Während sehr kleine Tiere unverletzt bewahrt werden können, muss man an Fischen, Reptilien und Amphibien einen mindestens 2 cm langen Bauchschnitt ausführen und ein Schliessen der Öffnung mittelst eines Querhölzchens verhindern.

So weit möglich liess ich unsere Konservenbüchsen und -Flaschen gebrauchen; für grössere Tiere liess ich aus Blech Behälter herstellen.

Zum Schliessen der Flaschen benützten wir stets Harz, das zerstossen und mit Petroleum angefeuchtet eine teigige Masse liefert, mit der Glas- und Metallgefässe luftdicht verschlossen werden können. Da Harz stets zu finden und Petroleum meist auch vorhanden ist, kann dieses Verschlussmittel sehr empfohlen werden; wir benützten es auch, mit Kapok oder Werg gemischt, um unsere Stahlkoffer wasserdicht zu schliessen.

Für Fische und kleine Tiere hatte ich 3 Kisten mit cylinderförmigen Gläsern von 200–500 ccm Inhalt mitgenommen; schraubbare Metalldeckel verschlossen mittelst eines von innen angebrachten Kautschukstreifens die Gläser luftdicht; sicherheitshalber wurden sie aber auch noch mit einem Harzring umgeben. In diesen Gläsern haben sich besonders Fische, Reptilien und Amphibien jahrelang gut gehalten, auch, als ich später nicht mehr im stande war, das Formol zu erneuern.

Während meines ersten Aufenthaltes am oberen Mahakam wurde ich beim Sammeln ständig von der Bevölkerung unterstützt, nur sah sie es nicht gern, dass wir ihre wahrsagenden Tiere töteten. So bedauerten es die Kajan lebhaft, dass Doris zwei hisit (Anthreptes malaccensis) und zwei te̥lăndjăng (Platylophus coronatus) geschossen hatte. Als später bei den Kĕnja das gleiche geschah, wurde der te̥lăndjăng, während er zum Trocknen hing, gestohlen, was sonst nie vorkam. Ich hielt es für geratener, kein Wort darüber zu verlieren und das Töten dieser Tiere zu verbieten. Obgleich auch die Rehe zu den wichtigen wahrsagenden Tieren gehören, schienen die Bahau doch nichts dagegen zu haben, dass ich sie schoss. Ihre dje̥lẹwan, die Schlange mit dem roten Kopf, Bauch und Schwanz, wagten sie weder lebend noch tot anzurühren. Zum Entsetzen der Bahau töteten wir auf dem Wege von Kapuas zum Mahakam eine dje̥lẹwan in unserer Hütte und legten sie in eine Flasche mit Formol. Da keiner die Flasche tragen wollte, versteckte ich sie in einer der Kisten, ohne dass sie es sahen. Später schrieb die Bevölkerung den Erfolg meiner Expedition zum grossen Teil dem Besitz dieser Schlange zu und ich musste sie so häufig vorzeigen, dass ich mich zuletzt weigerte.

Eine besondere Furcht flösst den Bahau ein Halbaffe (Tarsius spectrum) ein, der tagsüber bewegungslos auf einem Baumstamm sitzend den Vorübergehenden mit seinen grossen Nachtaugen anstarrt und den Kopf weit nach rückwärts zu drehen vermag; keiner wagte es, dieses ungefährliche Tierchen zu töten. Zu den Tieren, welche der Aberglaube schützt, gehört auch der grosse Erdwurm, der im stande ist, Töne auszustossen; er soll die Fruchtbarkeit der Felder befördern, wir konnten daher kein Exemplar erhalten.

Bis zum Jahre 1899 verursachte uns das Sammeln wenig Mühe; während unseres Zuges an die Ostküste jedoch wurden die Kajan von verschiedenen Unglücksfällen betroffen, und ein Priester der Pnihing, der den Ruf genoss, durch Träume prophezeien zu können, erklärte die Unglücksfälle für eine Strafe der Geister, weil die Kajan für uns so viele Insekten getötet hatten. Im Grunde war der Priester nur neidisch auf den Verdienst der Kajan, den diese sich durch das Sammeln von Tieren verschafften. Nach unserer Rückkehr zu den Mahakam Kajan wagten sie uns kein einziges Insekt mehr zu bringen, obgleich ich eine Verstimmung hierüber nicht bemerkte.

Einfacher gestaltete sich das Sammeln auf botanischem Gebiet. Die Anlage eines Herbariums und einer Sammlung lebender Pflanzen betrachtete ich als die Hauptsache und nahm daher aus dem botanischen Garten von Buitenzorg zwei Malaien, einen Mantri, Sĕkarang, und einen Pflanzensucher, Amja, mit, die beide im stande waren, selbständig ihre Arbeit auszuführen. Meine Aufgabe bestand daher nur darin, ihnen für ihre botanischen Exkursionen Führer und Träger zu verschaffen und etwas Aufsicht zu üben.

Belehrt durch unsere Erfahrungen von der Reise 1896–97 gelang es uns diesmal am oberen Mahakam, eine Sammlung der verschiedensten Pflanzen, und zwar 500 Exemplare, lebend aus dem Innern Borneos nach Buitenzorg zu transportieren. Dabei hatten die am Anfang unseres Zuges am Blu-u gesammelten Pflanzen sechs Monate lang dort gepflegt werden müssen.

Beim Aufbewahren lebender Pflanzen verfuhren wir folgendermassen: wenn möglich, wurden junge Exemplare aus dem Boden genommen und zwar so, dass, um die feinen Wurzelenden nicht zu verletzen, gleichzeitig auch eine grössere Menge Erde herausgehoben wurde. Zu Hause angekommen setzten wir die Pflanzen sogleich in Bambuskörbe in eine Erde, die aus Humus, Flusssand und etwas feiner Holzkohle bestand. Die gleiche Erde wird in Buitenzorg in den Treibhäusern benützt. Unter dem dichten Laubwerk der Fruchtbäume bei der Wohnung der Malaien wurde ein Grundstück vor Besuchen von Kindern, Hunden, Schweinen und Hühnern durch Bambuslatten geschützt und die Pflanzen unverdeckt auf Holzgestellen niedergesetzt und täglich versorgt. Auf diese Weise kamen während unseres Aufenthaltes am Mahakam nur wenige Pflanzen um. Bei unserer Abreise zur Küste wurden die Körbe mit den Pflanzen in Holzkisten von ungefähr 4 × 6 dm Bodenfläche und 5 dm Höhe dicht neben einander gesetzt. Die Kisten hatte ich grösstenteils an Ort und Stelle anfertigen lassen.