Der Topograph Bier hatte sich für die Aufnahme mit einem Theodolit Tranche-Montagne, mit dem Azimuth und Höhe bestimmt werden konnten, und mit 3 m langen Massstäben, auf welchen eine Skala in Centimetern angegeben war, ausgerüstet. Im Fernrohr des Tranche-Montagne waren Kreuzfäden und Horizontalfäden gespannt, in solch einem Abstand, dass dieser mit der Anzahl Centimeter auf der Skala des Masstabes, welche man zwischen ihnen auf 100 m Distanz ablas, in einfachem Verhältnis stand. 100 Meter Abstand entsprachen 100 Centimetern auf der Skala. Eine Messkette hatten wir nicht mitgenommen, da unser Weg grossenteils zu Wasser zurückgelegt wurde und von einer regelrechten Triangulation des Gebirgslandes keine Rede sein konnte.

Junger Sklave der Kajan am oberen Mahakam.

Junger Sklave der Kajan am oberen Mahakam.

Zur Kontrolle für die Höhenbestimmung durch direkte Messung mittelst des Theodolits war ich mit zwei guten Aneroidbarometern und einem Hypsometer ausgerüstet, an denen an allen wichtigen Punkten Ablesungen gemacht wurden.

Einer der Aneroidbarometer von der Firma Kipp en Zonen in Delft stimmte mit dem Hypsometer auf jeder Höhe überein; er hatte bereits die Reise 1896–1897 mitgemacht und war damals in der Sternwarte zu Leiden verifiziert worden.

Während der Reise wurde eine Abweichung des Kompasses des Theodolits nur ein einziges Mal am Blu-u festgestellt, was teilweise auch dem Umstand zugeschrieben werden muss, dass der Himmel selten unbewölkt genug war, um während ẹines grossen Teils des Tages den Stand der Sonne mit genügender Schärfe mittelst des Fernrohres bestimmen zu können. Diesem Umstand muss vielleicht zugeschrieben werden; dass bei der Zeichnung der Karte im Massstab von 1 : 20000 die Länge des Mahakam bis zum astronomisch bestimmten Punkte Ana sich als richtig erwies, die Richtung jedoch um einen Grad nach Süden abwich.

Die Aufnahme des Landweges bereitete unserem Topographen, der jahrelang in dem waldbedeckten Gebirge Mittel-Sumatras gearbeitet hatte, keine Schwierigkeiten. Einer der ursprünglich 3 m langen Massstäbe wurde auf die Hälfte verkürzt, um auf den Waldpfaden seiner Länge wegen nicht hinderlich zu sein, ferner wurde etwas mehr Zeit darauf gewendet, um die gewundenen, steigenden und fallenden Pfade in kleinen Abständen messen zu können. Anders verhielt es sich mit dem Messen des Mahakam selbst, da die langen, schmalen Böte der Bahau zum Aufstellen des Theodolits nicht stabil genug sind. Auch das Aneinanderbinden mehrerer Böte war wegen der zahlreichen Verengungen und Stromschnellen im Fahrwasser sehr beschwerlich. Daher musste der Topograph auch bei der Flussmessung zum Aufstellen seines Instrumentes das feste Ufer wählen. Die Gehilfen, die in gesonderten Böten die Massstäbe hielten, lernten es bald, sich entweder mit ihren Böten zwischen Felsblöcken und Geröllbänken festzusetzen oder am Lande eine passende Stelle zu finden. In der Regel waren drei Böte erforderlich: eines für den Topographen und zwei für die Gehilfen. Indem Bier einen Massstab oberhalb und einen unterhalb seines eigenen Standplatzes aufstellen liess, konnte er von einem Punkte aus zwei Abstände im Flusse messen. Der stromaufwärts befindliche Gehilfe suchte sich, während der Topograph den stromabwärts befindlichen Massstab visierte, mit seinem Bote einen passenden Punkt weiter unten im Fluss aus, worauf der Topograph wiederum zwischen beiden Stand fasste und erst den jetzt flussaufwärts befindlichen Massstab visierte dann den flussabwärts befindlichen u.s.f.

Dadurch, dass Bier seine Messungen stets von dem am weitesten flussaufwärts gelegenen Punkt aus begann, lief er am wenigsten Gefahr, durch plötzliches Hochwasser aufgehalten zu werden, auch konnten sich die Böte mit dem Strome schnell abwärts bewegen.

Dank der langen Zeit von beinahe zwei Jahren, die wir am oberen Mahakam zu verbringen gezwungen waren, und der Sicherheit, mit der wir uns bewegen konnten, gelang es dem Topographen, den Mahakam stückweise, von seinem Ursprung an der Grenze von Sĕrawak an bis zu dem astronomisch bestimmten Punkt Ana am mittleren Mahakam, zu messen. Indem er den Kaso bis zum Pĕnaneh, dem Endpunkt der Messung des Topographen Werbata, hinauffuhr, konnte er später seine Messung des Mahakamgebietes nochmals mit derjenigen des Kapuas in Verbindung bringen.

In Anbetracht, dass der Kapuas, von Pontianak aus, seiner ganzen Länge nach bereits gemessen war, wurde mit einer Messung des Mahakam diejenige Borneos von West nach Ost vollendet.