Akam Igau war zwar bei dieser Verhandlung nicht gegenwärtig gewesen, ich wusste aber doch, dass auch er für einen beschleunigten Aufbruch war und fragte ihn daher nicht um seine Meinung. Wir hatten zugleich überlegt, dass es unmöglich sein würde, für die 140 Mann, die sich am Zuge beteiligen sollten, auch den Proviant in den Böten gleich mitzuführen; es sollte daher ein Vorrat Reis und Salz so schnell und so weit als möglich den Kapuas aufwärts transportiert und dort bewacht werden, bis wir nachkamen und ihn über Land Weiterschaffen konnten.

Als die Zeit des Aufbruchs ungefähr bestimmt war, erkundigten sich die verschiedenen Häuptlinge nach der Zahl der Dorfgenossen, die mitgehen konnten. Bald trat die alte Eifersucht zwischen Akam Igau und Tigang wieder zu Tage; letzterer erzählte triumphierend, dass er in Tandjong Kuda, seinem Dorf, 50 Mann aufstellen konnte, Tandjong Karang dagegen nur 30, Pagong nur 10 und die Ma Suling ebenfalls nur 10 Mann. Da Tigang der Schwiegersohn von Akam Lasa, dem Ma Suling Häuptling, war, der selbst nicht mitziehen konnte, so fügte sich der Anführer der Ma Suling mehr Tigang als Akam Igau.

Dieser wusste jedoch, dass ich ihn, den erprobten Führer, doch als Leiter des Ganzen behandeln würde und nahm sich die geringere Anzahl seiner Männer nicht zu Herzen.

Inzwischen war die Ernte vorüber und das Erntefest mit gewohnter Freude und Feierlichkeit begangen worden; ich hatte mich wiederum davon überzeugen können, in wie hohem Masse die ganze Bevölkerung von den für Europäer so unbegreiflichen und unsinnigen religiösen Zeremonien ergriffen wurde. So verging der ganze Monat Juni; da er sehr trocken, also zum Reisen äusserst geeignet gewesen und ich ausserdem überzeugt war, dass es noch lange dauern würde, bevor wir uns in Bewegung setzen konnten, machte mich das Warten sehr ungeduldig. Es war mir noch ein Trost, dass ich, nachdem ich erst 12 Böte mit einer grossen Menge Reis nach Putus Sibau hatte bringen lassen, einige Tage darauf eine zweite Truppe Kajan aus Tandjong Karang mit 2000 kg Reis und 14 Blechgefässen Salz den Kapuas aufwärts schicken konnte. Sie sollte versuchen, den Kapuas, Bungan und Bulit bis zu dem Ort hinaufzufahren, von wo aus der Landweg beginnen sollte; zwei bewaffnete Schutzsoldaten, von denen der eine, Korporal Suka, bereits auf einer Expedition am oberen Mĕlawie sich ausgezeichnet hatte, und ein Kajan, der die Punansprache kannte, wurden als genügende Bewachung im unbewohnten Berglande angesehen.

In Putus Sibau war es dem Kontrolleur inzwischen gelungen, die tüchtigsten der bewaffneten malaiischen Schutzsoldaten dazu zu bringen, uns zum Mahakam zu begleiten.

Zu unserem Erstaunen war auch ein malaiischer Häuptling, Raden Inu, sein Bruder, Abang Ganda, und ein Untergebener, Persat, aus dem Pinaugebiet am Mĕlawie nach Putus Sibau gekommen; diese hatten zufälliger Weise gehört, dass der Kontrolleur, den sie von früher her kannten, eine grosse Reise antreten sollte, und wollten sich nun aus alter Anhänglichkeit an derselben beteiligen. Ein Zuwachs der Gesellschaft erschien uns anfangs zwar nicht sehr erwünscht, weil die Leute aber so viel Eifer an den Tag legten, beschlossen wir doch, sie mitzunehmen, und haben es später auf der Reise nicht zu bereuen gehabt.

Mein Aufenthalt am Mendalam war nun nicht mehr unbedingt notwendig und auch Akam Igau drang darauf, man solle sich zur Reise vorbereiten, damit man nach der Rückkehr der Gesandtschaften gleich aufbrechen könne; ich nahm daher zum Leidwesen meiner vielen Freunde und Bekannten von Tandjong Karang Abschied und kehrte nach Putus Sibau zurück.

Hier waren unterdessen aus Pontianak nachbestellte Güter angekommen, auch allerhand nützliche Dinge, wie Kisten für Lampen und andere tägliche Gebrauchsartikel, verfertigt und ein Vorrat Segeltuchs zugeschnitten, besäumt und mit Seilen versehen worden. Ferner hatte Demmeni auf seine photographische Ausrüstung viel Arbeit verwandt; ebenso Bier für eine topographische Aufnahme des Mahakamgebietes alles vorbereitet.

Um alles hatte sich der Kontrolleur Barth bekümmert, und ich sah zu meiner Befriedigung, dass er auch mit den Eingeborenen sehr gut umzugehen verstand. Da die allgemeine Verkehrssprache der Bahau, das Busang, ihm noch unbekannt war, hatte er sich alle Mühe gegeben, sie vor dem Beginn des Zuges zu erlernen.

Ich hatte bereits 1894 dem ältesten Sohne Akam Igaus, namens Ju, das Lesen und Schreiben mit lateinischen Buchstaben beigebracht; nun hatte er den Kontrolleur gebeten, auch seinen jüngeren Sohn, Adjang, im Lesen und Schreiben des Malaiischen, das er nur notdürftig sprach, zu unterrichten. Adjang war studienhalber nicht nur monatelang beim Kontrolleur in Putus Sibau geblieben, sondern zog auch mit uns zum Mahakam. Während unserer Reise durch den Urwald lernte er abends im Lager seine Lektionen ebenso eifrig wie in Putus Sibau, und am Mahakam angekommen las und schrieb er bereits befriedigend.