Eine bestimmte Rasse wird nicht gezogen; in früheren Jahren hatten jedoch die Malaien vom Kapuas und unteren Mahakam dem Häuptling einige besonders grosse Exemplare von Kampfhähnen mitgebracht und von diesen stammen seine jetzigen, grossen Hähne ab.
Beim Abschied im Jahre 1897 hatte Kwing Irang auch mich gebeten, beim nächsten Besuch Hähne mitzubringen. Der eifrige Betrieb der Hühnerzucht kam uns sehr zustatten, da er uns ständig mit Hühnern und Eiern versorgte. Die Kampfhähne unterscheiden sich von den überall sonst auf Borneo vorkommenden Hähnen nur durch ihre Grösse; besondere Rassenmerkmale besitzen sie nicht.
Die Kämme werden den Hähnen kurz abgeschnitten und auch die Sporen werden meist mit einem Stück Blech abgesägt und zwar so, dass keine Blutung entsteht. Man tut dies, damit sich die Hähne bei Übungsgefechten keinen Schaden zufügen können.
Bei ernsten Gefechten werden den Tieren ungefähr 7 bis 8 cm lange, scharf geschliffene Sporen ( tădji ) an die Unterseite des Fusses gebunden. Der Sporn wird stets nur an einem Fuss befestigt; er läuft entweder gradlinig oder gebogen oder gewunden in eine Spitze aus.
Die Sporen werden von bestimmten Personen, die die Kunst an der Küste gelernt haben, geschliffen und zwar aus Rasiermessern, Tischmessern u.a., welche von Malaien eingeführt werden. Kwing Irang und sein Sohn Bang hatten es im Schleifen besonders weit gebracht; ihre Sporen waren so fein bearbeitet, dass sie tadelloser auch aus einer europäischen Werkstatt nicht hätten hervorgehen können.
Das Schleifen geschieht auf Drehscheiben von verschiedener Grösse und Feinheit, die auf einem einfachen Gestell ruhen und von einem Knaben mittelst einer hin- und hergezogenen Schnur in Bewegung gesetzt werden. Auch diese Drehscheiben sind von den Malaien übernommen worden.
Kwing Irang besass, je nach der Beschaffenheit seines Reisvorrats und der Aussicht auf künftige Gefechte, zwischen 5 und 30 Hähnen, von denen jeder gesondert in einem aus Rotang geflochtenen Korbe unter dem Dache seiner Wohnung hing oder bei den zuverlässigsten seiner Sklaven einquartiert war.
Die Hähne werden morgens und abends ausschliesslich mit ungespelztem Reis gefüttert; sie bekommen wenig zu trinken und gehen nur dann frei herum, wenn der Häuptling sich mit ihnen abends beschäftigt, mit ihren Klauen Gymnastik treibt und die Tiere miteinander kämpfen lässt. Die Hähne werden in der Regel täglich im Fluss gebadet und nass wieder in den Korb gesetzt.
Wahrscheinlich, würde man auf die körperliche Entwicklung der Hähne noch grössere Sorgfalt verwenden, wenn nicht, besonders bei den Bahau, die Farbe und Anordnung der Federn bei der Beurteilung der Tauglichkeit eines Tieres eine so grosse Rolle spielten. Es werden zwar von der Gegenpartei auch die Entwicklung der Muskeln und die Körpergrösse in Betracht gezogen, aber die Farbe der Federn erscheint doch ebenso wichtig. Daher werden, um den Wert der Hähne herabzusetzen, häufig vor den Kämpfen einige Federn von besonders guter Bedeutung ausgezogen.
Bei den Hahnenkämpfen gewinnt derjenige Hahn den Sieg, der den anderen tötet oder in die Flucht jagt. Man beginnt die Tiere zu reizen, indem man dem einen den Kopf festhält und das andere hineinhacken lässt, bis man aus der Heftigkeit der Anfälle ersieht, dass die Tiere genügend in Wut geraten sind. Dann setzt man die Hähne in einem Abstand von 4–5 m auf den Boden und lässt sie gleichzeitig auf einander los. In der Regel laufen sie auf einander zu, fliegen an einander auf und suchen sich mit ihren Sporen zu verwunden. Bisweilen ist keiner der Hähne kampflustig; die Wette bleibt dann unentschieden. Dies ist auch der Fall, wenn beide Tiere gleichzeitig an ihren Funden sterben, oder wenn der Sieger den Besiegten, der ihm zugetragen wird, nicht mehr hacken will, zu hacken wagt oder wegen Ermüdung oder Blutverlust nicht mehr zu hacken im stande ist. Können beide Hähne nicht mehr weiterkämpfen, so gewinnt ebenfalls keine der Parteien.