages alle Träger und Malaien mit Tigang wieder auf den Weg zum alten Lager. Beinahe alle Männer brachten mit grosser Kraftanspannung an diesem Tage zwei Mal eine Fracht nach oben; trotzdem blieb aber immer noch ein Rest im Lager am Bĕtjai zurück. Da Demmeni sich von der Reise etwas ermüdet, im übrigen aber wohl fühlte, blieb er noch unten, während der Kontrolleur bei uns im Lager eintraf.

Trotz der grössten Sparsamkeit begann der Reismangel so fühlbar zu werden, dass wir abends berieten, was weiter zu tun sei. Dass Bier mit seiner Aufnahme begann, war dringend notwendig, daher wurden ihm drei Malaien und drei Kajan mit einer genügenden Menge Reis zugeteilt, um am folgenden Morgen die Messungen anfangen und den Weg selbständig bis an den Mahakam fortsetzen zu können. Barth sollte mit Demmeni wiederum für den Gütertransport sorgen und ich mit den notwendigsten Trägern vorausgehen und bei Amun Lirung, dem Pnihinghäuptling weiter unten am Howong, Proviant und Hilfe für unsere Leute suchen.

Um den Rest unseres Gepäckes abholen und dann opfern zu können, hauptsächlich aber, um im Walde nach Nahrungsmitteln suchen zu lassen, musste ich noch einen Tag in unserem nasskalten Lager verbringen. Alle Männer, die nicht beim Tragen halfen, schickte ich in den Wald, um owur nanga (Palmkohl = junge Sprosse von Eugeisonia tristis) und wenn möglich auch Sago aus dem Stamm der Palme zu sammeln. Leider fanden die Leute zwar viel owur aber nur sehr wenig Sago, so dass der erste Hunger zwar gestillt wurde, eine kräftigere Nahrung aber immer noch fehlte.

Abends fand das Opferfest statt; alle kleideten sich etwas sorgfältiger als gewöhnlich an, legten sich ihr Schwert um und begaben sich mit einigen Eiern, die stets auf grösseren Expeditionen zu diesem Zwecke mitgenommen werden, auf die Wasserscheide; dort pflanzten sie Stöcke in den Boden, spalteten deren Spitzen in 4 Teile und klemmten die Eier als Opfergabe für die Geister der Wasserscheide hinein.

Da Tigang viel redete, aber mit seinen Leuten weniger gut als Jung, der selbst mitarbeitete, umzugehen verstand, teilte ich ihm mit, dass ich seine Hilfe bei Amun Lirung, dem Pnihinghäuptling, nötig hätte. Obgleich ihm der grosse Marsch nicht verlockend erschien, fühlte er sich in seiner Eitelkeit dadurch doch so geschmeichelt, dass er Jung gern sein Amt, die Überwachung des Gütertransportes, überliess, und so machten wir uns bereits früh Morgens mit 8 Mann und einem Bukat, Udjan, als Führer auf den Weg. Wie immer, ging ich, um mein Geleite zur Eile anzuspornen, voraus, schlug aber einen falschen Pfad ein, so dass die Träger bereits ein gutes Stück auf dem richtigen Wege weitergegangen waren, bevor ich mit Tigang mein Versehen bemerkte. Hoch über einem steilen Abhang holte ich die Träger ein. Die Eingeborenen nannten den Platz “ labu aso ”, d.h. Platz, an dem die Hunde stürzen. Ein halb verfaulter Baumstumpf wurde mir als Überrest eines Baumes gezeigt, auf den Georg Müller 1825 mit den Punan um die Wette geschossen hatte; seine Flinte hatte über ihre Blasrohre den Sieg davon getragen.

Von dieser Stelle an fiel der Pfad so steil ab, dass man bis in das Tal hinunter mehr gleiten als gehen musste. Im Tal lagen grosse Mengen scharfkantigen Gesteins, das sich durch seine leuchtende Weisse lebhaft von der dunkelgrünen Umgebung abhob; es waren die Reste einer Goldmine, welche die Pnihing hier früher angelegt, jetzt aber verlassen hatten. Der Howong hatte so viel von diesem Gestein mitgeführt, dass es noch in einer Entfernung von vielen Kilometern im Flussbette Bänke bildete. Für unsere beschuhten Füsse war das Gehen auf den spitzen Steinen angenehmer als auf dem runden Geschiebe des Bĕtjai; unsere barfüssigen Träger dachten allerdings anders und waren froh, als wir weiter unten im Flussbett wieder die gewöhnlichen, runden Geröllsteine antrafen.

Bereits bei Beginn unserer Wanderung war unser Führer Udjan sehr schweigsam gewesen und hatte uns weder über den Weg noch über die Möglichkeit, noch am gleichen Tage die Niederlassung der Pnihing zu erreichen, viel mitgeteilt. Er hatte in den letzten Tagen an Fieber gelitten; jetzt blieb er ständig zurück und klagte über unseren schnellen Gang. Als er endlich merkte, dass Eile dringend notwendig war, raffte er sich auf. Mittags erreichten wir das Nebenflüsschen, das Udjan uns als geeigneten Platz zum Übernachten angegeben hatte; unter den gegenwärtigen Umständen konnte davon aber keine Rede sein. Zwar wartete ich hier alle meine zurückgebliebenen Träger ab, erklärte diesen aber sogleich, dass ich in der Hoffnung, das Pnihinghaus zu erreichen, bis zum Einbruch der Nacht den Marsch fortsetzen wolle; vom Lĕkudjang, aus gesehen, war mir nämlich der Abstand nicht sehr gross vorgekommen. Meine Erklärung wurde von allen, hauptsächlich von Tigang, mit verdrossener Miene aufgenommen Ich machte jedoch Tigang darauf aufmerksam, dass ihm jetzt, wo er mich zum ersten Mal begleitete, sein Ehrgefühl gebieten müsse, nicht zurückzubleiben. Das sah er auch ein und zeigte sich zum Weitergehen bereit. Noch einige Stunden ging es im Bette des Howong abwärts, dann trafen wir auf frühere Reisfelder, die wir, um grosse Windungen des Flusses abzuschneiden, durchquerten.