Dass auch Kajan zu eilen im stande sind, erfuhr ich an diesem Tage, da wir um 8 Uhr wegfuhren und ununterbrochen durchrudernd um ½ 11 Uhr abends ankamen. Zum Glück war der Himmel etwas bewölkt und der Tag nicht sehr heiss, so dass ich zum Schluss nur hungerig, fröstelnd und steif am Blu-u anlangte.

Am folgenden Tag beschlossen unsere Dorfbewohner, den Leuten am Mĕrasè zu helfen, indem sie ihnen zur Bewirtung der beim Begräbnis Behilflichen ein Schwein und Reis zur Verfügung stellten. Abends kostete es viel Mühe, um in dieser drückenden Arbeitszeit eine genügende Anzahl junger Leute zur Fahrt zu vereinigen. In den letzten Tagen ging alles bei Sonnenaufgang aufs Feld und nur die Kranken und Alten blieben im Hause zurück.

In diesem gewichtigen Falle fanden sich aber doch schliesslich genügend viel Ruderer ein, und so konnte Kwing Irang mit seinem Sohn Bang Awăn und seinem Mantri Bo Kwai, dem Schweine und dem Reis zum Mĕrasè aufbrechen, um seinem Bruder die letzte Ehre zu erweisen.

Bereits während des lāli nugal hatten wir erfahren, dass es unmöglich war, für alle unsere Unternehmungen Männer als Führer oder Ruderer zu finden. In unserer jetzigen Kajanumgebung war aber von Gefahr keine Rede, daher konnten wir auch sehr gut unter unserem eigenen Geleite einige gewandte Leute wählen, die Bier bei der topographischen Aufnahme zu helfen im stande waren; auch erklärte sich der chinesische Händler, der das Flussgebiet und auch die Namen der Berge kannte, bereit, als Führer zu dienen. Am Tage nach der Abreise von Kwing machte sich denn auch Bier mit einem grossen und zwei kleinen Böten, dem Chinesen und zehn unserer Leute auf den Weg, um den Mahakam vom Howong bis an den Blu-u zu messen.

In Anbetracht, dass sein Geleite den Bahau völlig fremd war, sollte Bier sich vorläufig an den Hauptfluss halten. Die Nebenflüsse konnten später gemessen werden, während wir mit Kwing Irang die dort ansässigen Stämme besuchten.

So wurde es denn still in unserer Umgebung und jeder ging seiner Liebhaberei und Arbeit nach. Barth hatte vollauf damit zu tun, alles, was er auf der Reise und später im täglichen Verkehr mit Adjang und der Bevölkerung aufgezeichnet hatte, zu ordnen. Sein Wörterschatz wuchs ständig, indem er den Unterhandlungen zuhörte, die ich den ganzen Tag über beim Einkaufen unserer Lebensmittel und Ethnographica mit Männern, Frauen und Kindern zu führen hatte. Mit seinem geübten Ohr gelang es ihm, zahlreiche Eigenarten der Busangsprache zu beobachten.

Ich war auch diesmal beim Auspacken meines Vorrates an Perlen und Zeugen sehr vorsichtig gewesen; die Festlichkeiten hatten mir aber eine Vorstellung von allem, was ich zu erlangen suchen musste, gegeben, daher begann ich die Kajan mit einigen hübschen Arten von Perlen und Stoffen zu locken. Sie reagierten auch sofort, indem sie mir Stickereien und Perlenarbeiten brachten, die ich früher fast gar nicht hatte erlangen können. Meine schönen inu be̥ne̱ng (Perlen für Kindertragbretter) erregten besonderes Aufsehen und zu meinem Erstaunen wurden mir sogleich einige jener wertvollen Arbeiten abgetreten, obgleich die Menge Perlen, die ich hierfür zurückgab, nicht viel Beifall fand. Weniger gut gelang es mir, für sehr kleine, bunte Perlen, inu buko̱, fertige Arbeiten zu erlangen, wenigstens wollte man mir die Perlenverzierungen der hohen Festmützen dafür nicht abtreten. Nur für meine silbernen Ohrringe ( hisang pẹrăk ) und Armbänder aus Elfenbein wollte man sich von den schönen Mützen trennen. Ich hatte aber noch Zeit und musste meinen Preis halten, um des Schönsten und Besten, das die Bevölkerung hervorbrachte, habhaft zu werden, Daher verlief die erste Zeit mit Nachfragen und Unterhandlungen, die erst viel später, oft erst nach Monaten, zu einem Ergebnis führten. Demmeni, der sich bereits früher durch das Reparieren von Schmucksachen und allerhand Hausrat bei den Eingeborenen beliebt und bekannt gemacht hatte, erfreute sich wieder eines grossen Zulaufs. In unserer Wohnung fand er aber für seine Werkstätte keinen Platz, daher kam es uns sehr gelegen, dass der Schmied des Stammes, Awang Kalei, uns seine neben der unsrigen befindliche Wohnung überliess und selbst auf seinem Reisfelde Quartier nahm.

Kwing Irang kehrte unmittelbar nach dem Begräbnis seines Bruders wieder zurück; er hatte auch keine Nacht mehr am Mĕrasè verbringen dürfen, weil die einen Monat dauernde Verbotszeit gleich nach der Bestattung eingetreten war und es bei Strafe hoher Busse keinem, der nicht am Mĕsarè wohnte, in dieser Zeit gestattet war, das Flussgebiet zu verlassen oder zu betreten. Händler, die sich vorübergehend dort aufhielten, hatten sich noch in den letzten Tagen schleunigst davongemacht, um nicht einen Monat Zeit zu verlieren.

Kwing Irangs Familie ging in Trauer bezw. in Halbtrauer, indem sie alle Schmucksachen und schönen Kleider ablegte und besondere Trauerkleider anlegte. Letztere bestanden für Kings Frauen in schlichten Jacken und Röcken, waren aber nicht aus Baumrinde oder hellbraunem Kattun verfertigt. Auf uns Europäer machten die Frauen jetzt, da sie nicht mit Schmucksachen bedeckt waren, einen viel nackteren Eindruck als früher. Kwing Irangs Traueranzug bestand aus einem Lendentuch ( ) von hellbraunem, d.h. weissem, im Morast braungefärbtem Kattun. Handelt es sich um einen Todesfall in der Familie selbst, so tragen die Frauen am Mahakam, wie die am Mendalam, eine tă-ā und eine ärmellose Jacke aus Baumbast oder braunem Kattun und ein in Form einer Kappe um das Haupt gewundenes Tuch (Siehe nebenstehendes Bild).

Wegen der Halbtrauer der Häuptlingsfamilie durften keine Festlichkeiten im Stamme gefeiert werden, bevor am Mĕrasè am Ende der Verbotszeit das erste be̥t lāli lumu (Ablegen der Trauer) durch Opfer stattgefunden hatte.