An den beiden folgenden Tagen trafen in gesonderten Gruppen die Mendalam Träger bei uns ein: zuerst die Ma-Suling mit denen aus Pagong. Diese wollten sich den Mahakam abwärts zu ihren Verwandten am Mĕrasè begeben, sich 10 Tage bei ihnen ausruhen und dann wieder an den Kapuas zurückkehren. Obgleich sie bereits in Putus Sibau einen Vorschuss von ihrem Lohn erhalten hatten und es abgemacht war, dass sie den Rest bei ihrer Heimkehr dort vom Kontrolleur in Empfang nehmen sollten, baten sie mich doch wieder um Geld. Mit Rücksicht auf meinen beschränkten Geldvorrat und darauf, dass alle anderen wahrscheinlich mit den gleichen Forderungen herantreten würden, musste ich ihre Bitte abschlagen und gab jedem nur eine kleine Summe als Vorschuss; für den Rest gab ich ihnen einen Brief an den Kontrolleur von Putus Sibau mit. Der gleiche Auftritt spielte sich mit den Kajan aus Tandjong Karang und Tandjong Kuda ab, die sich, um Blutsverwandte zu besuchen und Handel zu treiben, nach anderen, weiter unten am Mahakam gelegenen Niederlassungen begaben. Nur den armen Punan, die wenig oder gar keine Tauschartikel besassen, händigte ich einen grösseren Betrag aus, damit sie unter Tĕtuhès Anführung bei ihren Verwandten am Sĕrata, wo sich bei den Pnihing eine grosse Bukat Niederlassung befand, keine allzu klägliche Rolle spielten.
Ferner besprach ich mit Kwing Irang, was ich seinen Untergebenen, die mir entgegengereist waren, geben sollte. Zu meiner angenehmen Überraschung schlug er mir vor, jeden auf die gleiche Weise mit einem Stück schwarzen und roten Kattuns zu belohnen; so hatte ich denn nicht mit dem persönlichen Geschmack der einzelnen zu streiten. Ein chinesischer Bankerottierer, Mi-Au-Tong, der aus Pontianak dein Kapuas entlang an den Mahakam geflüchtet war und jetzt bei den Kajan durch Handel mit Buschprodukten und Arzneien sein Leben fristete, half mir beim Messen des Zeuges. Die Abmachung mit dem Häuptling wurde von seinen Untergebenen natürlich wieder nicht für gut befunden; jeder verlangte noch eine Portion Salz dazu, die ich ihm gern gab.
Dem Häuptling selbst übergab ich im Namen der Regierung eine silberne Beteldose mit Zubehör, die ihn sehr zu beglücken schien. Seinen beiden Frauen hatte ich schöne seidene Tücher mitgebracht, ausserdem liess ich sie von meinen geblümten Seidenstoffen selbst noch etwas auswählen. Kwing Irangs Pflegetochter Kehad erfreute ich mit einem Ohrschmuck, bestehend aus 20 Silberringen von 4 cm Durchmesser. Ich hatte in Batavia 1500 dieser Ringe anfertigen lassen; sie bildeten einen kostbaren und wenig umfangreichen Tauschartikel.
Der Satz Armbänder aus Elfenbein, den ich Hinan Lirung und Bĕlarè gegeben hatte, spukte auch Kwing Irang im Kopfe herum, und er ruhte nicht eher, bis ich auch den Arm seines 10 jährigen Söhnchens Hāng mit Elfenbeinringen geschmückt hatte. Alle Bahau besitzen die Eigenart, dass sie ihre Wünsche starrsinnig auf einen bestimmten Gegenstand richten und dass man sie dann mit Geschenken von viel grösserem Werte nicht entsprechend erfreuen kann. Es ist daher am einfachsten, sie ihre Wünsche stets vorher äussern zu lassen.
Unvollendete Niederlassung der Kajan an der Mündung des Blu-u.
Unvollendete Niederlassung der Kajan an der Mündung des Blu-u.
Zu meiner grossen Beruhigung war es diesmal mit dem Reisvorrat der Kajan viel besser bestellt, als auf meiner vorigen Reise. Bereits in den ersten Tagen kamen Scharen von Mädchen und Knaben, um gegen kleine Mengen Reis Nadeln, Perlen u.a. einzutauschen, so dass ich einen ganzen Vorrat beisammen hatte, bevor Barth, Demmeni und Bier am 11. Oktober bei uns eintrafen. Kaharon begleitete die Gesellschaft, um mit mir noch einmal über die Expedition zum Quellgebiet des Mahakam zu reden, die nach Ablauf der mit der Reissaat verbundenen Verbotszeit, die jetzt bei den verschiedenen Stämmen eintrat, stattfinden sollte.
Kapitel XIII.
Der Mahakam in seinem Ober- Mittel- und Unterlauf—Bewohner des Mahakamgebietes—Vorgeschichte der Stämme—Stellung und Einfluss der Fremden—Ursprüngliche Bewohner am oberen Mahakam—Vorherrschaft der Long-Glat—Kwing Irang und dessen Stellung unter den übrigen Häuptlingen—Verkehr und Handel unter den Stämmen—Selbständigkeit der Stämme—Verteilung der Ländergebiete—Bestimmungen in bezug auf Feld- und Waldfrüchte, Buschprodukte, Jagd und Fischfang—Industrie—Verkehr mit den Nachbarländern—Handel und Handelswege.
Der Mahakam (im Malaiischen; Mĕkám im Busang) ist von den Strömen Borneos, die sich an der Ostküste ins Meer ergiessen, der grösste. Er entspringt unter dem Namen Sĕlirong an der südwestlichen Seite des Batu Tibang, eines wahrscheinlich vulkanischen Berges, der sich in der Fortsetzung des Ober-Kapuas-Kettengebirges, das aus alten Schiefern besteht, erhebt. Der Mahakam folgt anfangs einem Längstal dieses Gebirges, aber bald nachdem sich der Sĕlirong mit dem Sĕliku, einem zweiten Quellflüsschen, das auf dem Lasan Tujan entspringt, auf 550 m Höhe vereinigt hat, bricht der Fluss in südwestlicher Richtung der Reihe nach durch alle Ketten des Gebirges hindurch. Bis zur Mündung des Howong, auf etwa 300 m Höhe, behält der Mahakam diese Richtung bei, wendet sich hier, in gleicher Entfernung von dem Batu Lĕsong, ungefähr gerade nach Osten und biegt dort, wo dieses Sandsteingebirge sich unter dem Namen Batu Ajo nach Süden fortsetzt, ebenfalls nach Süden. An der Biegung bei Long Tĕpai hat sich der Fluss durch die weissen Hornsteinschichten, auf denen das Sandsteingebirge liegt, nur ein schmales 15–40 m breites Bett erodieren können, während das Flussbett oberhalb Long Tĕpai an einigen Stellen eine Breite von 200 m erreicht.