Zu unserer Verwunderung erschien ungefähr eine Stunde darauf einer der vier Long-Glat, Lugat, mit einigen Bewohnern von Uma Wak und fragte uns, ob sein Bruder Adjāng und Ibau nicht bei uns seien. So viel wir aus seiner verworrenen Erzählung begriffen, waren sie in ihrem Boot hinaufgefahren, aber bald von einem Strudel erfasst worden, wobei Lugat aus dem Boote geschleudert wurde. Nachdem dieser, nach längerem Kampf mit dem Wasser, die Oberfläche erreichte hatte, rettete er sich schwimmend ans Ufer. Dort fand er den einen Gefährten, Dja-āng, dem es ebenso ergangen war. Von den beiden anderen wussten sie nichts. Da sie an diesem Tage nicht zurückkehrten, waren sie augenscheinlich ertrunken. Den Leuten von Uma Wak traten die Tränen in die Augen, als sie hörten, dass die beiden nicht bei uns waren, und Lugat brach in heftiges Weinen aus, rief nach Adjāng und Ibau und machte sich Vorwürfe, dass er nicht besser für sie gesorgt hatte.

Demmeni und ich standen selbst noch so sehr unter dem Eindruck des plötzlichen Todes der beiden tüchtigen jungen Leute, mit denen wir kurz zuvor gescherzt hatten, dass wir keine Trostworte fanden. In unserer unglücklichen Lage und in dieser wilden, finsteren Umgebung fühlten wir uns durch das Geschehene doppelt niedergeschlagen. Schwere Wolken hingen über uns und ununterbrochen fiel ein feiner Staubregen.

Im Lauf des Tages traf Njok tief betrübt bei uns ein. Obgleich ich indirekt an dem Unglück die Schuld trug, indem ich zu früh von Long Dĕho aufgebrochen war, hörte ich kein Wort des Vorwurfs; nur betrauerten alle den Verlust der Ihrigen und Lugat quälte sich unaufhörlich mit Selbstvorwürfen.

Die Leute von Long Dĕho und Uma Wak kehrten mit Njok nach Hause zurück und liessen andere Dorfgenossen bei uns. Am anderen Morgen kam Njok zu uns und sagte, er habe abends mit anderen beschlossen, hier neun Tage zu verbringen, da die Leichen, die er gern begraben wollte, in dieser Zeit an die Oberfläche kommen würden. Die Bewohner der anderen Niederlassungen sollten ihm helfen. Ich war überzeugt, dass die heftige Strömung die Leichen abwärts getrieben haben musste, aber Njok behauptete, dass dies nicht der Fall sei. Nach einiger Zeit trafen auch Ibau Adjāng und einige Böte der Uma Wak und Batu Pala ein, um suchen zu helfen. Ein Lager wurde oberhalb und ein zweites unterhalb des Kiham Udang aufgeschlagen. Zu meinem Erstaunen brachte mir Njok noch eine andere, erfreuliche Nachricht, nämlich, dass die Kajan mit Kwing Irang bereits in Long Dĕho waren und dass Sorong sogleich kommen würde, um zu berichten, warum sie so lange mit der Abreise gezögert hätten.

Gleich nach dem Essen traf Sorong wirklich ein und erzählte, dass Kwing Irang, seinem Plan gemäss, beim bulan pusit (Neumond) mit ihm ein me̥lo̱ njăho̱ gehalten hatte, dass aber am Abend des zweiten Tages alle Gonge in der Niederlassung ertönt hatten, weil ein Ehepaar, Anjang Bawan und Anja Song, die am Abhang des Batu Mili Harz suchten, noch nicht zurückgekehrt waren. Es blieb ihnen nichts übrig, als mit allen anderen auf die Suche zu gehen, was vier Tage dauerte, worauf Anjang, man wusste nicht wie, plötzlich in einer Hütte erschien, in der einige alte, halb blinde Männer wohnten. Sein Mund war voll Erde, die man nur mit Mühe entfernen konnte, auch konnte er beinahe nicht sprechen. Aus seinen verwirrten Antworten erfuhr man nur, dass er und seine Frau durch Geister erschreckt worden waren und dass diese sie auf den Berg mitgenommen hatten. Im Reiche der Geister, die gerade Neujahr feierten, hatten sie einander aus dem Auge verloren; doch hatte sich Anjang trotzdem am Hühner- und Schweinefleisch gütlich getan. Nach einigen Tagen, als man sich gemeinschaftlich über hohe Bretterstege zu den Geistern auf dem gegenüberliegenden Batu Kasian begab, fiel Anjang vom Stege und langte plötzlich bei den alten Männern an. Seit der Zeit war er sehr verschlossen und wollte nichts mehr erzählen. Auch nach viertägigem Suchen hatte man Anja Song nicht gefunden, aber Kwing hatte nicht länger warten wollen und war abgereist. Ich zweifelte nicht an der Wahrheit dieses Berichtes, wusste aber nicht, was ich davon denken sollte, und erhielt auch von Sorong keinen Aufschluss.

Am 18. Mai, gegen Mittag, traf Kwing Irang mit 10 Leuten bei uns ein. Dass er nun doch die Reise mit mir fortsetzen konnte, schien ihn sichtlich zu bewegen und ich war zu froh, diese Unglücksstätte verlassen zu können, um ihm der endlosen Verzögerungen wegen Vorwürfe zu machen. Hierzu hatte ich, mit meiner Überlegenheit an Kenntnissen und Handlungsfreiheit übrigens kein Recht, da er ohnehin meinetwegen mit den Überzeugungen und Sitten seines Stammes einen ständigen Kampf führte.

Kwing erklärte auch jetzt, nicht mit den Long-Glat auf das Finden der Leichen warten zu können. Er wollte am anderen Morgen mit seinen Kajan und ihrem vielen Gepäck den Udang passieren und mich dann abholen. Das Wasser fiel und der Himmel klärte sich auf, so sah ich Kwing guter Stimmung nach Uma Wak zurückkehren. Hier konnten sich die jungen Kajan nur mit Mühe den Liebenswürdigkeiten der Frauen entziehen, die die frischen jungen Burschen gern bei sich behalten hätten; es blieb diesen auch nichts übrig, als durch Geschenke, wie Tragkörbe und neue Kopftücher aus Baumbast, den Frauen ihren Dank zu bezeigen. Daher fuhr die Flotte der Kajan, die aus 20 Böten bestand, erst um 12 Uhr an uns vorüber; nur Kwing legte für einen Augenblick bei uns an, um zu sehen, ob wir reisefertig waren.

Am Abend zuvor war es den Long-Glat geglückt, wenigstens eine der Leichen zu finden. Lugat, der den ganzen Tag mit einigen Freunden den Fluss auf- und niedergefahren war, hatte die Leiche seines Bruders, noch bevor diese in den Udang geriet, auffangen können. Am gleichen Abend wurde Adjāng am Ufer begraben, ein kleines Grabmal errichtet und dort zugleich auch für Ibau, dessen Leiche später am mittlerer. Mahakam gefunden wurde, eine Ausstattung für Apu Ke̥siọ niedergelegt.

Mit Njok vereinbarte ich, dass ich in Uma Mĕhak auf ihn warten sollte, da er uns mit seinem Gepäck und Rotang folgen wollte. Allein hätten die Long-Glat dies sicher nicht zu tun gewagt, da das Unglück, ein deutlicher Beweis der Unzufriedenheit der Geister, sie zur Heimreise gezwungen hätte.

Gegen 3 Uhr wurden wir aus unserer feuchten, dunklen Höhle, in der wir nun 1 m niedriger als anfangs lagen und mit unseren Böten zwischen Sand und Ästen eingeklemmt zu werden drohten, befreit. Die Malaien hatten die Pflanzen wieder in das grösste Boot gebracht, das mittelst fester Rotangtaue längs der Uferfelsen vorsichtig den Fall hinabgelassen wurde.