So glaube ich diese Vergiftung dem Genuss des Argusfasans zuschreiben zu müssen, der wahrscheinlich selbst durch Früchte vergiftet worden war.

Bei der Jagd auf kleine Säugetiere und Vögel haben die Eingeborenen einen besseren Erfolg mit dem Fallenstellen als mit dem Blasrohrschiessen. Die Fallen werden in den Durchgängen von Hecken angebracht, welche aus umgehauenen Sträuchern in einer Länge von mehreren hundert Metern aufgerichtet werden. Die Öffnungen in der Hecke befinden sich in der Nähe dünner, gebogener Bäumchen, die als Feder dienen, um die daran befestigte Schlinge in die Höhe zu ziehen, sobald der Widerstand, der sie gebogen hielt, entfernt wird. Dieser Widerstand wird durch eine dünne Schnur gebildet, deren eines Ende am Gipfel eines Stämmchens befestigt ist, deren anderes ein 6 cm langes Hölzchen trägt. Letzteres wird unten auf dem Boden zwischen einer gebogenen, an beiden Enden in der Erde steckenden Rute und dem Rand eines aus gespaltenem Rotang geflochtenen viereckigen Rahmens eingeklemmt gehalten. Mit dem einen Rande ruht dieser Rahmen schräg auf dem Grunde des Durchgangs, mit dem gegenüberliegenden auf dem anderen Ende des Hölzchens an der Schnur des Baumgipfels. Die Federkraft des gebogen gehaltenen Stämmchens zieht das Hölzchen so stark gegen den Rand des etwa 2 dm 2 messenden Bambusrahmens, dass dieser geneigt gehalten wird. Dadurch, dass die eigentliche Schlinge mit dem einen Ende mit dem Stammgipfel verbunden und das andere in Form einer offenen Schlinge auf dem geneigten Rahmen ausgebreitet ist, wird bewirkt, dass durch einen Tritt auf den Rahmen dieser auf den Boden klappt, das Hölzchen losschiesst und der Stammgipfel, der dann nicht mehr nach unten gehalten wird, beim Hinaufschnellen die Schlinge mit nach oben zieht. Ein Sachkundiger legt die Schlinge unter einigen Blättern so auf dem Rahmen aus, dass jeder hier auftretende Fuss von der emporschnellenden Schlinge gepackt und das Tier gefangen wird. Für hühnerartige Vögel ist diese Fangmethode besonders zweckmässig, weil man diese Tiere ihrer Scheuheit wegen in diesem Chaos von totem und lebendem Holz und Laub nicht beschleichen kann. Auch der kantjil (Cervulus muntjac) und einige Affen werden mit diesen Fallen gefangen; grössere Tiere zerreissen die Schlingen, was häufig geschieht.

Derartige Fallen werden auch um die Tanzplätze der Argusfasanen aufgestellt, die an hochgelegenen Waldstellen oder häufig auch auf den Gipfeln von Bergrücken, wo sie eine Stelle zum Abhalten ihrer Wetttänze von Ästen und Blättern säubern, zusammenzukommen pflegen. Diese sonst so scheuen Vögel gehen an einem solchen Ort leicht in die Falle. Für diese Schlingen werden die Schnüre aus den Fasern eines braunen Baumbasts gedreht, weil diese im Busch weniger auffallen als die gewöhnlichen grauen Schnüre, die aus dem Bast der Lianen aka klẹa oder te̥ngāng verfertigt werden, indem man diesen in 3–4 dm lange Fasern auseinander zupft und dann zusammendreht.

Wie gesagt, verstehen sich lange nicht alle Bahau gut auf das Fallenlegen; nach ihrer Überzeugung hängt der Erfolg auch viel mehr von der Beachtung aller Vorsichtsmassregeln beim Aussetzen der Schlingen als von der dabei befolgten Sorgfalt ab. Vor allem muss der Tag schön sein, ohne Regen und Nebel; Unbeteiligte dürfen von der Unternehmung eigentlich nichts wissen, auch mag man sich über das erwartete Resultat nicht auslassen. Eine grosse Gesellschaft ist beim Bau der Hecke unerwünscht; am besten ist es, wenn ein oder zwei Männer sich ohne Mitwissen anderer auf den Weg machen. Dem Fallensteller darf vorher auch kein guter Erfolg gewünscht werden, eine Regel, die übrigens für alle Jäger und Fischer gilt und gegen die ich mich anfangs aus Unwissenheit recht häufig versündigte.

Erlegter wilder Stier.

Erlegter wilder Stier.

Nicht nur Menschen, sondern auch Hunde jagen bei den Mahakambewohnern nur nach einer vorhergehenden Beschwörung mit Erfolg. Während meines Aufenthaltes an unserer vorhin erwähnten Jagdstation am Blu-u fürchtete Kwing einmal, dass seine Hunde nach einigen schlechten Vorzeichen die ersehnte Wildschweinbeute nicht liefern würden. Er suchte daher einige Blätter von daun long, die gegen böse Geister wirksam sind, packte seinen besten Hund beim Nacken, klopfte ihm, einige Sätze murmelnd, mit dem Blatt 8 Mal auf den Kopf und nahm dann mit dem Hinterteil des Tieres dieselbe Prozedur vor, worauf er dieses in die Höhe hob und mit kräftigem Schwunge an einer tiefen Stelle ins Flüsschen Dingei warf. Auch seine beiden anderen Hunde kamen an die Reihe, und da ich Kwings Beschwörungen aus einiger Entfernung nicht verstehen konnte, brachte ich ihm meinen Sultan zur gleichen Bearbeitung. Während er nun auch diesen mit demselben Eifer beklopfte, gab er ihm den Auftrag, an diesem Tage im Aufspüren des Wildes sein Bestes zu leisten und sich besonders auf die Schweinejagd zu verlegen. Um den Erfolg seiner Bemühungen nicht zu vereiteln, warf nun auch ich meinen Hund mit kräftigem Schwung in den Fluss, voll Vertrauen auf ein günstiges Resultat. Leider brachte uns dieser Tag nur Enttäuschung, die Hunde schlugen sogar kein einziges Mal an.

Sehr auffällig war es, dass die Kajan so sehr wenig auf die Gewohnheiten des gesuchten Wildes zu achten verstanden; einst mussten wir ihrer Ungeschicklichkeit wegen die Verfolgung eines wilden Rindes sogar aufgeben. Zwar töteten sie später einen durch Verwundung erschöpften Stier, aber mit so vielen Speerstichen, dass sein Fell nicht mehr zu gebrauchen war. Einige Kajan eilten sogar nachdem das Tier schon niedergemacht war, noch herbei und durchstachen zum Beweis ihres Mutes auch die Leiche noch mit dem Speer.

Die Punan verstehen sich als Jägerstamm wahrscheinlich besser auf die Jagd, doch habe ich sie nicht selbst beobachten können. Grosse Tiere, wie das Nashorn, wissen übrigens auch sie nicht auf rationelle Weise zu erlegen. Hat nämlich jemand die Spur eines Nashorns entdeckt, so vereinigt sich eine grosse Anzahl hauptsächlich mit Speeren bewaffneter Männer und beschleicht das Tier im Schlaf oder wenn es an Gegenwehr nicht denkt. Dadurch, dass man dem Opfer immer wieder einen Speerstich beibringt, verendet es allmählich vor Schwäche, bisweilen jedoch erst nach 8 Tagen, nachdem es oft mehrere Menschen verwundet oder getötet hat. Ähnliches berichteten mir einmal einige Kajan von ihrer Jagd auf die Riesenschlange (Boa constrictor). Sie verfolgten das Tier, dem sie beim Sammeln von Waldprodukten begegnet waren, über zwei recht hohe Hügelrücken und töteten es erst nach mehreren Stunden. Die Schlange soll den Umfang eines Männerthorax gehabt haben. Das Fleisch der Boa wird nur von den Punan genossen.

Die nichts weniger als glänzenden Jagdresultate unserer Kajan hätten in uns die Vorstellung geweckt, die tropischen Wälder seien arm an Wild, wenn uns nicht die Jagderfolge unseres Reisegenossen Von Berchtold auf unserem vorigen Zuge vom Gegenteil überzeugt hätten. Obgleich Von Berchtold alle gesammelten Tiere präparieren musste, wodurch ihm zum Jagen nicht viel Zeit übrig blieb, schoss er doch so viel Wild wie alle anderen zusammen. Er besass aber auch ein ganz anderes Verständnis für die Jagd, auch kamen ihm seine in europäischen Wäldern erworbenen Erfahrungen sehr zu statten. Bei der Vogeljagd verfuhr er folgendermassen: er setzte sich an geeigneter Stelle im Walde hin und wartete bewegungslos der kommenden Dinge. In der stillen, dunklen Umgebung begann es sich dann bisweilen bereits nach kurzer Zeit zu regen. In den Bäumen zeigten sich eine Menge sehr verschiedener kleiner Vögel und allerlei Arten äusserst zierlicher Eichhorne, auch Affen, die ihre Schlupfwinkel auf den Ästen verliessen und auf dem Erdboden nach abgefallenen Früchten suchten. Um einen Baum mit reifen Früchten sammelten sich eine Menge fliegender und laufender Waldbewohner; bei einigen Feigenbäumen mit orangefarbigen Früchten in unserer Nähe schoss er in 1 Stunde mehrere neue Vogelarten und einige rebhuhnartige Waldhühner, die unserem Mittagstisch eine Extraschüssel lieferten.